Ein Schlafzimmer mit weißen Wänden, die mit Kalkputz gestaltet wurden.
Biokalk erzeugt eine angenehmes Wohnklima und bietet eine nachhaltig erhöhte Wohnqualität. (Quelle: Haga AG)

Wand

29. August 2022 | Teilen auf:

Ökologisch bauen mit Kalkputz: Eigenschaften & Vorteile

Holz tut es. Lehm tut es. Biokalke ebenfalls. Konventionelle Baustoffe aber oftmals nicht. Während sie nämlich an Emissionen und ihrer Ökobilanz kranken können, vermitteln Biobaustoffe, wie Kalkputze, Lebensqualität im Wohnbereich und wirken positiv auf die Bauphysik.

Die Liste der Biobaustoffe, die zum Beispiel im Innenausbau Einsatz finden, wird länger und umfasst unter anderem: Schilfbauplatten, Schilfinnendämmung oder Holzweichfaserplatten mit Lehmputz, Biofaser- und Lehmbauplatten oder verputzte Aufspritzzellulose. Ihr übergreifendes Merkmal: Sie werden ohne chemische Zusätze verarbeitet, hinzu kommt eine Nachhaltigkeit im Werkstoffkreislauf, die sich im Weniger an Energie für die Herstellung bis zum umweltverträglichen Recycling äußern kann.

Vorteile von Kalkputz

Kalkputze sind ein prominentes Beispiel für das Potenzial derartiger Baustoffe. Bestehend aus Naturkalk und Quarzsand, weisen sie vergleichsweise niedrige Diffusionswiderstände und hohe Wasseraufnahmefähigkeiten auf, weshalb sie Feuchtestau verhindern, das Raumklima regulieren und das Mauerwerk im Verbund dauerhaft rücktrocknen können. Gleichzeitig ergeben sich mit der permanenten Rücktrocknung bis zur Ausgleichsfeuchte und mit den porösen Zuschlägen gute wärmedämmende Eigenschaften. Naturkalk unterbindet zudem aufgrund seines hohen pH-Wertes die Schimmelbildung. Und mit der Zeit bilden entsprechend behandelte Fassaden auch Kalziumkarbonatkristalle aus, die kleine Beschädigungen und Haarrisse überlagern können. Nicht zuletzt wirkt Naturkalk schallschützend und lässt sich nach der primären Nutzung unbedenklich weiterverwerten, etwa im Straßen- und Wegebau.

Kalkputz entzieht Algen und Pilzen ihre Wachstumsgrundlage

Die Fassade eines Bauernhauses vor der Sanierung mit Kalkputz (links) und danach (rechts).
Mit Biokalkprodukten aus dem Dornröschenschlaf geweckt: Bauernhaus in Murnau. (Quelle: Haga AG)

Im oberbayrischen Murnau wurde mit einer baubiologischen Sanierung unlängst ein altes Bauernhaus zu neuem Leben erweckt. Für die Wiederbelebung sorgten innen wie außen Biokalkputze und -farben. Aus Authentizitätsgründen wurden bei allen Wandgestaltungen des 360 Jahre alten Gebäudes Schweizer Naturkalk von Haga verwendet. Weil er Algen und Pilzen aufgrund seiner Diffusionsoffenheit und seines guten Wasserhaushaltes die Wachstumsgrundlage entzieht, sorgt er in Murnau für wertbeständige Fassaden. Außerdem verhält sich der Biokalk elektrostatisch neutral, sodass weniger Schmutzpartikel anhaften.

Material des Untergrunds beeinflusst die Verarbeitung: Innen …

Eine Essecke in einem Bauernhaus.
Kalkputze verhindern Feuchtestau, regulieren das Raumklima, ermöglichen eine dauerhafte Rücktrocknung des Mauerwerks sowie gute wärmedämmende Eigenschaften. (Quelle: Haga AG)

Beim Aufbringen von Kalkputzen wird zwischen Innen- und Außenanwendungen, aber auch feuchtegeschädigtem Mauerwerk unterschieden. Innen werden sie im dreilagigen Kalk-Sand-Putz aufgebracht, wobei der Oberputz aufzutragen ist, sobald der Unterputz gerissen ist. Möglich ist das Auftragen von Oberputzen auch auf vorhandene Untergründe, sofern diese mineralisch sind und sich als saugend, fest und tragfähig erweisen.

Während grundsätzlich auch auf Holzuntergründe verputzt werden kann, hier aber von einer verzögerten Rücktrocknung auszugehen ist, ist dies auf OSB-, Span- und MDF-Platten nicht direkt möglich. Bei Schilfrohr- und Holz-Weichfaserplatten wiederum kann unter Verwendung von Armierungsgeweben verputzt werden.

Der Trockenbau ist für die Kalktechnik eine vergleichsweise neue Technologie, bei der sich Gipskarton aufgrund des Dehnungsverhaltens weniger anbietet. Anders sieht es bei faserarmierten Gips- und zementgebundenen Perlite-Platten aus. Erforderlich ist hier allerdings eine Freigabe für den jeweiligen Kalkoberputz. Eine Rissbildung entlang der Plattenstöße muss vor dem Verputzen auszuschließen sein. Nicht zuletzt lassen sich zement- oder magnesitgebundene Holzspanplatten und natürlich klassische Putzträger wie Schilfrohr, Streckmetall oder Gewebe dreilagig verputzen.

Wie das im Detail aussieht, lesen Sie auch hier.

… wie außen 

Auch Kalkaußenputze sind – bei einer Mindestauftragsstärke von 20 mm – dreilagig aufzubringen. Geeignete Untergründe können Bau- und Natursteine sowie Bestände von Kalk- oder hydraulischen Kalkputzen sein. Alte Trennschichten wie Kalkanstriche oder Dispersionsfarben müssen auf jedem Fall entfernt werden.

Bei Mischmauerwerken ist darauf zu achten, dass sie magnesitgebunden sind. Bestehen die Gemische aus Beton, Holzwolle und Kunststoffdämmungen ist ein Armierungsgewebe zu verwenden, und sie sind mit Armierungsmörtel einzubetten. Beim Aufbringen der Außenputze sollte ein Kalkbindesystem beibehalten werden, abgestimmt auf den Untergrund. Gegebenenfalls ist vor dem Oberputz eine vorhandene Kalksinterhaut aufzurauen. Beim Sockel kann mit einem Kalkputz gearbeitet werden, sofern eine Drainage oder Rollierung vorliegt und keine Putzbrücke über ein Mauersperrband geschaffen wird.

Kalkoberputz auf Kalkzement oder Beton ist vor dem Hintergrund der verschiedenen Wasseraufnahmefähigkeiten zu vermeiden, da er beim Wechsel von Tau und Frost zum Abplatzen neigt.

Wärmedämmverbundsysteme in Kalktechnik sind möglich mit Schilfrohrplatten, armiertem Dreilagenputz mit Kalk-Sand oder Kalk-Leichtputz mit Perlit. Lehmputzgefache lassen sich mit Kalkunter- und -oberputz beziehungsweise Sumpfkalkanstrich ausführen.

Kalkputz in verschiedenen Ausführungen erhältlich

Eine Küche in einem Bauernhaus.
Innen wurde bei der Sanierung mit Kalk- und Mineralputzgrund, Kalkstreichputz, Kalkputzglätte, Kalkfarbe und Stucco-Spachtel gearbeitet. (Quelle: Haga AG)

Kalkprodukte, wie sie für das Murnauer Bauernhaus eingesetzt wurden, fertigt das Unternehmen Haga seit 1953 nach alter Handwerkstradition. Dass sie ohne künstliche Zusatzstoffe bei langer Reifezeit in Bioqualität produziert werden, wurde vom Fraunhofer-Institut IBP zertifiziert. Für die Anwendung der Kalkprodukte sprach im vorliegenden Fall auch die zum Teil hohe Feuchtigkeit des Mauerwerks. Der Entfeuchtungs- und Dämmputz Biotherm kann sie auf effektive Weise regulieren.

Außer diesem System wurden bei der Sanierung innen Kalk- und Mineralputzgrund, Kalkstreichputz, Kalkputzglätte, Kalkfarbe und Stucco-Spachtel eingesetzt. Außen fanden neben Biotherm auch Edel- und Restaurierputz, Kalkfarbe sowie Kalkwasserlasur in Freskotechnik Anwendung. Gegenüber Dispersionssilikatfarben wurde so eine bessere Rücktrocknung erreicht. Zusätzlich bildet die Malschicht ein Kalkdepot für den darunterliegenden Kalkputz. Witterungsbedingt eindringendes Wasser löst in geringen Mengen Kalk und verfestigt Putz und Farbe. Die verwendeten Systeme sorgen damit innen wie auch außen für Wohnqualität und Nachhaltigkeit.

T+A Trockenbau und Ausbau, 7-8(2022), S. 36-37,
Haga AG

zuletzt editiert am 29.08.2022