Innenputz: Die Qualität der Oberfläche entscheidet

Ist das Verputzen von Wand oder Deckenflächen Teil eines Auftrags, sollte Klarheit darüber bestehen, welche Oberflächenqualitäten gefordert sind – sonst kann es schnell zu Unstimmigkeiten oder sogar Nachträgen kommen. Wir erläutern, wie Sie sicherstellen, dass beim Innenputz die Qualität den Kundenwünschen entspricht. 

„Malerfertig“, „streichfertig“, „oberflächenfertig“ oder „streiflichtfrei“. Das sind Begriffe, die sich immer wieder in Ausschreibungen (Leistungsbeschreibungen)  finden, wenn es um die Oberflächengüte von zu verputzenden Flächen geht. Für eine genaue Definition der zu erbringenden Leistung eignen sie sich jedoch nicht!

Kommt es hart auf hart, stellen nur die Oberflächenqualitäten Q1 bis Q4 (Gips Merkblatt 2 und 2.2, 2003 beziehungsweise 2010) rechtlich relevante Richtwerte für die Güte einer verputzen Fläche dar. Und: Auch der Auftraggeber steht in der Pflicht, gewisse Voraussetzungen zu erfüllen, wenn er hohe Qualitäten fordert.

Sollen Wände ein glänzendes Finish bekommen, muss die Verspachtelung in der Regel Q4-Qualität haben.  (Foto: Auro)

Sollen Wände ein glänzendes Finish bekommen, muss die Verspachtelung in der Regel Q4-Qualität haben. (Foto: Auro)

Für matte, besonders gestaltete Oberfläche (hier Beton Look) muss meist in Q3-Qualität ausgeführt werden. (Foto: Auro)

Für matte, besonders gestaltete Oberfläche (hier Beton Look) muss meist in Q3-Qualität ausgeführt werden. (Foto: Auro)

Innenputz und Qualität: Die verschiedenen Stufen im Überblick

Oberflächenqualitäten definieren die gestalterische Qualität einer fertigen Oberfläche. Sie sind also optische und daher teils sogar subjektive Bewertungskriterien.

Qualitätsstufe 1: Grundverspachtelung

Die Grundverspachtelung (also Innenputz Q1) eignet sich für alle Flächen, an die keine optischen Anforderungen gestellt werden. Sie muss nur funktionale Eigenschaften wie Brandschutz und Schallschutz erfüllen und umfasst folgende Arbeiten:

  • vollständiges Füllen der Stoßfugen oder Gipsbauplatten,
  • überziehen der sichtbaren Teile der Befestigungsmittel. 

Bei dieser Stufe sind Riefen und Grate zulässig. Sieht das verwendete Verspachtelungssystem es vor, müssen Fugenbewehrungsstreifen eingelegt werden. Außerdem müssen Sie  Fugenbewehrungsstreifen verwenden, wenn  sie aus konstruktiven Gründen nötig sind. Bei der Grundverspachtelung dürfen Sie anstatt der für Gipsbauplatten gängigen Spachtelmassen auch Dispersionsklebstoff oder Epoxidharzklebstoff zum Füllen der Fugen verwenden, sofern Sie sich an die Verarbeitungshinweise des jeweiligen Herstellers halten.

Qualitätsstufe 2: Standardverspachtelung

Wand- und Deckenflächen  mit Innenputz in Q2-Qualität sollen üblichen Anforderungen genügen: Tapezieren mit mittel und grob strukturierten Wandbekleidungen, mittel und grob strukturierte Anstriche, Beschichtungen und Oberputze. Diese Arbeiten müssen Sie ausführen:

  • Grundverspachtelung (siehe oben),
  • Nachspachteln, bis ein stufenloser Übergang zur Plattenoberfläche hergestellt ist.

Es dürfen keine Bearbeitungsabdrücke und Spachtelgrate sichtbar sein. Falls nötig, müssen Sie die Oberfläche schleifen, um beim Innenputz diese Qualität zu gewährleisten. 

Qualitätsstufe 3: Sonderverspachtelung

Hier ist Qualität gefordert! Diese Oberflächen müssen so fein verputzt werden, dass sie im Anschluss mit nicht strukturierten Anstrichen, Beschichtungen oder sehr feinkörnigen Oberputzen (bis 1 mm Körnung) versehen werden können.

Folgende Leistungen müssen Sie erbringen:

  • Standardverspachtelung (siehe oben),
  • Fugen müssen breit ausgespachtelt werden, die restliche Kartonfläche scharf abgezogen.

In diesem Fall sind weder Spachtelgrate noch Riefen erlaubt. Unter Umständen hilft auch hier nur: Schleifen!

Achtung! Wenn Sie nicht zusätzlich die Veredlung der verputzen Flächen übernehmen, sollten Sie maximal Innenputz Q3 anbieten. Bei der weiteren Bearbeitung können bei einer so hochwertigen Oberfläche zusätzliche Schleifgänge und/oder kleinere Spachtelarbeiten nötig sein, die dann der Maler- oder Lackierbetrieb übernehmen müsste, der mit den Folgearbeiten beauftragt wurde. Hier kommt es schnell zu Unstimmigkeiten, die sich auch zu Ihren Ungunsten entscheiden können!

Qualitätsstufe 4

Die Königsdisziplin unter der Oberflächenverspachtelung wird häufig dann gefordert, wenn die Flächen im Anschluss mit glänzenden Wandbekleidungen beschichtet werden sollen. Auch für Lasuren, Anstriche und Beschichtungen mit bis zu mittlerem Glanz empfiehlt sich Innenputz in höchster Qualität. Und natürlich dann, wenn die Wand mit Glätttechniken wie Stuckmarmor gestaltet werden soll. Sie umfasst folgende Maßnahmen:

  • Standardverspachtelung (siehe Qualitätsstufe 2),
  • alle Fugen müssen breit ausgespachtelt werden, die gesamte Fläche mit einem geeigneten Material überzogen (bis zu 3mm) und anschließend geglättet werden.

Schatten, die etwa durch Streiflichteinfall entstehen, sollten bei Innenputz Q4 weitgehend vermieden werden. Das ist allerdings nicht bei allen Oberflächenarten möglich. Definieren Sie vor Beginn der Verputzarbeiten einen Sicht- und Lichteinfallwinkel für die Beurteilung des Ergebnisses! Der Auftraggeber muss in dem Fall dafür sorgen, dass die entsprechenden Lichtverhältnisse schon während der Arbeiten gegeben sind.

Gut zu wissen: Sind im Leistungsverzeichnis keine Qualitätsstufen vereinbart, gilt immer Stufe Q2!

Fazit:

Geben Sie Ihre Leistungen transparent und für den Kunden sowie nachfolgende Gewerke nachvollziehbar an. Qualitätsstufen sollten Sie immer vor Beginn der Arbeiten festlegen! So reizvoll die Ausführung von Q4-Qualitäten auch sein mag, überlegen Sie genau, welche Leistungen sie anbieten, um am Ende nicht für die Ausführungsfehler anderer gewährleisten zu müssen. Erläutern Sie dem Kunden, welchen Innenputz mit welcher Qualität Sie für den Auftrag empfehlen.

Hintergrundwissen

Die Qualitätsstufen sind in den Merkblättern 2 und 2.1 der Industriegruppe Gipsplatten im Bundesverband Gipsindustrie e.V. beschrieben. Sie werden in der ATV DIN 18340 VOB/C Trockenbau festgehalten. Sie bildet die Grundlage für die Ausführung der verschiedenen Oberflächenqualitäten im Trockenbau.  

Autorin:
Pauline John
AUSBAUPRAXIS

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