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Nur bohren müssen Sie noch selbst

Der Park der Akku-Elektrowerkzeuge stellt in einem kleinen Handwerksbetrieb einen ganz schönen monetären Wert dar. Einige Elektrowerkzeug-Hersteller bieten ihren Kunden deshalb ein auf das jeweilige Werkzeugprogramm zugeschnittene digitales Managementsystem. Bosch und Milwaukee beispielsweise setzen auf die vollständige Vernetzung ihrer Werkzeuge durch eine App für Smartphone oder Tablet, DeWalt wird wohl noch 2018 nachziehen. Was sich erstmal nach Spielerei anhört, kann bei teuren Geräten und mehreren Anwendern durchaus sinnvoll sein. Das gilt auch deshalb, weil nach Analysen von Bosch etwa 70% der Arbeitszeit auf der Baustelle gar nicht für die eigentliche handwerkliche Tätigkeit, sondern für Vor- und Nachbereitung sowie für Rüsten der Fahr- und Werkzeuge oder auch ganz profan für die Suche nach Werkzeugen drauf geht.

So spielen Werkzeug, App und Cloud zusammen

Was die Kommunikation zwischen Akkugeräten und Smartphone erst ermöglicht, ist einerseits ein im Werkzeug integriertes Bluetooth-Modul und andererseits eine auf dem mobilen Endgerät installierte App. Während Milwaukee dieses Modul fest in die Geräte einbaut, ist es bei den Bosch-Werkzeugen eine zusätzliche Kann-Lösung und die Installation dem Nutzer überlassen. Sämtliche gesammelten Daten und Einstellungen der Werkzeuge werden in einer Cloud gespeichert und sind von jedem verbundenen Endgerät wie Smartphone und Tablet aus abruf- und bearbeitbar. Damit lassen sich alle Geräteinformationen bis hin zur Fehleranalyse auslesen, zum Beispiel im Fall einer Motor- oder Akkupacküberhitzung. Ferner kann über die App jedes einzelne Werkzeug (aber auch ganze Werkzeuggruppen) für definierte Anwendungsfälle voreingestellt werden. Das betrifft Parameter wie beispielsweise das maximal nutzbare Drehmoment, die für eine spezielle Anwendung optimale Drehzahl oder auch den Sanftanlauf beim Winkelschleifer. Teure oder auch mitunter verletzungsträchtige Fehlbedienungen oder ein allzu forscher Umgang mit den Werkzeugen durch die verschiedenen Anwender sind somit von vornherein ausgeschlossen. Besonders interessant, gerade in sicherheitsrelevanten Bereichen, ist die Möglichkeit, jeden Werkzeugeinsatz mit allen Einstellungen zu dokumentieren. So kann im  Regressfall die einwandfreie Arbeit nachgewiesen werden, etwa den korrekten Pressdruck bei Presswerkzeugen.

Sämtliche Parameter für eine bestimmte Tätigkeit mit dem Akkuschrauber können mit dem Smartphone voreingestellt werden. (Bild: Milwaukee)

Sämtliche Parameter für eine bestimmte Tätigkeit mit dem Akkuschrauber können mit dem Smartphone voreingestellt werden. (Bild: Milwaukee)

Die Einstellungen werden gespeichert und können direkt am Schrauber abgerufen werden. (Bild: Milwaukee)

Die Einstellungen werden gespeichert und können direkt am Schrauber abgerufen werden. (Bild: Milwaukee)

Durch die richtige Vorabeinstellung werden sowohl der Akkuschrauber als auch der Bohrer geschont und halten länger. (Bild: Milwaukee)

Durch die richtige Vorabeinstellung werden sowohl der Akkuschrauber als auch der Bohrer geschont und halten länger. (Bild: Milwaukee)

Der Grundsatz „Was weg ist, ist weg“ gilt nicht mehr

Im rauen Baustellenalltag mit den vielen Gewerken und Baubeteiligten kann das ein oder andere Akkuwerkzeug durchaus mal „verloren“ gehen. Das ist nicht nur ein erheblicher Kostenfaktor für den Besitzer, sondern vor allem ein ärgerlicher Verlust von Zeit, wenn deswegen nicht weiter gearbeitet werden kann. Die Vernetzung der Geräte bietet hier zwar keinen zuverlässigen Schutz vor Diebstahl, allerdings erhöht sie das Risiko für den Dieb, entdeckt zu werden und sie verringert die Attraktivität des Ganzen, wenn das Gerät einfach per App lahmgelegt werden kann. In der Praxis bemerkt das der Dieb leider erst nach dem Diebstahl, wenn das Gerät auch für den Besitzer nicht mehr nutzbar ist. Bei Milwaukee funktioniert das „Tool tracking“ genannte System so, dass der letzte bekannte Standort des Werkzeugs gespeichert und bei Bedarf aufden mobilen Endgeräten angezeigt wird. Ist das Gerät dort nicht mehr auffindbar und wird dann als „verloren“ gekennzeichnet, bekommt der Besitzer eine anonymisierte Standortinformation, sobald sich ein anderer Nutzer mit der Milwaukee-App in den Bluetooth-relevanten Bereich des Geräts hinein bewegt. Der Clou: Das gilt für alle App-Nutzer weltweit! Möglich macht das die Zusammenarbeit der obligatorischen GPS-Funktion in Smartphones oder Tablets und des Bluetooth-Moduls der Elektrowerkzeuge. Letzteres besitzt zumindest bei Milwaukee eine eigene Batterie, sodass die Tracking-Funktion auch bei herausgenommenem oder leerem Akku bestehen bleibt. Möglich ist auch, dass Werkzeuge komplett gesperrt werden, sobald sie ein vorher definiertes geografisches Gebiet verlassen.
 
Im Übrigen lassen sich nicht nur Elektrowerkzeuge, sondern auch andere Ausrüstungsgegenstände mit einem mobilen Tracking-System auf Bluetooth-Basis versehen und so in Echtzeit nachverfolgen. Innerhalb von etwa 30 Metern lokalisiert die App den Gegenstand, zeitintensives Suchen entfällt somit.

Mit einem Bluetooth-Modul lassen sich auch andere Ausrüstungsgegenstände vernetzen und jederzeit lokalisieren. (Bild: Milwaukee)

Mit einem Bluetooth-Modul lassen sich auch andere Ausrüstungsgegenstände vernetzen und jederzeit lokalisieren. (Bild: Milwaukee)

In größeren Betrieben vereinfacht das Vernetzen der Werkzeuge das Bestandsmanagement und die Lokalisation der einzelnen Geräte. (Bild: Bosch)

In größeren Betrieben vereinfacht das Vernetzen der Werkzeuge das Bestandsmanagement und die Lokalisation der einzelnen Geräte. (Bild: Bosch)

Messgeräte, die ihre Daten direkt an das mobile Endgerät senden, verhindern Übertragungsfehler durch händisches Abschreiben. (Bild: Bosch)

Messgeräte, die ihre Daten direkt an das mobile Endgerät senden, verhindern Übertragungsfehler durch händisches Abschreiben. (Bild: Bosch)

Über die App lässt sich auch der Akkupack selbst analysieren und die Wartungsintervalle entsprechend anpassen. (Bild: Bosch)

Über die App lässt sich auch der Akkupack selbst analysieren und die Wartungsintervalle entsprechend anpassen. (Bild: Bosch)

Fehler minimieren dank direkter Datenübertragung

Was die harten Arbeitswerkzeuge aktuell an Vernetzung erfahren, gibt es im Bereich der Messwerkzeuge schon seit etwa drei Jahren. Laser-Entfernungsmesser, Kombilaser und Thermodetektoren schicken die gewonnenen Messwerte an die verbundenen mobilen Endgeräte. Der Hauptvorteil ist hier, dass Übertragungsfehler durch händisches Abschreiben ausgeschlossen und die Messungen lückenlos dokumentiert und gespeichert werden können. Viele Geräte wie der schon erwähnte Kombilaser oder auch die Baustellenleuchten lassen sich einfach per App fernsteuern. Ein Laser mit motorisiertem Drehteller lässt sich so auch von der Leiter oder dem Gerüst aus millimetergenau steuern. Das Gleiche gilt natürlich auch für das Baustellenlicht. An- und Ausschaltzeiten sowie die Beleuchtungsstärke sind voreinstellbar.
 
Ob und wieweit der Markt die Möglichkeiten der Vernetzung für einfache Elektrowerkzeuge annimmt, wird sich zeigen. Erfahrungsgemäß ist der Handwerker eher wenig geneigt, seine lange eingeübten Arbeits- und Organisationsweisen auf der Baustelle zu verändern. Das gilt gerade dann, wenn der konkrete Nutzen der Vernetzung sich nicht auf den ersten Blick erschließen lässt oder die Geräte beziehungsweise die Bluetoothmodule noch zu teuer sind. Chancen bestehen dann, wenn die ­Generation der „Digital Natives“ das Ruder in den Handwerksbetrieben übernimmt.
 

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: Bosch
 

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