Asbestplatten-Privat-Key.jpg

Asbest: Was darf ich selber machen?

Der Umgang mit Asbest auf Baustellen unterliegt strengen gesetzlichen  Regelungen. Wer Asbestplatten und andere Produkte ausbauen will, muss laut Gesetz über die erforderliche Sachkunde verfügen, um zu verhindern, dass asbesthaltige Stäube zur Gesundheitsgefahr werden. Dennoch gibt es, insbesondere für Asbestplatten, in denen der Gefahrstoff fest gebunden ist, Ausnahmen. Doch wer mal eben eine asbesthaltige Dachplatte vom alten Schuppen entfernen möchte, muss sich an Vorgaben halten. Und die machen es dem „Laien“ schwierig, selbst Hand anzulegen. Geht es um andere Produkte, die Asbest enthalten können, also Putze, Klebstoffe, Fliesenkleber oder auch Fensterdichtungen,  muss ein „Asbest-Test“ her: Eine sachkundige Firma muss Proben nehmen und gegebenenfalls des Ausbau der belasteten Baustoffe übernehmen. Bis der Verdacht bestätigt oder widerlegt ist, darf auf der Baustelle gar nichts mehr passieren! Wie man bei einem Verdacht auf Asbest vorgeht, lesen Sie hier.

Wann dürfen Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an asbesthaltigen Materialien durch Privatpersonen oder nicht- sachkundige durchgeführt werden?

1. An fest gebundenen Asbestprodukten, wie asbesthaltigen Dachplatten auf Gartenlauben oder Außenwandbekleidungen, dürfen von Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten, grundsätzlich auch von Privatpersonen durchgeführt werden.

Allerdings verfügen Privatpersonen in der Regel nicht über eine ausreichende Sachkunde im Umgang mit Asbest, um den hohen Anforderungen zur Minimierung von Faserfreisetzungen und -verschleppung zu entsprechen!

Ebenfalls fehlt es in den meisten Fällen an technischem Equipment, insbesondere H-Sauger mit Asbestzulassung, um unter den Platten befindliche Holzrahmen abzusaugen sowie an dem Wissen zu fachgerechten Entsorgungsvorgaben.

Auch im Sinne des Drittschutzes sollte daher für Arbeiten an asbesthaltigen Materialien stets ein erfahrenes asbestsachkundiges Unternehmen beauftragt werden, um sicherzustellen, dass möglichst keine gesundheitsgefährdenden Asbestfasern freigesetzt und strafrechtliche Konsequenzen vermieden werden.

Vorsicht bei Übernahme einer Gartenlaube: Stark verwittertes asbesthaltiges Material sollte durch eine sachkundige Firma gegen asbestfreies Material ausgetauscht werden.

2. An schwach gebundenen Asbestprodukten dürfen Privatpersonen keine Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten durchführen,  diese dürfen ausschließlich durch behördlich zugelassene Fachbetriebe zur Durchführung dieser Arbeiten vorgenommen werden!

Bei Arbeiten an asbesthaltigen Materialien müssen immer H-Sauger mit Asbestzulassung eingesetzt werden. (Bild: Stephan Johannsen)

Bei Arbeiten an asbesthaltigen Materialien müssen immer H-Sauger mit Asbestzulassung eingesetzt werden. (Bild: Stephan Johannsen)

Asbestprodukte dürfen nicht zerbrochen werden, weil dabei unkontrolliert Fasern freigesetzt werden, die zur Gefahr für alle werden können, die sich in der direkten Umgebung befinden. (Bild: Stephan Johannsen)

Asbestprodukte dürfen nicht zerbrochen werden, weil dabei unkontrolliert Fasern freigesetzt werden, die zur Gefahr für alle werden können, die sich in der direkten Umgebung befinden. (Bild: Stephan Johannsen)

Welche Tätigkeiten an Asbestplatten und asbesthaltigen Materialien sind streng verboten? 

  • Arbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche von Asbestprodukten führen.
    Ausnahme: emissionsarme, behördlich und berufsgenossenschaftlich anerkannte Verfahren.
  • Reinigung mit Arbeitsmitteln wie Hochdruckreinigern, Drahtbürsten,
    harten Borstenbesen,  Strahlmaschinen, Schleifen oder Bohren.
  • Überdeckungs-, Überbauungs- und Aufständerungsarbeiten an Asbestzementdächern und –wandverkleidungen, eingeschlossen das Anbringen von Photovoltaik- und Thermosolaranlagen auf Asbestzementdächern.
  • Reinigungs- oder Beschichtungsarbeiten an unbeschichteten Asbestzementdächern und –wandverkleidungen, auch dann, wenn bei ursprünglich beschichteten Bedachungen die Beschichtung zum Beispiel witterungsbedingt abgetragen wurde.
  • Zerbrechen, Zersägen, Flexen, Werfen von Asbestprodukten
  • Wiederverwendung ausgebauter asbesthaltiger Materialien
  • Inverkehrbringen und Lagern von Asbestprodukten.
     

Unsachgemäßes Arbeiten an Asbestprodukten ist strafbar

Ein Verstoß gegen die im Text genannten Verbote stellt eine Straftat dar und zieht Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen bis zu 50.000 Euro nach sich!

Wer Verstöße gegen diese Vorschriften feststellt, sollte, auch um weitere Personen zu schützen, die Polizei rufen. Auch das am jeweiligen Ort zuständige Amt für Arbeitsschutz  sollte als zuständige Behörde informiert werden.

Asbestplatten: Was ist zu beachten, wenn private Arbeiten durchgeführt werden sollen?

Liegen keine Probenergebnisse eines akkreditierten Labors vor, ist im Zweifel immer von einem begründeten Asbestverdacht auszugehen.

Werden ASI-Arbeiten an asbesthaltigen Bauteilen durch Privatpersonen eigeninitiativ durchgeführt sind im privaten Bereich ebenso effiziente Schutzmaßnahmen nach der TRGS 519 zu treffen wie bei gewerblichen Arbeiten. Dabei sind folgende Punkte zu beachten:

  • Die Nachbarschaft sollte rechtzeitig und angemessen über die bevorstehenden Arbeiten informiert werden.
  • Es ist dafür Sorge zu tragen, dass alle Fenster und Türen in der Umgebung des Arbeitsbereichs geschlossen sind.
  • Der Arbeitsbereich beziehungsweise die direkte Umgebung ist ausreichend abzuschotten und zu schützen, zum Beispiel durch Bauzaun, befestigte Folien und Planen, Warnschilder, Betretungsverbote
  • Es sollte eine geeignete persönliche Schutzausrüstung getragen werden (P2 Maske, Einmalanzug: Kat 3 Typ 5+6, Sicherheitsschuhe)
  • Unbeschichtete Asbestzementprodukte sind vor dem Abtragen oder Ausbauen mit staubbindenden Mitteln, insbesondere entspanntem Wasser, zu befeuchten und bis zum staubdichten Verpacken ständig feucht zu halten.
  • Die Arbeiten sollten möglichst per Hand durchgeführt werden, im Bedarfsfall dürfen nur langsam laufende Maschinen mit Absaugvorrichtung verwendet werden.
  • Anfallender Staub, auch auf Flächen der Unterkonstruktion, ist an der Entstehungsstelle abzusaugen, zum Beispiel mit zugelassenen und mängelfreien Industriestaubsauger Klasse H mit Asbestzulassung oder durch feuchtes Abwischen sorgfältig zu reinigen.
  • Die Erzeugung von Bruchstücken ist zu minimieren; Bruchstücke sind durch Planen aufzufangen.
  • Zwischengelagerte Materialien sind auf der Baustelle komplett staubdicht zu verpacken bzw. abzudecken.
  • Nach Arbeiten an Dächern sind Dachrinnen zu reinigen und anschließend zu spülen. Das Spülwasser ist wie Abwasser über die Kanalisation zu entsorgen.
  • Asbesthaltiges Material ist durch den Erzeuger zeitnah mit reißfesten gekennzeichneten Big-Bags unter Angabe der entsprechenden Abfallschlüsselnummer: 17 06 05 * bei einer Annahmestelle für asbesthaltige Baustoffe als gefährlicher Abfall nachweislich zu entsorgen (s. LAGA Merkblatt 23)

Wann sollten asbesthaltige Bauteile, zum Beispiel Asbestplatten entfernt werden?

Aus dem Gefahrstoffrecht ist zwar kein direktes „Gebot des Entfernens“ abzuleiten; allgemein kann allerdings davon ausgegangen werden, dass das Ende der Nutzungsdauer erreicht ist, wenn insbesondere  von dem Bauteil in seinem aktuellen Ist-Zustand in der vorhandenen Einbausituation Gefahren ausgehen, beispielsweise durch verwitterungs-, beschädigungs- verschleiß-, oder brandbedingter Faserfreisetzung, Durchbruchgefahr bei Dächern, Bruch- und Absturzgefahr bei Wand-, Dach- oder Deckenteilen. Spätestens dann ist sachkundiges Handeln geboten: Die Bauteile sollten entfernt werden. Außerdem sollten asbesthaltige Bauteile nicht überdeckt oder überbaut werden.

Autor

Dipl.-Biologe Stefan Johannsen
Staatliche Arbeitsschutzaufsicht, Hamburg

Alle Bilder im Beitrag:
Stefan Johannsen

Weitere interessante Beiträge: