Lehm ist schwer, Lehm ist nass, Lehm ist schwierig zu verarbeiten? Falsch. Moderne Lehm-Trockenbau-Systeme bieten alle Vorteile des natürlichen Baustoffs plus gefälliger Verarbeitung.
Dass Lehm vorteilhaft für das Raumklima ist, hat dem Jahrtausende alten Baustoff auch im modernen Bau und Ausbau eine Nische gesichert. Darüber hinaus galt er vielen jedoch als „Sonderling“, den vor allem Naturfreaks, Hippies und Individualisten verwenden, allenfalls noch Eigenheimbesitzer:innen, die viel Zeit für den Innenausbau mitbringen. Zwar bringen Lehmbauplatten nach wie vor mehr Gewicht auf die Waage als gipsbasierte Ausbauplatten, mit optimierten Sieblinien und angepassten Rezepturen lassen sich Platten, Spachtel und Putze heute aber so einfach und schnell im System verarbeiten wie seine Konkurrenten aus Gips, Zement und Co. Und die Lehmbauplatte wartet mit zusätzlichen Vorteilen in der Wärmeregulation auf. Das macht Lehmbauprodukte für den modernen Innenausbau auch in größeren Maßstäben interessant.
Mit Masse thermische Unterschiede ausgleichen
Früher musste Lehm Schicht für Schicht nass aufgetragen werden, was aufwändig war und Feuchtigkeit ins Gebäude brachte. Moderne Lehmbauplatten machen diesen Aufwand überflüssig, Trocknungszeiten müssen nur für die Oberflächenputze eingeplant werden. Lehm-Trockenbau funktioniert wie klassischer Trockenbau: montieren, armieren, beschichten, fertig. Die Platten bestehen aus Lehm, der mit Zusätzen wie Hanffasern stabilisiert wird. Eine Gewebebeschichtung außen nimmt Zugkräfte auf und sorgt für zusätzliche Stabilität.
Lehm besitzt eine hohe Dichte und bringt damit schlicht Masse in den Bau und die hält Temperaturen gegenüber leichten Materialien länger. Das ändert sich auch mit modernen Lehmbauplatten nicht. Platte plus (Lehm-)Beschichtung sorgen so dafür, dass Temperaturspitzen gemildert werden – bei Hitze wie bei Kälte. Diese hohe Speicherkapazität kann gerade dort vorteilhaft sein, wo es durch die Bauweise an Masse fehlt: im Holzbau, im Dachgeschossausbau und so weiter. Ein weiteres sinnvolles Anwendungsgebiet von Lehm-Trockenbau liegt in seiner Verbindung mit einer Wandheizung.
Vorteile von Lehm als Baustoff
- Lehm ist (bei geprüften und genormten Produkten) frei von künstlichen Zusätzen
- Lehm ist wiederverwendbar
- Lehm kann viel Feuchte aufnehmen und wieder abgeben
- Lehm dient als Wärmepuffer und mindert Temperaturspitzen
Lehm und Luftfeuchte – ein Geben und Nehmen
Lehm gilt als besonders vorteilhaft für das Raumklima. Aber was bedeutet das? Grundlage für den angenehmen Effekt von Lehmwänden ist die Fähigkeit des Lehms, Feuchte aufzunehmen und wieder abzugeben. Der Lehm-Produkte-Hersteller Conluto gibt zum Beispiel an, dass seine 14 Millimeter Lehm-Trockenbauplatte pro verbautem Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden rund 91 Gramm Wasserdampf aufnimmt – und bei trockener Luft wieder abgibt. Das entspricht etwa dem zwei- bis dreifachen Feuchteaufnahmevermögen einer Gipsfaserplatte. Eine Lehm-Systemwand kann damit für eine ausgeglichene Luftfeuchte sorgen, die als besonders angenehm empfunden wird. Das Schimmelrisiko wird deutlich reduziert.
Auf einen Blick: das ist neu bei Lehmputzen
- Mehr Auswahl bei Oberflächen
- Maschinengängige Varianten verfügbar
- Verarbeitung komplett im System
Lehmputze – aber Hightech bitte!
Für das Finish bieten Hersteller heute Lehmputze an, die ähnlich wie Gips- oder Kalkputze maschinell verarbeitet werden können. Damit hierbei alles ebenso schnell geht, wie mit konventionellen Materialien, stehen auch für die Beschichtung Systemprodukte zur Verfügung: Spachtel, Kleber und Armierung sowie Oberputze – wenn gewünscht, mit dem gleichen optischen Finish wie Gips- oder Kalkprodukte. Was ökologisch sinnvoll ist, muss also nicht einmal danach aussehen. Indem das System keine problematischen Zusatzstoffe enthält, ist es ohne großen Trennaufwand recyclebar.
