Werkzeug auf einem Tisch.
Das staatliche GS-Zeichen bescheinigt die Erfüllung von Mindest-Sicherheitsanforderungen. (Quelle: Rudolf Müller Mediengruppe)

Werkzeuge

11. February 2022 | Teilen auf:

Was bedeuten Prüfzeichen und DIN-Normen auf den Werkzeugen?

Welche Qualität sollte das Handwerkzeug haben, mit dem man regelmäßig arbeitet? Genügt ein einfaches Werkzeug für gelegentliches Arbeiten und sollte es beim täglich Einsatz höhere Ansprüche erfüllen? Wir erklären den Unterschied zwischen verschiedenen Standards. 

Das wohl bekannteste Prüfzeichen auf Handwerkzeugen ist das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“). Dieses staatliche Zeichen bescheinigt die Erfüllung von Mindest-Sicherheitsanforderungen. Im Unterschied zu vielen anderen Zeichen wird es aber unter staatlicher Kontrolle vergeben und der Staat ist auch für die Verfolgung von schwarzen Schafen zuständig, wenn das Zeichen falsch benutzt wird. Vergeben werden darf das GS-Zeichen nur von qualifizierten Prüfstellen. Sie müssen ihre Kompetenz regelmäßig gegenüber der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik nachweisen. dazu gehören geeignete Prüfmittel, qualifiziertes Personal sowie die Neutralität und Unabhängigkeit der Prüfstelle von ihren Auftraggebern.

Mindestanforderung erfüllt

Geprüft werden nicht nur die mechanischen Eigenschaften der Werkzeuge. Zusätzlich besucht die GS-Prüfstelle die Fertigungsstätten und überprüft, ob dort auch die technischen, personellen und organisatorischen Voraussetzungen vorliegen, um sichere Produkte zuverlässig herzustellen.

Das GS-Zeichen gibt also eine recht hohe Sicherheit, dass das Werkzeug die Mindestanforderungen erfüllt. Ein Top-Werkzeug mit besonders guter Ergonomie und Haltbarkeit hat man damit ab noch nicht zwangsläufig erworben.

Da geht noch mehr

Umgekehrt muss ein Werkzeug ohne GS-Zeichen nicht unbedingt schlecht sein. Besonders die Top-Markenhersteller verwenden jedoch kein GS-Zeichen. Sie vollen vermeiden, dass ihre Werkzeuge, die die Mindestanforderungen oft weit übertreffen, auf eine Ebene mit Werkzeugen gestellt werden, die diese Anforderungen gerade so erreichen.

Welche Bedeutung haben die DIN-Normen für Werkzeuge?

Schraubenschlüssel
Toleranzen von Schraubenschlüsseln sind weltweit mit denen der Sechskantschrauben und -muttern abgestimmt. (Quelle: Stahlwille Eduard Wille GmbH & Co. KG)
Ein Seitenschneider mit einer Metallkette.
Seitenschneider müssen sowohl weichen als auch harten Draht problemlos schneiden können. (Quelle: Thomas Holland-Letz)

Folgende Aspekte sind bei der Frage nach DIN-Normen auf Werkzeugen zu unterscheiden: Bezüglich der Sicherheit legen Normen fest, welche Belastungen Handwerkzeuge aushalten müssen, damit sie gefahrlos verwendet werden können. Beispiele sind die sichere Befestigung eines Hammerkopfs auf dem Holzstiel oder Mindest-Drehmomente von Schraubenschlüsseln.

Wichtig sind auch Normen, mit denen bestimmte Maße und Toleranzen der Werkzeuge festgelegt werden. So sind etwa die Toleranzen von Schraubenschlüsseln weltweit mit denen der Sechskantschrauben und -muttern abgestimmt. Auch die Vierkante von Knarren und Steckschlüsseleinsätzen sind genormt, damit man Werkzeuge unterschiedlicher Hersteller miteinander kombinieren kann.

Daneben gibt es noch Festlegungen zur Leistung und Lebensdauer der Werkzeuge. So müssen zum Beispiel Seitenschneider sowohl weichen als auch harten Draht problemlos schneiden können und Knarren mehrere tausend Lastwechsel aushalten. Meißel brauchen an der Spitze eine Mindest-Härte, damit sie länger halten, dürfen am Schlagkopf aber nicht zu hart sein, damit der Stahl dort nicht zu spröde ist und durch die Hammerschläge splittert.

Besser mit DIN

Die Kennzeichnung mit der DIN-Nummer ist wie das GS-Zeichen freiwillig. Wenn aber das Werkzeug mit einer DIN-Nummer gekennzeichnet ist oder damit beworben wird, muss es auch alle Anforderungen dieser Norm erfüllen. Damit hat man auch eine bessere Grundlage bei eventuellen Reklamationen.

Wenn man also die Wahl zwischen einem Werkzeug mit DIN-Nummer hat und einem ohne, sollte man das mit der DIN-Nummer kaufen. Allerdings ist es auch hier wie beim GS-Zeichen: Die Markenhersteller halten es für selbstverständlich, dass ihre Werkzeuge die DIN-Normen erfüllen und übertreffen sie zumeist sogar. Sie verzichten also oft auf diese Kennzeichnung.

Autor:

Thomas Holland-Letz arbeitet als stellvertretender Geschäftsführer/technischer Referent beim Fachverband Werkzeugindustrie e.V.

Mehr unter www.werkzeug.org

Keyvisual und Teaserbild: Rudolf Müller Mediengruppe

zuletzt editiert am 14.06.2022