Eine Grundierung wird mit einem Pinsel aufgetragen.
Grundierungen reduzieren die Saugfähigkeit und verfestigen den Untergrund. (Quelle: Knauf)

Wand

7. May 2020 | Teilen auf:

Aus gutem Grund: Eine professionelle Grundierung

Gründlich grundiert ist halb gestrichen. Lesen Sie hier, wann vor Putz, Tapete & Co. Grundierung nötig ist und welche Grundierung wann infrage kommt.

Farben, Lacke, Putze – sie alle würden einfach so abblättern oder gar abfallen, wenn sie nicht einen großen Verbündeten hinter sich wüssten: Das Grundieren vor dem Streichen und auch das Tapezieren von Flächen und Objekten wird oft weit weniger ernst genommen als das anschließende Finish. Das ist aber ein grober Fehler! Jede Oberflächengestaltung kann nur so gut werden wie die Grundierung dahinter. Allerdings kommen den verschiedenen Grundierungsarten überaus unterschiedliche Aufgaben zu.

Aufgaben einer Grundierung

1. Saugfähigkeit des Untergrundes reduzieren

Wird dem Belagsmaterial wie beispielsweise Putz, Nivellierspachtel oder Fliesenkleber nach dem Auftragen zu schnell das Wasser entzogen, kann das Abbinden des Materials erheblich beeinträchtigt werden. Das Anmachwasser verdunstet nämlich nicht einfach, sondern wird in die kristalline Struktur von mineralischen Baustoffen eingebaut („Hydratation“). Eine tiefenwirksame Grundierung wie mit Tiefgrund wirkt, indem sie die feinsten Poren in mineralischen Materialien quasi verstopft und damit das Spiel der Adhäsions- und Kohäsionskräfte („Kapillarität“) unterbindet. Bei Untergründen nach „Patchwork“-Art (verschiedene Arten von Putzen und Spachtelmassen) sorgt der Tiefgrund dafür, dass diese verschiedenen Materialien ein annähernd gleiches Saugvermögen aufweisen und die nachfolgende Oberflächenbehandlung überall die gleichen Haftbedingungen vorfindet. Beim Tiefgrund stehen zwei Varianten zur Wahl, eine lösemittelfreie und eine lösemittelhaltige. Letztere ist technisch gesehen nicht mehr erforderlich und nach der Gefahrstoffverordnung TRGS 610 auch nicht mehr einzusetzen.

2. Untergrund verfestigen und Staub binden

Gerade in Altbauten kommt es oft zu Absandungen des Putzes und der Mauerfugen. Schon ein einfacher Tiefgrund hat eine verfestigende Wirkung auf den Untergrund, weil die darin enthaltenen Kunststoffteilchen oder auch Siloxane eine leicht klebende Wirkung auf den Zuschlag im Baustoff haben. Sind die Absandungen zu stark ausgeprägt, hilft ein Tiefgrund allerdings nicht mehr, hier muss zunächst nachverfugt oder der Putz ganz entfernt werden. Im Bodenbereich kommen zur Verfestigung der oberen Randzone des mineralischen Estrichs vor den Bodenbelagsarbeiten auf Reaktionsharzbasis zum Einsatz. Sie können entweder als 2-komponentiges Epoxidharz oder 1-komponentige Polyurethan-Beschichtung ausgeführt werden, die beide eine sehr hohe Eindringtiefe aufweisen.
Nicht zu unterschätzen ist die Grundierungswirkung der Staubbindung. Loser Reststaub kann die Verbundhaftung des Belags und die damit einhergehende Gebrauchstauglichkeit drastisch einschränken.

Weitere Infos zum Thema Grundierung erhalten Sie hier:

Quelle: Knauf

Welche Funktion haben Grundierungen?
Grundierungen gibt es in unterschiedlichsten Rezepturen für zahllose Anwendungsbereiche. Sie kommen praktisch überall zum Einsatz, wo man Bauuntergründe streicht, lackiert, verputzt oder mit Materialien wie Fliesen, Tapeten oder Bodenbelägen beschichtet.

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3. Haftvermittlung zwischen Belag und Untergrund

Bei nicht saugenden und dichten, glatten Untergründen wird eine ausreichende Verbundhaftung dadurch verhindert, dass keine mechanische Verkrallung des frischen Mörtels mit dem Untergrund stattfinden kann. In diesen Fällen muss ein Grundieren vor dem Verputzen mit Haftgrund stattfinden. Der Haftgrund sorgt dann für eine sichere Verbindung. Das geschieht über das physikalische Phänomen, dass viele kleine und kleinste Unebenheiten eine größere Oberfläche haben als wenige große. Je mehr Oberfläche etwa der Putz oder der Nivellierspachtel findet, desto besser haftet er. Im gewissen Sinne wird die Oberfläche des Untergrundes also durch den filmbildenden Haftgrund nicht geglättet, sondern mikroskopisch klein aufgeraut. Bewirkt wird diese Aufrauung durch den hohen Kunststoffanteil im Haftgrund, der übrigens auch bei stark saugenden Untergründen große Vorteile bietet.

4. Absperren gegen Gilb- und Farbstoffe sowie Feuchtigkeit

Letzte Herausforderung für eine Grundierung ist die absperrende respektive imprägnierende Wirkung. Das meint im Grunde fast das gleiche, es geht nur um die Richtung der Sperrwirkung. Absperrend ist eine Grundierung, wenn sie verhindert, dass Inhaltsstoffe wie Gilbstoffe, Nikotin und Ruß aus dem Untergrund auf die Oberfläche durchschlagen. Das gilt übrigens auch für Restfeuchte, die aus dem Untergrund in den Belag eindringt, etwa bei Parkettarbeiten auf neuen Estrichen. Imprägnierend ist eine Grundierung nach dem Auftragen, wenn sie verhindert, dass Wasser aus den Verlegebaustoffen (Kleber, Putze, Nivellierspachtel) in den Untergrund eindringen kann. Das ist vor allem bei großflächigen Arbeiten wie dem Ausgleichen von Unebenheiten im Boden wichtig, hier kommen erkleckliche Wassermengen zusammen. Auf Holzböden würden dieses Wasser zunächst zu einem Quellen des Untergrundes und in der Folge bei der Trocknung zu Haftungsabrissen zwischen Spachtelmasse und Untergrund führen.

Grundierungen im Überblick

Tiefgrund

Der Tiefgrund ist eine farblose Grundierung für fast alle mineralischen Untergründe im Innenbereich. Er hat zunächst die Aufgabe, die Saugwirkung des Untergrundes abzuschwächen beziehungsweise die Saugfähigkeit bei unterschiedlichen Untergrundmaterialien anzugleichen. Bestes Beispiel dafür ist der Trockenbau: Hier würden die Gipskartonplatten und der Fugenspachtel ohne das Grundieren vor dem Tapezieren oder dem Streichen den Kleister oder die Wandfarbe unterschiedlich stark „aufsaugen“, was man später an Wand oder Tapete sehen würde. Der Tiefgrund dient außerdem auch einer gewissen Verfestigung und Staubbindung am Untergrund. Tragen Sie den Tiefgrund satt mit einem Quast auf, allerdings immer nur einmal.

Eine Packung weißer Sperrgrund.
Auch Sperrgrund ist oft weiß pigmentiert, er deckt jedoch nicht so gut wie Putzgrund. (Quelle: Baumit)
Ein Eimer mit Putzgrund.
Der Putzgrund ist diffusionsoffen und kann innen wie außen eingesetzt werden. Bild: Knauf (Quelle: Knauf)

Sperrgrund

Entgegen der landläufigen Meinung hat der Sperrgrund keine wirklich absperrende Wirkung, er ist sogar dampfdiffusionsoffen. Er wird als eine Art Schichtbildner verwendet, um ein Durchschlagen von Flecken und Verfärbungen (Stockflecken, Nikotin) auf die gestrichene oder verputzte Oberfläche zu verhindern. Das ist besonders bei den sehr feinkörnigen Dekorputzen wichtig, die auf Grund ihrer Kapillarität besonders anfällig für durchschlagende Pigmente aus dem Untergrund sind.

Putzgrund

Der Putzgrund ist dem Sperrgrund sehr ähnlich, auch er verhindert ein Durchschlagen von Pigmenten in den Putz. Zusätzlich ist der Putzgrund aber auch noch fein gekörnt. Diese feine Körnung sorgt für eine größere Oberfläche der Wand, was der Haftung des Putzes äußerst dienlich ist. Putzgrund wird allerdings nur für die Dekorputze verwendet, die in ihrer Dicke zwischen 0,5 und 3 mm liegen. Für dickere Grundputze (10 bis 20 mm) brauchen Sie andere Grundierungen.

Haftgrund/Spezialhaftgrund

Haftgrund ist bei schwierigen Untergründen extrem angesagt. Das sind vor allem alle nicht saugenden Materialien und Holzuntergründe im Innenbereich. Bei den nichtsaugenden Untergründen würden die normalen Grundierungen eher als Trennmittel wirken, das eine ausreichende Haftung verhindert. Mit Holzuntergründen sind vor allem Holzdielen, Verlegespan- und OSB-Platten gemeint, auf denen eine meist zementäre Masse Haftung finden soll, also etwa Bodenausgleichsmassen oder Fliesenkleber. Hier ist der Haftgrund zusätzlich eine Art Versiegelung, die ein Aufquellen des Holzes verhindert.

Ein Eimer Epoxigrundierung.
Moderne Epoxidsysteme können auch auf mattfeuchten Untergründen eingesetzt werden. Bild: Ardex (Quelle: Ardex)

Epoxidharz-Grundierungen 2-komponentig

Die Epoxidharz-Grundierungen sind die Problemlöser für die ganz schweren Fälle. Eingesetzt werden sie hauptsächlich dann, wenn eine Absperrung gegen Restfeuchte aus dem Untergrund (bis 4,5 CM % oder kapillar aufsteigende Restfeuchte bis 7 % im Beton) erreicht werden soll, oder wenn ein hoher Verfestigungsgrad des Untergrundes gefragt ist. Auch Risse können mit Epoxidharz-Grundierung verschlossen werden.

zuletzt editiert am 30.11.2022