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Trittschalldämmung: Wenn’s hart auf hart liegt

Trittschalldämmungen fristen ein weithin unbeachtetes Dasein in der Unterwelt der harten Bodenbeläge. Völlig zu Unrecht, weil doch gerade sie es sind, die das Begehen von Laminat- und Mehrschichtparkettböden für Hausherrn wie für Nachbarn akustisch überhaupt erst erträglich macht. Hersteller von Dämmunterlagen für harte Bodenbeläge geben für ihre Produkte den sogenannten ISLam-Wert an, mit dem die Fähigkeit einer Dämmunterlage angegeben wird, den Trittschall zu mindern. Die Mindestanforderung liegt hier bei 14 dB, alle Produkte, die diesen Wert nicht erreichen, werden als reine Trennschicht gesehen. Für erhöhte Anforderungen sollte der ISLam-Wert mindestens 18 dB betragen. Diese Werte werden von den Herstellern allerdings auf der Rohbetondecke ermittelt, was zwar normgerecht, aber als Planungsgrundlage nur bedingt brauchbar ist. Interessanterweise erreicht nach einer Messreihe des Fraunhofer-IBP jeder schwimmend verlegte und damit austauschbare Bodenbelag auf der Rohdecke eine wesentlich höhere Trittschallminderung als auf einem schwimmenden Estrich. Das gilt aber nicht für alle Frequenzbereiche: Während der Belag auf Estrich im niedrigen Frequenzbereich fast keine weitere Verbesserung bringt, kann er den Trittschall im hohen Frequenzbereich gegenüber der nackten Rohdecke noch einmal deutlich mindern. Der ist in der Praxis allerdings kaum von Bedeutung. Die Trittschallminderung der Bodenbeläge mit Dämmunterlage ist auf Estrichen übrigens dann ein wenig besser, wenn unterhalb des Estrichs eine Trittschalldämmung mit einer hohen dynamischen Steifigkeit verbaut wurde.

Unterlagen zur Trittschalldämmung werden immer weiter entwickelt

Die Trittschalldämmunterlagen bieten eine gewisse Produktvarianz, sowohl hinsichtlich des Materials, als auch hinsichtlich der Konfektionierung: So bekommt man etwa schwere Matten, die die Gehgeräusche fast komplett schlucken, dünne Polyäthylen- (PE-)Schaumrollen, die die Strahlungswärme einer Fußbodenheizung auf ihrem Weg nach oben möglichst wenig behindern soll oder auch sogenannte Faltplatten. Während man die Dämmrollen erst ausrollen, auf dem Unterboden fixieren und dann an den Seitenstößen der Bahnen mit einem Klebeband miteinander verbinden musste, so haben die Faltplatten seitlich durchlaufende Schwalbenschwanz-Verbindungen. Damit lassen sich die Bahnen zu einer geschlossenen und satt aufliegenden Fläche regelrecht zusammen-„puzzlen“. Die Bahnenstöße müssen Sie dann aber trotzdem noch abkleben – die Faltplatten weisen nämlich auf der Oberseite eine Alu-Kaschierung als eingebaute Dampfbremse auf. Damit die auch an den Stößen dampfdicht bleibt, ist ein spezielles Alu-Klebeband nötig. Immerhin sparen Sie sich so das Auslegen einer dampfbremsenden PE-Folie, die bei allen mineralischen Untergründen (Zementestriche) unter der Trittschalldämmung ausgerollt werden muss. Ein aufgedrucktes Zentimeterraster hilft beim Zuschnitt.
 
Fairerweise muss man sagen, dass diese Weiterentwicklungen sich weit überwiegend bei den PE-oder auch XPS(extrudiertes Polystyrol)- geschäumten Trittschallprodukten abspielen. Andere Materialien wie Holzweichfaser, Kork oder viskoelastisches Mischpolymerisat zur Trittschalldämmung bekommen Sie lediglich in den gewohnten Darreichungsformen Matte oder Rolle.

Faltplatten zur Trittschalldämmung erleichtern die Verlegung gegenüber den Dämmrollen sehr. (Bild: Selit Dämmtechnik)

Faltplatten zur Trittschalldämmung erleichtern die Verlegung gegenüber den Dämmrollen sehr. (Bild: Selit Dämmtechnik)

Schwalbenschwanzverbindungen an den Längsseiten erleichtern das fugenlose Verlegen. (Bild: Selit Dämmtechnik)

Schwalbenschwanzverbindungen an den Längsseiten erleichtern das fugenlose Verlegen. (Bild: Selit Dämmtechnik)

Holzweichfaserplatten werden nach wie vor nur als Matten in verschiedenen Größen angeboten. (Bild: Ewifoam)

Holzweichfaserplatten werden nach wie vor nur als Matten in verschiedenen Größen angeboten. (Bild: Ewifoam)

Kork von der Rolle bietet einen sehr geringen Wärmedurchlasswiderstand und ist auf Fußbodenheizungen gut geeignet. (Bild: Ewifoam)

Kork von der Rolle bietet einen sehr geringen Wärmedurchlasswiderstand und ist auf Fußbodenheizungen gut geeignet. (Bild: Ewifoam)

Viskoelastisches Mischpolymerisat kombiniert gute Trittschallminderung und sehr dünne Schichtdicken. (Bild: Henjes GmbH)

Viskoelastisches Mischpolymerisat kombiniert gute Trittschallminderung und sehr dünne Schichtdicken. (Bild: Henjes GmbH)

Hybrid hält auch bei Dämmunterlagen Einzug

Den Dämmunterlagen unter harten Bodenbelägen kommen bauphysikalisch auch noch weitere Aufgaben zu. In erster Linie ist das eine gewisse Verbesserung der Wärmedämmung über unbeheizten Räumen, vor allem dann, wenn der Einbau einer richtigen Wärmedämmung zu aufwändig oder teuer wäre. Unebenheiten bis 2 mm pro Meter können durch die bis zu 5 mm dicken Unterlagen hervorragend kaschiert werden. Mit einer Kombination aus Dämmunterlage und aufkaschierter Feuchtebremse wird der Bodenbelag zudem gegen aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Estrich geschützt, wichtig ist hier aber, dass die Stöße ebenso dampfdicht (Alu-Klebeband) abgeklebt werden.

Ein mehrschichtiger Hybridschaum vereint hohe Trittschallreduzierung und hohe Druckstabilität. (Bild: Selit Dämmtechnik)

Ein mehrschichtiger Hybridschaum vereint hohe Trittschallreduzierung und hohe Druckstabilität. (Bild: Selit Dämmtechnik)


Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sich beim Hersteller direkt nach der Eignung bestimmter Dämmunterlagen erkundigen. (Bild: Selit Dämmtechnik)

Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sich beim Hersteller direkt nach der Eignung bestimmter Dämmunterlagen erkundigen. (Bild: Selit Dämmtechnik)

Da ein schwimmender Bodenbelag auf einem schwimmenden Estrich quasi als doppeltes Masse-Feder-Masse-System zu sehen ist, kommen für die Dämmunterlage bei Bodenbelägen mehr oder weniger weiche Materialien zum Einsatz. Dabei gilt es aber zu beachten, dass nicht jeder Bodenbelag für den Einsatz auf diesen elastischen Unterlagen geeignet ist. Die für eine optimale Schalldämmung  ideale weiche Dämmung bietet beispielsweise den sensiblen Klickverbindungen von Laminatböden und  Mehrschichtparkett nicht genügend Stabilität. Eher dünne und steifere Dämmmaterialien bieten kaum Wärmedämmung. Eine relativ neue Dämmunterlage basiert auf einem Hybridschaum. Der vereint durch einen zweischichtigen Aufbau die geforderte hohe Trittschallminderung von bis zu 21 dB mit einer hohen dauerhaften Druckfestigkeit von über 25 kPa.
 
Zur Eignung eines Dämmmaterials unter einem bestimmten  Bodenbelag kann letztendlich nur der jeweilige Bodenbelagshersteller verbindliche Auskünfte geben. Viele Hersteller bieten Produktfinder auf ihren Internetseiten oder als App an, mit denen Sie bei der Wahl des Materials und der Dicke auf der sicheren Seite sind.

Zur Trittschalldämmung geeignetes Material unter Bodenbelägen:

PE-Schaum

Rollenware, Platte oder Faltplatte; Rohdichte 20 – 120 kg/m3; mit und ohne Dampfbremse; Trittschallreduzierung bis zu 19 dB; Gehschallreduzierung bis zu 8 %; WDW 0,039 – 0,063 m2K/W

XPS-Schaum

Rollenware, Platte oder Faltplatte; Rohdichte ca. 40 – 75 kg/m3¸ Trittschallreduzierung bis zu 20 dB; Gehschallreduzierung bis zu 9 %; WDW 0,063 – 0,070 m2K/W; sehr gute Wärmedämmung; hohe Druckstabilität

PUR

Rollenware; Flächengewicht 2,8 kg/m2; mit und ohne Dampfbremse; Trittschallreduzierung 19 dB; Gehschallreduzierung 23 Sone

Viskoelastisches Mischpolymerisat

Rohdichte ca. 100 kg/m3; Trittschallreduzierung 19 dB; Gehschallreduzierung knapp 33 %; WDW 0,0216 m2K/W; mit etwa 1 mm Stärke extrem dünn

Holzweichfaser

Platten; Rohdichte ca. 240 kg/m3; Trittschallreduzierung bis zu 19 dB; Gehschallreduzierung bis zu 6 %; WDW 0,110 m2K/W; hohe Wärmedämmwerte

Kork

Rollenware, Platten; Rohdichte ca. 210 kg/m3; Trittschallreduzierung bis 18 dB; Gehschallreduzierung ca. 5%; WDW 0,065 m2K/W (Rolle) bis 0,230 m2K/W (Platte)

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Selit Dämmtechnik


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