Universal Design Bauelemente: Design für alle

Universal Design-Bauelemente haben Zukunft: Mehr und mehr sind Häuser und Bauprodukte gefragt, die Design mit Funktionalität verbinden und ein Plus an Wohnkomfort und Sicherheit bieten. Im Gegensatz zu bisherigen Begriffen wie altersgerecht, barrierefrei oder behindertengerecht, wird immer stärker mit den Prinzipien des Universal Design (UD) argumentiert. Das ift Rosenheim hat einen Kompass als Bewertungsverfahren entwickelt, um Herstellern, Verbrauchern, Nutzern, Architekten und Behörden die Planung und Auswahl von Produkten zu erleichtern, mit denen das Universal Design beim Bauen integriert wird.

Universal Design-Bauelemente: nutzbar für viele

Universal Design-Bauelemente sind Produkte, die für möglichst viele Menschen ohne spezielle Anpassungen nutzbar gemacht worden sind. Das gilt nicht nur für Menschen mit physischen oder kognitiven Handikaps, sondern auch bei „temporärer“ Einschränkung wie bei einem Beinbruch oder mit vollen Einkaufstaschen. Dann freuen wir uns über ein Produkt, bei dem wir keine drei Hände brauchen, uns nicht die Finger klemmen und das einfach, intuitiv und sicher genutzt werden kann – genau das zeichnet Universal Design Bauelemente aus. Die konkrete Umsetzung lässt sich gut an den sieben grundlegende Gestaltungsprinzipien des UD formulieren, an denen sich Produkte und Dienstleistungen orientieren sollten. Das Universal Design beim Bauen hat gleich eine doppelte Wichtigkeit: Im Gegensatz zu schnell verbrauchten Konsumprodukten sind hier erstens eine lange Nutzungsdauer sowie zweitens eine flexible Umnutzung zu beachten. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Bewohner eines Gebäudes älter werden, bei Krankheit oder Unfall andere Anforderungen entstehen, wenn Großeltern einziehen oder Kleinkinder hinzukommen.

Das ift Rosenheim hat einen Kompass als Bewertungsverfahren für Universal-Design-Bauelemente entwickelt. (Bild: ift Rosenheim)

Das ift Rosenheim hat einen Kompass als Bewertungsverfahren für Universal-Design-Bauelemente entwickelt. (Bild: ift Rosenheim)

UD am Beispiel eines Lüftungsfensters mit Parallelausstellfunktion und motorischem Antrieb, auch zum Nachrüsten. (Bild: Winkhaus/Exponat Sonderschau BAU 2013)

UD am Beispiel eines Lüftungsfensters mit Parallelausstellfunktion und motorischem Antrieb, auch zum Nachrüsten. (Bild: Winkhaus/Exponat Sonderschau BAU 2013)

Hohe oder schwergängige Griffe sind nicht nur für ältere Menschen ein Problem. (Bild: ift Rosenheim)

Hohe oder schwergängige Griffe sind nicht nur für ältere Menschen ein Problem. (Bild: ift Rosenheim)

Universal Design-Bauelemente: Die sieben UD-Designprinzipien

Prinzip 1: Breite Nutzbarkeit

Die Konstruktion der Universal Design-Bauelemente gewährleistet bei normalem Gebrauch eine hohe Gebrauchssicherheit und vermeidet Fehlbedienungen. Das Produkt hat alle Nachweise zur Sicherstellung der Gebrauchstauglichkeit (CE-Zeichen), weist eine erhöhte Dauerhaftigkeit auf und besteht überwiegend aus nachwachsenden, recycelbaren Materialien zur einfachen Trennung nach der Nutzung.

Prinzip 2: Flexibilität und Modularität der Universal Design Bauelemente

Das Produkt ist modular aufgebaut, kann in unterschiedlichen Einbausituationen verwendet und an verschiedene Gebäudenutzungen angepasst werden. Einzelteile können im Bedarfsfall einfach ausgetauscht werden, und nach dem Einbau besteht die Möglichkeit, das Produkt modular zu erweitern (Nachrüstung).

Prinzip 3: Einfache und intuitive Bedienung (für Monteure und Nutzer!)

Universal Design beim Bauen: Die Bedienung des Elementes ist einfach und intuitiv und in seiner Funktion leicht erkennbar. Durch zusätzliche Informationen am Bauelement über mehrere Sinne erfolgt eine Rückmeldung zur intuitiven und sicheren Nutzung. Es existiert eine leicht verständliche Montageanleitung, die klar und verständlich ist und durch bildhafte Gestaltung unterstützt wird. Die Befestigungsmittel sind statisch ausreichend dimensioniert und im Lieferumfang enthalten. Auf der Verpackung befinden sich Hinweise zum Transport, und es sind Montage-/Tragehilfen vorhanden.

Prinzip 4: Mehr als einen Sinn ansprechen

Die Funktions- und Bedienungsteile der Universal Design Bauelemente sind visuell, haptisch und akustisch erkennbar (Farben, Oberflächen, Materialien, konstruktives Absetzen, Bediengeräusche etc.), und das Element enthält zusätzliche Informationen hinsichtlich der Nutzung oder Orientierung (Türdrücker mit Blindenschrift).

Prinzip 5: Fehlertoleranz und Sicherheit (Bezug auf Produkt/Prozess/Planung)

Die Bedienungsanleitung beschreibt ausführlich und leicht verständlich die korrekte Nutzung, mögliche Fehlbedienungen und Gefahrenbereiche und wird durch bildhafte Gestaltung sowie durch audio-visuelle Medien unterstützt. Ein Element, das dem Universal Design beim Bauen entspricht, ist gemäß dem Einsatzgebiet bzw. der Nutzergruppe mit konstruktiven Schutzmaßnahmen versehen, und bewegliche Teile, die zu einer Fehlfunktion führen können, sind gekennzeichnet.

Prinzip 6: Geringer physischer Aufwand

Bedienungskräfte können auf das Einsatzgebiet abgestimmt und eingestellt sowie durch die Länge und Gestaltung des Griffes und Justiermaßnahmen variiert werden. Die Position des Bedienelementes kann an die jeweilige Nutzergruppe angepasst werden. Durch die Verwendung von elektrischen oder mechanischen Komponenten kann die Nutzung vereinfacht werden. Abmessungen und Gewicht sind so zu dimensionieren bzw. durch Aufteilung in Baugruppen zu gestalten, dass Transport und Montage mit geringem körperlichen Aufwand möglich sind.

Prinzip 7: Zugänglichkeit und Erreichbarkeit

Das Produkt ermöglicht eine schwellenlose Nutzung und erfüllt die Anforderungen nach DIN 18040. Die Position des Bedienelementes kann an die jeweilige Nutzergruppe angepasst werden. Das Bauelement ist so konstruiert, dass zur Nutzung oder Bedienung kein oder nur ein geringer Platzbedarf benötigt wird.

 

Flexible und nachträgliche Anpassung an Kundenwünsche durch modulare Bauweise am Beispiel einer Haustür (Bild: heroal)

Flexible und nachträgliche Anpassung an Kundenwünsche durch modulare Bauweise am Beispiel einer Haustür (Bild: heroal)

Vereinfachung bei Herstellung, Transport und Montage sowie Barrierefreiheit bietet eine „statisch“ durchlaufende Türschwelle (Bild: heroal)

Vereinfachung bei Herstellung, Transport und Montage sowie Barrierefreiheit bietet eine „statisch“ durchlaufende Türschwelle (Bild: heroal)

Einfache Anpassung und Austauschbarkeit von Beschlägen und Bauteilen (Bild: Dokumentationsband zur ift-Sonderschau

Einfache Anpassung und Austauschbarkeit von Beschlägen und Bauteilen (Bild: Dokumentationsband zur ift-Sonderschau "Universal Design"/Hörman)

Universal Design-Bauelemente: Beispiel Haustür

Weil Türen intensiv genutzte Bauelemente sind, nutzen hier die Prinzipien des UD am meisten. 2013 gewann ein Türsystem den Universal Design Award: „heroal D92 UD“. Das System wurde konsequent nach den Gesichtspunkten des UD konzipiert.

Neben normativ geforderten Anforderungen wie Sicherheit und Funktionalität wurde auf eine flexible Verwendbarkeit, eine geringe Teilevielfalt sowie Vereinfachungen bei Herstellung und Montage geachtet. Das Basisprofil lässt sich einfach mit unterschiedlichen Füllungen und Materialien kombinieren, sodass der nachträgliche Austausch von opaken gegen transparente Füllungen einfach möglich ist.

Weitere Informationen zu Universal Design-Bauelementen bietet das ift Rosenheim.

Informationen zum barrierefreien Planen und Bauen finden Sie unter www.barriere-frei-planen.de.

 

Hier finden Sie Informationen zu manuell bedienbaren barrierefreien Türen.
 
Hier finden Sie Informationen zu automatisch bedienbaren barrierefreien Türen.

Autoren

Jürgen Benitz-Wildenburg
Leiter Abteilung PR & Kommunikation
und Lehrbeauftragter am ift Rosenheim

Christian Kehrer
Leiter der ift-Zertifizierungsstelle und
Lehrbeauftragter an der Hochschule Rosenheim