Ein Mann verteilt Estrich auf dem Boden.
Vor dem Verlegen des Bodenbelags muss die Restfeuchte im Estrich ermittelt werden - sonst können Schäden entstehen. (Quelle: Knauf)

Boden

06. May 2020 | Teilen auf:

Estriche: die Reifeprüfung

Verlegt man Bodenbelag auf Estrich, welcher Restfeuchte in sich trägt, muss man mit Schäden rechnen. So erkennen Sie die Belegreife.

Das im frischen Estrich enthaltene Wasser kann auf vielfältige Weise Schäden anrichten, deren Ausmaße allerdings stark vom eingesetzten Oberbelag und von der Estrichart selbst abhängen. Besonders empfindlich sind naturgemäß alle Beläge, die auf Holz oder Holzwerkstoffen basieren, hier kann es durch die von unten eindringende Feuchtigkeit zu starken Quellungen etwa der Trägerplatten von Laminatböden kommen, die irreversibel sind. Bei geklebten Parketten ist ein häufiges Schadensbild, dass sich die Fugen dunkel färben. Bei den dampfdichten Belägen wie Vinyl-Bahnenware kann die Restfeuchte gar nicht erst aus dem Estrich raus, hier kann es bei den Calciumsulfatestrichen zu massiven Schäden des inneren Gefüges kommen. Zementestriche hingegen sind gegen nicht ausdiffundierende Feuchtigkeit unempfindlich. Nassestriche müssen also vor den Bodenbelagsarbeiten austrocknen.

Das Zauberwort hier heißt Belegreife – ein Nassestrich ist dann belegreif für alle Arten von Belägen, wenn er seine Nennfestigkeit erreicht hat und sich die Gleichgewichtsfeuchte zur Umgebungsluft eingestellt hat. Da die Gleichgewichtsfeuchte von vielen Faktoren wie Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Estrichdicke abhängt, muss der Feuchtegehalt des Estrichs vor Erteilung der Belegreife ermittelt werden. Das gilt auch dann, wenn die Mindesterhärtungszeiten, in der Regel nach 28 Tagen, erreicht sind. Calciumsulfatestriche trocknen in den ersten beiden Wochen sehr schnell (bis zu 80% der Feuchte werden abgegeben respektive eingebunden), die restlichen 20% benötigen aber dann noch mal etwa die gleiche Zeit. Die Zementestriche erhärten über die 28 Tage gleichmäßiger, allerdings ist es wichtig, dass sie in den ersten 10 Tagen vor einem zu schnellen Feuchtigkeitsverlust geschützt werden müssen.

Für unbeheizte Estrichkonstruktionen auf mineralischer Bindemittelbasis (Zement und Calciumsulfat) gelten folgende maximale Feuchtigkeitsgehalte (nach CM-Methode ermittelt):

Parkett/Laminat: Zement 2,0% Calciumsulfat 0,5 %
textile Bodenbeläge: Zement 2,0% Calciumsulfat 0,5 %
elastische Bodenbeläge: Zement 2,0% Calciumsulfat 0,5 %
Fliesenbeläge im Dünnbett: Zement 2,0% Calciumsulfat 0,5 %

Für beheizte Estrichkonstruktionen gelten niedrigere Werte. Die Belegreife kann durch Aufheizen des Estrichs früher erreicht werden.

So wird der Restfeuchtegehalt des Estrichs ermittelt

Vor Beginn der Bodenbelagsarbeiten hat der Bodenleger den Estrich auf Folgendes zu prüfen:

  • Ist der Estrich trocken genug?
  • Ist die Temperatur des Estrichs geeignet?
  • Ist das Raumklima (Temperatur und Luftfeuchte) für die Verlegearbeiten geeignet?
  • Ist bei Heizestrichen ein Aufheizprotokoll inklusive Messstellen vorhanden?

Restfeuchte messen

Für die Messung des Restfeuchtegehaltes im Estrich gibt es verschiedene Möglichkeiten. Feuchtemessgeräte können allerdings nur erste Anhaltspunkte und Einschätzungen liefern. Die einzige anerkannte und auch justiziable Messmethode, die direkt auf der Baustelle durchgeführt werden kann, ist die Calciumcarbid- oder auch CM-Methode. Dabei wird eine aus dem Estrich entnommene, feuchte Probe zunächst gewogen und dann in einem mit einem Manometer ausgestatteten Druckbehälter mit Calciumcarbid vermischt. Dabei entsteht Acethylen. Aus dem Druckanstieg im Behälter lässt sich die Menge des Acethylens und damit auch die Menge des in der Probe enthaltenen Wassers sehr genau bestimmen.

Autor
Ulrich Wolf
Redaktion: ausbaupraxis.de

Keyvisual und Teaserbild: Knauf

zuletzt editiert am 27.06.2022