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Elektrowerkzeuge: Weniger Vibrationen

Elektrowerkzeuge: Schwingungsintensive Geräte wie Winkelschleifer oder Bohrhämmer können starke Vibrationen erzeugen, vor denen die Nutzer geschützt werden müssen. Moderne ergonomische Geräte leisten dazu einen wichtigen Beitrag.  

Von Arbeitsgeräten ausgehende Vibrationen sind häufig eine der Ursachen für schnelles Ermüden bei der Arbeit und reduzieren damit die Produktivität. Besondere Bedeutung hat das Thema allerdings darüber hinaus für den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter: Erkrankungen der Arm-Schulter-Region, der Hüft-, Knie-, Sprunggelenke, der Wirbelsäule sowie schließlich sogar Herz-Kreislauf-Schädigungen können Folgen intensiver Schwingungsbelastung sein. Die gesundheitlichen Risiken steigen, wenn stark vibrierende Maschinen regelmäßig und über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Betroffene, deren Hände regelmäßig Schwingungen ausgesetzt sind, leiden möglicherweise an einer Schädigung des Hand- und Armgewebes, die zu den allgemein als „Hand-Arm-Vibrations-Syndrom“ bekannten Symptomen führen. Geschädigte klagen in diesen Fällen über ein lang andauerndes beziehungsweise anhaltendes Taubheitsgefühl in einzelnen Finger oder der gesamten Hand. 

„Um Vibrationen zu verringern, bieten wir Geräte mit Vibration Control oder vibrationsgedämpften Handgriffen an“, Henk Becker, Geschäftsführer der Robert Bosch Power Tools. Foto: Bosch

„Um Vibrationen zu verringern, bieten wir Geräte mit Vibration Control oder vibrationsgedämpften Handgriffen an“, Henk Becker, Geschäftsführer der Robert Bosch Power Tools. Foto: Bosch

Elastische Dämpfer zwischen Motor und Getriebe vermindern die Übertragung von Vibrationen auf den Anwender und reduzieren gleichzeitig das Laufgeräusch. Beides schützt den Anwender vor allem bei im häufigen Dauereinsatz. 
Foto: C. & F. Fein

Elastische Dämpfer zwischen Motor und Getriebe vermindern die Übertragung von Vibrationen auf den Anwender und reduzieren gleichzeitig das Laufgeräusch. Beides schützt den Anwender vor allem bei im häufigen Dauereinsatz.
Foto: C. & F. Fein

Teil- der Gerätequalität  

Vermeiden lassen sich diese Erscheinungen mit modernen Geräten, die speziell unter den Aspekten der Ergonomie und des Vibrationsschutzes optimiert wurden. Dazu sagt Henk Becker, Geschäftsführer der Robert Bosch Power Tools und unter anderem für die Entwicklung zuständig: „Um Vibrationen zu verringern, bieten wir Geräte mit Vibration Control oder vibrationsgedämpften Handgriffen an. Beim Bohrhammer GBH 18V-26 (F) Professional entkoppelt z. B. ein Dämpfungselement den Haupthandgriff vom Hammer-Antrieb und verringert so aktiv Vibrationen. Bei der Säbelsäge GSA 18V-32 Professional wirkt ein Ausgleichsgewicht den Massekräften permanent entgegen. Dadurch bietet die Säbelsäge die geringste Vibration ihrer Klasse. Dieses Prinzip zur Vibrationsdämpfung kommt auch bei Hämmern zum Einsatz.“ 

Steigern Sie die Produktivität 

Thomas Blank, Produktmanager bei der C. & E. Fein, beschreibt den Vibrationsschutz am Beispiel eines Bohrhammers: „Entwickelt hat Fein den Akku-Bohrhammer für Metall-, Maschinen- und Stahlbauer sowie für Schlosser, die zuverlässig große Löcher bohren und dabei einen ausgezeichneten Arbeitsfortschritt erreichen wollen. Gleichzeitig ist der Bohrhammer ebenfalls für Ausbau und Renovierung konzipiert: Auch dabei bohren Profi-Handwerker große Löcher in Decken und Wände, um z. B. Küchen zu montieren. Um genau das Werkzeug zu entwickeln, das den Anforderungen dieser Zielgruppen entspricht, haben wir mit Profi-Handwerkern aus unterschiedlichen Bereichen gesprochen und die Ergebnisse in die Produktentwicklung des neuen Fein Akku-Bohrhammers einfließen lassen. Der Anwendungsschwerpunkt des Akku- Bohrhammers liegt auf der Befestigung von Metallkonstruktionen an Gebäuden, für die Löcher zwischen 8 und 12 mm gebohrt werden. Deshalb ist der neue Fein Akku-Bohrhammer mit bürstenlosem Motor genau auf diese Bohrgrößen ausgelegt. Die extrem kompakte Bauform des Bohrhammers sorgt für ermüdungsarmes Arbeiten. Durch das niedrige Gewicht von nur 3 Kg in Verbindung mit den geringen Vibrationen ist der ABH 18 ideal für den täglichen Einsatz geeignet.“ Beim neuen Oszillierer von Fein, dem Super-Cut Construction FSC 500 QSL, sind Motor und Getriebe durch elastische Dämpfer vom äußeren Gehäuse vibrationsentkoppelt, wie Luisa Riem, Produktmanagerin bei der C. & E. Fein, erklärt: „Dadurch werden bis zu 70% weniger Vibrationen auf das Gehäuse und somit auf den Anwender übertragen. Dieses patentierte System sorgt für einen effektiven Schutz des Anwenders. Außerdem wird durch dieses Prinzip auch das Laufgeräusch, der sogenannte Schalldruckpegel, um bis zu 50% reduziert. Vor allem im häufigen Dauereinsatz schützt es den Anwender so zuverlässig.“ 

„Die extrem kompakte Bauform des Bohrhammers sorgt für ermüdungsarmes Arbeiten“, Thomas Blank, Produktmanager bei C. & E. Fein. Foto: Fein

„Die extrem kompakte Bauform des Bohrhammers sorgt für ermüdungsarmes Arbeiten“, Thomas Blank, Produktmanager bei C. & E. Fein. Foto: Fein

„Dadurch werden bis zu siebzig Prozent weniger Vibrationen auf das Gehäuse und somit auf den Anwender übertragen“, Luisa Riem, Produktmanagerin bei C. & E. Fein. Foto: Fein

„Dadurch werden bis zu siebzig Prozent weniger Vibrationen auf das Gehäuse und somit auf den Anwender übertragen“, Luisa Riem, Produktmanagerin bei C. & E. Fein. Foto: Fein

„Metabo setzt auf eine Drei-Stufen-Prävention gegen Hand-Arm-Vibrationen“, Matthias Lutz, Leiter des Kompetenzcenters Metallbearbeitung bei Metabo. Foto: Metabo

„Metabo setzt auf eine Drei-Stufen-Prävention gegen Hand-Arm-Vibrationen“, Matthias Lutz, Leiter des Kompetenzcenters Metallbearbeitung bei Metabo. Foto: Metabo

Reduzieren Sie den Scheibenverschleiß 

Matthias Lutz von Metabo ergänzt für eine weitere Gerätekategorie: Bei Winkelschleifern setzt Metabo auf eine 3-Stufen-Prävention gegen Hand-Arm-Vibrationen. In der 1. Stufe werden, in der eigenen Fertigung in Deutschland, schnell drehende Teile wie Motoren und Lagersitze etc. besonders präzise gefertigt und ausgewuchtet. An niedrigen Leerlaufvibrationen erkennt man auch die hohe Qualität eines Elektrowerkzeugs. In der 2. Stufe werden alle Griffflächen ergonomisch optimiert und mit dem Metabo-Vibra-Tech (MVT)-Handgriffsystem weitestgehend von der Maschine entkoppelt. Die 3. Stufe ist ein aktives Antivibrationssystem. Der Metabo-Autobalancer setzt direkt an der Unwucht von Trenn- und Schruppscheiben an. Also dort, wo besonders hohe Vibrationen beim Arbeitseinsatz entstehen. Durch frei bewegliche Kugeln im Innern werden Trenn- und Schruppscheiben aktiv gewuchtet. Dieses System reduziert Vibrationen zusätzlich um bis zu 50 %. Ein positiver Nebeneffekt ist der reduzierte Scheibenverschleiß. Kosten für z. B. Schruppscheiben können halbiert werden. Den aktiven Autobalancer bieten wir optional in Winkelschleifern ab 1.000 Watt an. Durch unsere 3-Stufen-Prävention bleiben Daueranwender von Winkelschleifern auch bei einem 8 Stunden- Tag unter dem Expositionsgrenzwert von 5 m/Quadratsekunde. Eine arbeitsmedizinische Vorsorge zu Vibrationen kann, muss aber nicht durchgeführt werden. Und die Arbeitszeit muss nicht reduziert, sondern kann voll ausgeschöpft werden.“ 

Beachten Sie die Regelwerke 

Mit der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) wurden die europäischen Arbeitsschutz-Richtlinien zu Lärm (2003/10/EG) und zu Vibrationen (2002/44/EG) in nationales Recht umgesetzt. In den Technischen Regeln zur LärmVibrationsArbSchV wird diese konkretisiert (TRLV Lärm, TRLV Vibrationen).

VDI-Richtlinie 2057: Einwirkung mechanischer Schwingungen auf den Menschen, Ausgaben 2016/17, DIN EN ISO 5349-2 Mechanische Schwingungen; Messung und Bewertung der Einwirkung von Schwingungen auf das Hand-Arm-System des Menschen; Teil 2: Praxisgerechte Anleitung zur Messung am Arbeitsplatz, DIN EN 14253 Mechanische Schwingungen; Messungen und rechnerische Ermittlung der Einwirkung von Ganzkörper-Schwingungen auf den Menschen am Arbeitsplatz im Hinblick auf seine Gesundheit; Praxisgerechte Anleitung, BGI/GUV-I 504-46/DGUV Information 240-460: Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 46 „Belastungen.

Fachregelwerk 

Wichtige Infos zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik im Kap. 1.15 Arbeitssicherheit und Umweltschutz. 

Fazit: Investieren Sie in wirksame Maßnahmen 

Eine Vielzahl von Maschinen und Geräten steigern heute die Leistungsfähigkeit und Effizienz in fast allen Produktionsabläufen. Damit wächst gegenüber früherer Handarbeit auch die Belastung durch mechanische Schwingungen, was zu einem Anstieg der typischen Vibrationsbeschwerden führen kann. Wollen Sie Ihren Betrieb nicht durch krankheitsbedingte Mitarbeiter-Ausfallzeiten und durch Einschränkungen der Produktivität schwächen, lohnt es sich über verschiedene Maßnahmen und Investitionen zur Vermeidung oder spürbaren Reduzierung von Vibrationen nachzudenken. Die Maßnahmen können je nach Gefährdungspotenzial die Anschaffung modernster Maschinen und Geräte bedeuten, aber auch organisatorische und betriebsstrukturelle Veränderungen einschließen. Die Berufsgenossenschaften bieten in regelmäßigen Abständen Weiterbildungsveranstaltungen zu diesem Thema an. Lassen Sie sich zu den für Ihren Betrieb geeigneten Möglichkeiten beraten, Investieren Sie gezielt, schützen Sie Ihre eigene Gesundheit und die Ihrer Mitarbeiter vor vibrationsbedingten Gefährdungen.  

Autor: Markus Hoeft ist freier Fachautor aus Fredersdorf.

Keyvisual und Teaserbild: C. & F. Fein

 

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