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Holzzargen: Rahmenhandlung

Im privaten Wohnungsbau und in nicht-öffentlichen Bereichen sind Innentüren mit Holzzargen Standard. Das liegt zum einen am im Vergleich zu Stahlzargen günstigeren Preis, zum anderen gilt die Montage, die in der Regel ohne mechanische Befestigungsmittel auskommt, als einfacher und schneller als der Einbau der oft zweiteiligen Stahlpendants. Allerdings sind und bleiben Holz und alle daraus gewonnenen Produkte hygroskopische Werkstoffe. In einem permanenten Prozess gleicht sich die Holzfeuchte dem Umgebungsklima an, bis sich die sogenannte Ausgleichsfeuchte eingestellt hat. Das gilt sowohl für die Blockzargen aus Vollholz wie für die weit verbreiteten Umfassungszargen, die in aller Regel aus Spanplatten und/oder Faserplattenhergestellt werden. Die damit verbundenen Form- und Volumenveränderungen können für ein maßhaltiges Bauteil wie eine Innentür ein erhebliches Problem werden. Die angestrebte Holzausgleichsfeuchte wird durch die Raumtemperatur und die relative Luftfeuchte bestimmt, im Idealfall liegt sie zwischen 8 und 11%. Schwierig wird es, wenn die Luftfeuchte bei einer üblichen Raumtemperatur von 20° C über 60% steigt. Gerade in Neubauten werden diese Werte durch die Baufeuchte aus Putzen oder Estrichen überschritten. Wer sich als Verarbeiter in einer solchen Situation entschließt, die Holzzargen einzubauen, riskiert nicht nur das Verziehen der Holzteile – in dem Moment, wo er montiert, erkennt er das Vorgewerk und die Umstände an und trägt im Gewährleistungsfall das volle Risiko. Sinnvoller ist es beim Zimmertüren einbauen, die Umgebungsbedingungen wie Luftfeuchte und Raumtemperatur vor der Montage zu messen und zu dokumentieren. Sind die Feuchtewerte zu hoch, sind Bedenken anzumelden, gegebenenfalls muss dann ein neuer Einbautermin vereinbart werden. Je nach Trocknungszeit der Vorgewerke können dabei durchaus noch einige Wochen Zeit vergehen.

Zimmertür einbauen: So wird die Holzzarge richtig in die Wandöffnung eingesetzt

Für die sichere Montage von Holzzargen ist die Wichtigkeit des Öffnungsmaßes in der Wand nicht zu vernachlässigen. Einerseits muss die Öffnung groß genug sein, damit die beiden Bandtaschen Platz finden und trotzdem noch genug Spielraum für die Feinjustage der Zarge bleibt. Zum anderen darf die Öffnung nicht zu groß sein, damit der üblicherweise eingesetzte Montageschaum Zargeninnenseite und Wandlaibung zuverlässig miteinander verkleben kann. Nach DIN 18101 ergibt sich so das Maueröffnungsmaß aus Baurichtmaß plus 10 mm. Daraus resultiert eine Fuge von jeweils 10 mm auf beiden Seiten der Zarge zur Wandlaibung, was für die Bandtaschen ausreicht und eine optimale Kraftübertragung durch den Montageschaum gewährleistet. Das Ausrichten der Zarge in der Öffnung nehmen viele Verarbeiter nur mithilfe der Wasserwaage vor. Genauer und für viele Sonderanforderungen wie einem erhöhten Schall- oder Brandschutz auch notwendig, ist das Ausrichten der Zarge mit eingehängtem Türblatt. Dabei geht es vor allem darum, dass das Türblatt umlaufend sauber an den Dichtungen anschlägt. Bei Türen ohne besondere Anforderungen haben die Dichtungen hingegen nur eine Dämpfungs- aber keine echte Dichtungsfunktion. Ein Abstehen des Türblatts vom Dichtungsprofil ist in solchen Fällen nicht automatisch ein Reklamationsgrund.

Um Feuchteschäden von unten durch Wischwasser oder im häuslichen Bad zu verhindern, werden Holzzargen üblicherweise nicht direkt auf den Boden aufgestellt, sondern mit einem Abstand von 3 mm eingebaut. Nur so kann eine dauerelastische Versiegelung mit Zweiflankenhaftung  zwischen Zargenunterkante und Bodenbelag eingebaut werden, die Bewegungen der Bauteile zulässt und die offene Spanplattenkante gegen eindringende Feuchte schützt. Zu beachten ist aber, dass sich durch diesen Abstand von 3 mm auch die sogenannte Bodenluft des Türblattes erhöht. Die beträgt normalerweise 5-7 mm, durch die hochgesetzte Zarge erhöht sie sich dann auf 8-10 mm. Wer das nicht möchte, kann das Problem dadurch lösen, dass er die Zarge vor dem Einbau um die besagten 3 mm kürzt. In manchen Räumen, etwa in Feuchträumen oder Räumen mit Lüftungsanlagen, kann eine größere Bodenluft aber auch sinnvoll oder nötig sein.

Die offenen Kanten von Umfassungszargen aus Holz sind besonders anfällig gegen alle
Arten von Feuchtigkeit. Sie brauchen etwas Luft zum Fertigfußboden und eine
dauerelastische Versiegelung. (Bild: Jeld Wen)

Die offenen Kanten von Umfassungszargen aus Holz sind besonders anfällig gegen alle
Arten von Feuchtigkeit. Sie brauchen etwas Luft zum Fertigfußboden und eine
dauerelastische Versiegelung. (Bild: Jeld Wen)



Die beiden Bandtaschen auf der Außenseite der Zarge brauchen etwa 10 bis 12 mm Platz, der
bei der Breite der Wandöffnung berücksichtigt werden muss. (Bild: Köhnlein Türen)

Die beiden Bandtaschen auf der Außenseite der Zarge brauchen etwa 10 bis 12 mm Platz, der
bei der Breite der Wandöffnung berücksichtigt werden muss. (Bild: Köhnlein Türen)




Die Montageschäume entwickeln je nach Produkt unterschiedlich starke Expansionskräfte.
Während des gesamten Aushärteprozesses der Schäume müssen die Türzargen deshalb mit stabilen Türfutterstreben gegen Durchbiegungen gesichert werden. (Bild: Bessey)

Die Montageschäume entwickeln je nach Produkt unterschiedlich starke Expansionskräfte.
Während des gesamten Aushärteprozesses der Schäume müssen die Türzargen deshalb mit stabilen Türfutterstreben gegen Durchbiegungen gesichert werden. (Bild: Bessey)

Für Türen, die schwerer als 40 kg sind, müssen in der Rohbauphase UA- statt CW-Ständerprofile
in Trockenbauwänden verbaut werden. Statt Montageschaum kommen mechanische
Befestigungen wie Schrauben zum Einsatz. (Bild: Fermacell)

Für Türen, die schwerer als 40 kg sind, müssen in der Rohbauphase UA- statt CW-Ständerprofile
in Trockenbauwänden verbaut werden. Statt Montageschaum kommen mechanische
Befestigungen wie Schrauben zum Einsatz. (Bild: Fermacell)

Standard beim Fixieren der Holzzarge sind sechs Befestigungspunkte mit Montageschaum auf Band- und Schlosshöhe. Bei erhöhten Schallschutzanforderungen muss allerdings die gesamte Fuge ausgeschäumt werden. (Bild: Henkel)

Standard beim Fixieren der Holzzarge sind sechs Befestigungspunkte mit Montageschaum auf Band- und Schlosshöhe. Bei erhöhten Schallschutzanforderungen muss allerdings die gesamte Fuge ausgeschäumt werden. (Bild: Henkel)

Was ist was? Das sind die wichtigsten Bezeichnungen bei der Türmontage. (Bild: Köhnlein Türen)

Was ist was? Das sind die wichtigsten Bezeichnungen bei der Türmontage. (Bild: Köhnlein Türen)



So funktioniert die Befestigung der Holzzargen mit einem Montageschaum

Im Gegensatz zu den meisten Stahlzargen können Holzzargen ohne mechanische Befestigung, dafür mit einem geeigneten Montageschaum montiert werden. Diesem Prinzip sind aber Grenzen gesetzt, die wichtigste ist das Türblattgewicht von maximal 40 kg. Für schwerere Türen sind nur Montageschäume mit entsprechenden Prüfzeugnissen zulässig, zudem ist das Türblattgewicht von 40 kg eine Grenze, ab der im Trockenbau statt der üblichen CW-Profile die UA-Aussteifungsprofile zum Einsatz kommen. Mindestens sechs Befestigungspunkte auf Höhe der Bänder und des Türschlosses sind Pflicht, wobei mindestens 30% der Fläche der Zargeninnenseite mit Schaum benetzt sein müssen. Die Montageschäume selbst basieren auf Polyurethan (PUR) und können sowohl ein- als auch zweikomponentig sein. Die Expansionskräfte sind je nach Produkt unterschiedlich, weshalb die Zarge mit stabilen Spreizen gegen Durchbiegung gesichert werden muss. Wichtig: Die Spreizen dürfen erst nach vollständiger Aushärtung des Schaums entfernt werden, die dazu notwendige Zeit ist auf dem Gebinde angegeben.

Autor

Ulrich Wolf

Redaktion Ausbaupraxis

Teaserbild und Keyvisual im Beitrag: Jeld Wen