Badsanierung: Ein kleines Bad kommt groß raus

Badsanierung: Ein kleines Bad kommt groß raus

Kleine Räume stellen einen hohen Anspruch an die Planung im Vorfeld einer Badsanierung, denn: Wo wenig Platz vorhanden ist, sind gute Ideen gefragt! Meistens ist es notwendig, bauliche Veränderungen vorzunehmen und Gestaltungselemente so zu planen, dass der Raum optisch vergrößert wird. Dafür sollte dem Konzept eine klare Linienstruktur zugrunde liegen. Es muss zentimetergenau geplant werden, um eine sinnvolle Raumaufteilung zu erhalten. Alle unnötigen Kanten und Ecken sind zu vermeiden oder zu beseitigen. Sie vermitteln ein Gefühl von Unordnung im Raum und das lässt ihn meist kleiner wirken. Das folgende Beispiel aus der Praxis zeigt, wie es geht.

Klare Linien schaffen Großzügigkeit

Im Rahmen einer Sanierung soll auch das 4 m2 kleine Bad einer Mietwohnung modernisiert und neu gestaltet werden. Das veraltete Bad weist mit Badewanne, Stand-WC und Waschtisch zwar alle benötigten Elemente auf. Aber zwei überkopfhohe Vorwandelemente, diverse Schächte, fehlende Bewegungsfläche und eine raumhohe Verfliesung laden nicht unbedingt zum Verweilen im Raum ein. Von dem Badumbau versprechen sich die Bauherren ein schönes, modernes Bad mit großzügiger Dusche und ausreichend Platz, sodass die zwei bis drei zukünftigen Bewohner der Mietwohnung auch alle ihre Dinge im Bad unterbringen können.

Alte Bäder stellen den Planer häufig vor Herausforderungen. Was sich hinter den beiden recht hohen Vorwänden verbarg, war vor Beginn der Badsanierung nicht klar, und welche der vielen Rohrschächte noch benötigt werden und in die Planung miteinbezogen werden müssen, zeigte sich erst bei der Demontage. Das erschwert bei dem geringen Platzangebot natürlich die Planung im Vorfeld. Klar war: Eine Umpositionierung der Elemente ergibt bei den Platzverhältnissen keinen Sinn. An der Stelle der längs stehenden Badewanne wird die Dusche eingebaut.

  • Der Grundriss aus der Planungsphase – eine zentimetergenaue, gut durchdachte Planung ist im Vorfeld einer Badsanierung unbedingt zu empfehlen. (Bild: Andrea Stark)

Auf 4 m² entsteht eine großzügige Duschzone

Die großzügige Duschzone wird durch die Diagonale und die klappbare Glaswand individuell an den Raum angepasst. (Bild: Andrea Stark)

Anstatt einer herkömmlichen rechteckigen Duschwanne in der Ecke wird eine recht komfortable Duschzone geschaffen. Die Breite zur Tür wird maximal ausgenutzt und das erstellte Duschpodest wird so breit wie möglich gerade in den Raum verlängert. Dann wird Bezug auf den Rohrschacht genommen und eine Diagonale gezogen. Im Bereich der geraden Fläche sorgt eine fest stehende Glaswand für den notwendigen Spritzschutz. Der Einstieg in die aufgestufte Duschfläche wird über die Diagonale realisiert. Hier sorgt ein klappbares Glasteil für zusätzlichen Spritzschutz. Durch die Ausarbeitung mit einem Gefälleestrich vom Fliesenleger wird diese recht ungewöhnliche, aber perfekt an den Raumzuschnitt angepasste Duschzone erst möglich.

 

 

 

 

 

 

Eine detaillierte Planung im Vorfeld der Badmodernisierung sichert auch auf wenigen Quadratmetern ausreichend Stauraum und Bewegungsfläche

Die tiefenreduzierte Variante des WCs und Wachtischs schafft mehr Bewegungsfläche. (Bild: Andrea Stark)

Die Vorwand hinter dem WC wird für die Montage eines Unterputzspülkastens genutzt. Mit einem extrakurzen WC kann der Bewegungsbereich davor etwas vergrößert werden. Durch den Schrägzuschnitt der Duschfläche rückt das WC auch etwas weiter zur Seite und es verbleibt mehr Platz für den Waschtischbereich.

Durch eine geschickte Rohrumlegung im Zuge der Badsanierung entfällt die ehemalige Vorwand hinter dem Waschtisch, sodass noch mehr Platz im Raum gewonnen wird. Auch die zahlreichen Rohrschächte für die nachträglich eingebrachten Heizungsleitungen werden entfernt. Ein moderner, wenn auch kleinerer Waschtisch wird im Bereich vor dem WC montiert; durch die reduzierte Tiefe verbleibt ausreichend Bewegungsfläche vor dem WC.

Das Waschtischmodell ist so gewählt, dass von den neuen Bewohnern der Mietwohnung selbst eine intelligente Stauraumlösung geschaffen werden kann. Direkt unter dem Waschtisch kann eine Möbelplatte montiert werden und für ausreichend Ablagefläche sorgen. Darunter kann eine weitere Platte diverse Körbe aufnehmen, in denen jeder Bewohner seine eigenen Kosmetika griffbereit zur Verfügung hat und auch schnell wieder verstauen kann. Die Nische über dem WC wird mit diversen Regalböden versehen, wodurch sich weitere Ablageflächen und Platz für eine Musikbox ergeben. Die Steckdosenmontage ist bereits dafür vorgesehen.

Ein in die eingezogene Decke eingebrachter Ventilator sorgt dafür, dass nach dem Duschen der Spiegel nicht beschlägt. Diverse Badetücher finden auf dem großen Badheizkörper neben dem Waschplatz in diesem kleinen Raum ausreichend Platz.

  • Dieses Platzangebot kann von den zukünftigen Bewohnern individuell ausgestattet werden. (Bild: Andrea Stark)

  • Die Skizze aus der Planungsphase zeigt, wie das gehen kann. Auch in einem kleinen Bad kann genug Platz für Ablagen und Stauraum geschaffen werden. (Bild: Andrea Stark)

Mit den richtigen Fliesen ein kleines Bad optisch vergrößern

Die Rundumbeleuchtung des Spiegels spendet das benötigte Funktionslicht, durchdacht platzierte Deckenspots dienen als Grundbeleuchtung im Raum. (Bild: Andrea Stark)

Die Verfliesung ist dem Raum und der Möblierung angepasst. Mittelgraue Feinsteinzeugfliesen bedecken den Boden und die Duschfläche und schaffen durch die Durchgängigkeit rein optisch bereits einen größeren Raumeindruck. Hinter WC und Waschtisch findet sich das gleiche Material bis zu einer Höhe von 120 cm wieder. In der Dusche sorgen 90 cm × 30 cm große weiß-matte Fliesen im liegenden Format für weitere Großzügigkeit. Die helle Farbe weitet den Raum und auch die ausschließlich auf der Kopfseite liegenden Fugen vermitteln Raumweite. Alle restlichen Wände sind mit wisch- und wasserfester Farbe gestrichen.

Um den kleinen Raum optisch noch weiter zu vergrößern, wurde eine Abhangdecke eingezogen, die nicht nur eine ausreichende Anzahl dimmbarer LED-Spots an den richtigen Positionen aufnimmt, sondern auch die recht umfangreiche Deckenhöhe reduziert und damit den Raumeindruck harmonisiert. Für perfektes Licht beim Schminken sorgt ein Spiegel mit Rundumbeleuchtung.

Dieser kleine Raum verursacht nicht weniger Arbeit als ein durchschnittlich großes Badezimmer, hält jedoch auch ebenso viele Vorzüge für den Benutzer bereit.

 

 


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Autorin:

Andrea Stark
Innenarchitektin und Badplanerin

 

Keyvisual und Teaserbild: Andrea Stark

 

24. September 2020

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