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Gedämpfte Erwartungen –Trittschalldämmung auswählen

Die Anforderungen an eine Trittschalldämmung sind in der DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ und DIN EN 140, Teil 8 „Messung der Trittschallminderung durch eine Deckenauflage auf einer massiven Bezugsdecke in Prüfständen“, geregelt. Geprüft wird auf einer Normbetondecke, auf die ein Bodenbelag einmal mit und einmal ohne Dämmunterlage aufgelegt und mit dem Normhammerwerk bearbeitet wird. Obwohl seit 1989 der Einbau eines schwimmenden Estrichs obligatorisch ist, wird das bewertete Trittschallverbesserungsmaß von Bodenbelägen nach wie vor nur auf der Rohdecke geprüft und durch eine einfache Rechnung (ΔLw,Estrich+Belag – ΔLw,Estrich) beurteilt. Interessanterweise erreicht nach einer Messreihe des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik jeder schwimmend verlegte und damit austauschbare Bodenbelag auf der Rohdecke eine wesentlich höhere Trittschallminderung als auf einem schwimmenden Estrich. Das gilt aber nicht für alle Frequenzbereiche: Während der Belag im niedrigen Frequenzbereich bei der Trittschalldämmung auf Estrich fast keine weitere Verbesserung bringt, kann er den Trittschall im hohen Frequenzbereich gegenüber der nackten Rohdecke noch einmal deutlich mindern. Der ist in der Praxis allerdings kaum von Bedeutung. Die Trittschallminderung der Bodenbeläge mit Dämmunterlage ist auf Estrichen übrigens dann ein wenig besser, wenn unterhalb des Estrichs eine sehr steife Dämmung verbaut wurde.

Doch welche Trittschalldämmung ist nun die richtige? Hersteller von Dämmunterlagen für Laminatböden geben für ihre Produkte den sogenannten ISLam-Wert an. Mit ihm wird die Fähigkeit einer Dämmunterlage angegeben, den Trittschall zu mindern. Die Mindestanforderung liegt hier bei 14 dB. Alle Dämmschichten, die darunter liegen, werden als reine Trennschicht gesehen. Für erhöhte Anforderungen sollte der ISLam-Wert mindestens 18 dB betragen. Diese Werte werden von den Herstellern zwar normgerecht auf der Rohbetondecke ermittelt, als Planungsgrundlage für die Trittschalldämmung auf Estrich sind sie jedoch nur bedingt brauchbar.

Die Dämmunterlage hat mehrere Aufgaben

Nun könnte man sagen, dass eine Trittschallunterlage unter Bodenbelägen eigentlich überflüssig sei. Dem ist aber nicht so, da dieser Schicht bauphysikalisch auch noch weitere Aufgaben zukommen – was wiederum die Antwort auf die Frage beeinflusst, welche Trittschalldämmung die beste ist. Zu den zusätzlichen Aufgaben gehört in erster Linie eine Trittschalldämmung, die auch zur Wärmedämmung über unbeheizten Räumen dient, vor allem dann, wenn der Einbau einer richtigen Wärmedämmung zu aufwendig oder teuer wäre. Unebenheiten bis 2 mm pro Meter können durch die bis zu 5 mm dicken PE-Schäume hervorragend kaschiert werden. Mit einer Kombination aus Dämmunterlage und aufkaschierter Feuchtebremse wird der Bodenbelag zudem gegen aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Estrich geschützt.

PE-Schaum „Polynorm PE“ (Bild: Ewifoam)

PE-Schaum „Polynorm PE“ (Bild: Ewifoam)

XPS-Schaum „Selitac“ (Bild: Selit Dämmtechnik)

XPS-Schaum „Selitac“ (Bild: Selit Dämmtechnik)

PUR „Silent Pro“ (Bild: Hamberger)

PUR „Silent Pro“ (Bild: Hamberger)

Da ein schwimmender Bodenbelag auf einem schwimmenden Estrich quasi als doppeltes Masse-Feder-Masse-System zu sehen ist, kommen für die Dämmunterlage bei Bodenbelägen mehr oder weniger weiche Materialien zum Einsatz. Dabei gilt es aber zu beachten, dass nicht jeder Bodenbelag für den Einsatz auf diesen elastischen Unterlagen geeignet ist. Die für eine optimale Schalldämmung ideale weiche Dämmung bietet beispielsweise den sensiblen Klickverbindungen von Laminatböden und Mehrschichtparkett nicht genügend Stabilität. Eher dünne und steifere Dämmmaterialien bieten kaum Wärmedämmung. Die Wahl der richtigen Dämmunterlage ist also immer ein Kompromiss zwischen den genannten Anforderungen. Auf die Frage, welche Trittschalldämmung sich unter einem bestimmten Bodenbelag am besten eignet, kann letztendlich nur der jeweilige Bodenbelagshersteller verbindlich Antwort geben.

Viskoelastisches Mischpolymerisat „SilentBase“ (Bild: Henjes GmbH)

Viskoelastisches Mischpolymerisat „SilentBase“ (Bild: Henjes GmbH)

Holzweichfaser „Parkett felt“ (Bild: Ewifoam)

Holzweichfaser „Parkett felt“ (Bild: Ewifoam)

Kork „cortica cork” (Bild: Ewifoam)

Kork „cortica cork” (Bild: Ewifoam)

Zur Trittschalldämmung geeignetes Material unter Bodenbelägen:

PE-Schaum

Rollenware, Platte oder Faltplatte; Rohdichte 20 – 120 kg/m3; mit und ohne Dampfbremse; Trittschallreduzierung bis zu 19 dB; Gehschallreduzierung bis zu 8 %; WDW 0,039 – 0,063 m2K/W

XPS-Schaum

Rollenware, Platte oder Faltplatte; Rohdichte ca. 40 – 75 kg/m3¸ Trittschallreduzierung bis zu 20 dB; Gehschallreduzierung bis zu 9 %; WDW 0,063 – 0,070 m2K/W; sehr gute Wärmedämmung; hohe Druckstabilität

PUR

Rollenware; Flächengewicht 2,8 kg/m2; mit und ohne Dampfbremse; Trittschallreduzierung 19 dB; Gehschallreduzierung 23 Sone

Viskoelastisches Mischpolymerisat

Rohdichte ca. 100 kg/m3; Trittschallreduzierung 19 dB; Gehschallreduzierung knapp 33 %; WDW 0,0216 m2K/W; mit etwa 1 mm Stärke extrem dünn

Holzweichfaser

Platten; Rohdichte ca. 240 kg/m3; Trittschallreduzierung bis zu 19 dB; Gehschallreduzierung bis zu 6 %; WDW 0,110 m2K/W; hohe Wärmedämmwerte

Kork

Rollenware, Platten; Rohdichte ca. 210 kg/m3; Trittschallreduzierung bis 18 dB; Gehschallreduzierung ca. 5%; WDW 0,065 m2K/W (Rolle) bis 0,230 m2K/W (Platte)