Ein Mann trägt weißen Holzleim mit einem Pinsel auf.
Weißleim oder PU-Leim? Wir erklären welcher Leim für welche Anwendung geeignet ist. (Quelle: Fensterbau Keilbach GmbH)

Vollholz

28. March 2022 | Teilen auf:

Holzleimarten und ihre Anwendung

Es gibt viele Arbeiten, bei denen der Holzbauer zum Leim greift. Ob bei der Montage von Bauteilen und Möbeln oder bei der Holzreparatur, Holzleim ist für den Profi häufig das Mittel der Wahl. Er kann sich darauf verlassen, dass die verleimten Werkstücke stabil halten. Und das, ohne dass sie Schraub- und Nagellöcher aufweisen. Der Klebstoff-Experte Soudal weiß, was beim Verkleben mit Holz zu berücksichtigen ist.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Im Gegensatz zur mechanischen Befestigung sorgt Holzleim auf unsichtbare Weise für eine zuverlässige und dauerhafte Verbindung von Holz oder Holzwerkstoffen. Die Voraussetzung ist selbstverständlich, dass der passende Klebstoff ausgewählt und fachgerecht verarbeitet wurde. Ob große oder kleine Holzstücke, ob vollflächig oder punktuell verleimt, mit der nötigen Fachkenntnis ist der Profi auf der sicheren Seite.

Zwei Arten

Es stehen verschiedene Holzklebstoffe zur Verfügung. Generell unterscheidet man zwei Arten von Holzleim: den Weißleim und den PU-Leim, auch PUR-Leim genannt. Es hängt von der jeweiligen Anwendungssituation ab, welcher Leim der richtige ist. Dabei kommt es u.a. auf die Holzart, die Untergrundbeschaffenheit sowie die thermischen und physikalischen Belastungen an.

Vier Beanspruchungsklassen

Holzleime werden in vier Beanspruchungsklassen eingestuft. Sie tragen nach DIN EN 204 die Kennzeichnung D1, D2, D3 oder D4. Die Leime werden nach ihren Mindest-Scherfestigkeitswerten und ihrem Verhalten unter Feuchtigkeits- und Wassereinwirkung entsprechenden Gruppen zugeordnet. Die höchste Klasse mit optimaler Wasserbeständigkeit bietet D4. Für jedes Montage- und Reparaturprojekt muss der geeignete Leim sorgfältig ausgewählt werden. Die D-Klassen bieten dabei Orientierung.

Eine kleine Übersicht der D-Klassen:

  • D1: nur im Innenbereich in trockener Umgebung nutzbar. Die Holzfeuchte muss unter15 % bleiben.
  • D2:  nur für den Innenbereich geeignet, auch bei gelegentlicher Wasser- bzw. Kondenswassereinwirkung. Die Holzfeuchte sollte maximal 18 % betragen.
  • D3: einsetzbar für Innenräume mit kurzzeitiger Wassereinwirkung oder hoher relativer Luftfeuchte. Im Außenbereich verwendbar, wenn das verklebte Holzstück nicht direkt der Witterung ausgesetzt ist, also ohne ständige Wasser- und Feuchtebelastung.
  • D4: eignet sich im Innenbereich, das Material kann häufiger und länger einer Wasser- und Feuchtebelastung ausgesetzt sein. Mit angemessenem Oberflächenschutz auch im Außenbereich verwendbar.

Klassiker Weißleim einsetzen

Aus der Schreinerwerkstatt sind Weißleime nicht wegzudenken. Den Dispersionskleber auf Basis von PVAc (Polyvinylacetat) setzt der Fachmann für unterschiedlichste Bereiche vom Korpusbau bis zum Innenausbau ein. Weißleime lassen sich leicht verarbeiten. Damit sich die Kontaktstellen perfekt verbinden, müssen die Oberflächen glatt und passgenau sein. Zudem sollten sie sauber, trocken sowie frei von Staub und Fett sein. Der Klebstoffexperte Soudal hat Weißleime in den Beanspruchungsgruppen D1 bis D3 im Sortiment – alle sind lösemittelfrei. Die D1- und D2-Produkte haben eine gute Klebekraft und sind semi-transparent trocknend, während der D3-Holzleim eine höhere Endfestigkeit bietet und transparent trocknet.

PU-Leime verzeihen mehr

PU-Leime gelten als die modernsten Leime im Holzbereich. Sie sind einkomponentige Kleber auf Polyurethan-Basis und härten mithilfe von Feuchtigkeit aus. Als wasserresistente Kleber zählen sie zur Beanspruchungsklasse D4 und können mit entsprechendem Oberflächenschutz auch draußen eingesetzt werden. „Wenn Bauteile ohne diesen Schutz mit D4-Leim verklebt werden, sollten sie nicht ständig der direkten Bewitterung ausgesetzt sein. Feuchtigkeit, Hitze und Kälte könnten ihnen langfristig schaden“, erklärt Norbert Kaspar, Anwendungstechniker bei Soudal.

Das große Plus von PU-Leimen ist ihr breites Anwendungsspektrum. Damit lassen sich nicht nur zwei Holzteile verkleben, sondern auch ein Holzteil mit einem Werkstück aus einem anderen, nicht saugenden Material. Mit PRO 40P und PRO 45P bietet Soudal zwei wasserfeste PU-Leime, die sich zum Beispiel zur Verleimung von Sparren, Sandwichpaneelen und Badezimmermöbeln oder auch zum Verkleben von Fenster- und Türrahmen und zur Herstellung von Schichtholz und Trennwänden eignen.

Im Gegensatz zu Weißleim kann PU-Leim leichte Unebenheiten überbrücken. Aber auch für PU-Klebstoff gilt, dass der Untergrund sauber, trocken sowie staub- und fettfrei sein sollte. Bei der Verarbeitung ist der Raum gut zu durchlüften und es ist ratsam, Handschuhe zu tragen.

Auf die Presszeit achten

Für ein optimales Ergebnis müssen bei der Verarbeitung die offenen Zeiten und die Presszeiten des jeweiligen Holzleims berücksichtigt werden. Die offene Zeit, also die Zeit vom Auftragen des Leims bis zum Zusammenpressen der Werkstücke, ist abhängig von der Temperatur. Die Werte in den technischen Merkblättern der Soudal-Produkte beziehen sich auf eine Umgebungstemperatur von 20° C. Eine Rolle spielen auch ein potenzieller Luftzug im Raum, die Feuchtigkeit des Holzes sowie die Dicke des Leimauftrags.

Den richtigen Pressdruck ausüben

Um eine stabile Verbindung zu erhalten, werden die verleimten Holzteile beim Aushärten festgespannt, zum Beispiel mit Schraubzwingen. (Quelle: Soudal)

Um eine starre Verbindung von zwei Werkstücken zu erzielen, ist nach dem Leimauftrag ein ausreichender Pressdruck notwendig. Bei PU-Leim wird auf diese Weise zusätzlich verhindert, dass der aufschäumende Klebstoff die Teile auseinandertreibt. Je nach vorliegender Klebe-Situation und Werkstückgröße können zur Fixierung entweder Klebeband, Zwingen oder auch Leimpressen verwendet werden.

Die bei den Soudal-Holzleimen angegebene Presszeit ist als Mindestzeit zu verstehen. Die konkrete Presszeit hängt immer auch von der Raumtemperatur ab. Ist die Umgebung kühler, verlängert sich die Presszeit. Ist die Umgebung wärmer, verkürzt sie sich. Auch die Beschaffenheit des Holzes wirkt sich je nach Holzfeuchte und Holzart aus. Eine Faustregel lautet: Harthölzer, öl- und harzhaltige Hölzer haben üblicherweise längere Presszeiten als Weichhölzer.

Autor:

Alexander von Vulté
leitet das Marketing und den Technischen Service bei Soudal.

zuletzt editiert am 26.08.2022