Ob als Terrassenbelag oder als Sichtschutz: Holz erfreut sich zunehmender Beliebtheit im Außenbereich. (Quelle: Roland Hirsch)
Ob als Terrassenbelag oder als Sichtschutz: Holz erfreut sich zunehmender Beliebtheit im Außenbereich. (Quelle: Roland Hirsch)

Terrassen/Balkone

01. March 2022 | Teilen auf:

Holzarten für den Außenbereich: Natürlich und dauerhaft

Im Außenbereich werden sogenannte dauerhafte Hölzer eingesetzt. Dieser Artikel stellt die verschiedenen Holzarten und ihre Eigenschaften vor.

Holz erfreut sich seit Jahren auch als Terrassenbelag stetig zunehmender Beliebtheit. Gleich zum Einstieg ein grundsätzlicher Hinweis: Werbebroschüren schüren oft Erwartungen, die mittelfristig vom Naturstoff Holz nicht zu erfüllen sind. Daher ist im Verkaufsgespräch darauf hinzuarbeiten, bei den Kunden eine realistische Erwartung an den Naturstoff Holz und die Gebrauchsfläche einer Holzterrasse zu schaffen. Oft wird man im Beratungsgespräch auf die Nutzungsdauer einer Terrassenfläche angesprochen. Diese hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nachfolgend werden wichtige Aspekte wie konstruktiver Holzschutz, Gebrauchsklassen und natürliche Dauerhaftigkeit sowie Eigenschaften von Terrassenhölzern erläutert. Zur Verhinderung von feuchtebedingten Bauschäden ist für jede Holzkonstruktion im Freien eine sorgfältige Planung und Ausführung nach den Grundsätzen des konstruktiven Holzschutzes notwendig. Ziel des konstruktiven Holzschutzes ist es, eine langanhaltende Durchfeuchtung zu vermeiden bzw. ein rasches Abtrocknen sicherzustellen. Dies ist durch eine gut durchlüftete Konstruktion ohne Erdkontakt zu erreichen. In einem Forschungsprojekt der Holzforschung Austria wurden über fünf Jahre Musterflächen im Freien begutachtet. Die dort erarbeiteten und nachfolgend kurz zusammengefassten Empfehlungen hinsichtlich der Konstruktion von Terrassen wurden auch bei der Neufassung der Fachregeln des Zimmererhandwerks „Balkone und Terrassen“ berücksichtigt:

  • Empfohlene Brettbreite max. 120 mm zur Vermeidung von zu starkem Schüsseln (handelsüblich und gebräuchlich sind ca. 145 mm)
  • Empfohlene Mindestdicke: 24 mm für Nadelholz, 20 mm für Laubholz
  • Idealerweise Rift-/Halbriftbretter aufgrund des höheren Stehvermögens (bei vielen Holzarten jedoch handelsüblich nicht erhältlich)
  • Fugenbreite min. 7 mm bzw. 6 % der Brettbreite
  • Abstand zum Untergrund möglichst > 150 mm und
  • Abstand zu umgebenden Bauteilen min. 20 mm
  • Holz-Holz-Kontaktflächen minimieren, max. 50 mm × 150 mm
  • Ausreichende Fixierung in Längs- und Querrichtung, sichtbare Verschraubung gilt als Stand der Technik
  • Verdeckte Befestigungssysteme nur mit Eignungsnachweis, bei Holzarten mit mittlerem bis starkem Schwund und Quellverhalten nicht empfehlenswert
  • Schraubendurchmesser min. 5 mm (bei starker Beanspruchung/im öffentlichen Bereich: min. 6 mm)
  • Verwendung von vorgetrockneten Terrassenhölzern, die Einbaufeuchte sollte der Gebrauchsfeuchte entsprechen, sowohl zu hohe (> 20 %) als auch zu niedrige Holzfeuchten (< 12 %) sind nicht empfehlenswert.

Gebrauchsklassen beachten

Abhängig von der Holzfeuchte im Gebrauchszustand und der daraus abzuleitenden Gefährdung durch den Befall mit holzzerstörenden Pilzen unterscheidet die Holzschutznorm DIN 68800 fünf Gebrauchsklassen (GK). Idealerweise sind frei bewitterte Terrassenflächen ohne Erdkontakt der Gebrauchsklasse GK 3.1 (rasches Abtrocknen, gelegentlich feucht) zuzuordnen. Ist nur ein langsames Abtrocknen möglich, gilt GK 3.2 (häufig feucht).

Neben der Konstruktion hängen die zu erwartenden Holzfeuchten von den örtlichen Gegebenheiten ab, wie beispielsweise der Himmelsausrichtung der Fläche sowie von Beschattung und Bewuchs. Auch durch mangelnde Pflege während der Nutzung kann sich die Gebrauchsklasse verändern. Terrassen mit durch Verschmutzung geschlossenen Fugen oder Moosbewuchs sind der Gebrauchsklasse GK 4 (vorwiegend bis ständig feucht, mit Erdkontakt) zuzuordnen. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Auftraggeber auf die Wartung und Reinigung seiner Terrasse aufmerksam zu machen. Mindestens einmal jährlich sind die Terrassendecks, möglichst auch unter der Belagfläche, zu säubern. Der Praxistest aus Österreich hat ergeben, dass die Nutzungsdauer dadurch um einen Faktor von 1,5 bis 2 verlängert werden kann. Für den Einsatz von nicht imprägnierten Hölzern in den verschiedenen Gebrauchsklassen sind normativ Mindestanforderungen an die natürliche Dauerhaftigkeit (DC) der Holzarten festgelegt.

Für GK 3.1 sind mindestens Holzarten der Dauerhaftigkeitsklasse DC 3 auszuwählen. Für GK 3.2 wird DC 2 erforderlich und in GK 4 sollten nur sehr dauerhafte Holzarten der DC 1 eingesetzt werden. Neben der natürlichen Dauerhaftigkeit sollte bei der Holzartenauswahl insbesondere das Stehvermögen berücksichtigt werden. Für ausreichende Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften sowie eine ausreichende Härte wird eine Rohdichte von mindestens 500 kg/m³ für Nadelholz bzw. 650 kg/m³ für Laubholz empfohlen.

Welche Nadelhölzer eignen sich für den Außenbereich?

Ein häufig eingesetztes europäisches Terrassenholz ist Douglasie. Untersuchungen haben ergeben, dass diese Holzart lediglich als mäßig/wenig dauerhaft (DC 3-4) einzustufen ist. Des Weiteren gilt für Terrassendecks grundsätzlich die Forderung des splintfreien Verbaus, da Splintholz aufgrund der fehlenden Kerninhaltsstoffe und des höheren Zuckergehalts überhaupt nicht dauerhaft ist und somit im Außenbereich nichts zu suchen hat. Splintfreie Hölzer in Douglasie werden jedoch von den Produzenten kaum angeboten. Die Lebensdauer einer Douglasie-Terrasse variiert deshalb erfahrungsgemäß zwischen nur 1 bis 4 Jahren (vor allem bei GK 3.2). Bereits jahrzehntelang etabliert als Gartenholz ist kesseldruckimprägnierte Kiefer. Das Kernholz ist ebenfalls der Dauerhaftigkeitsklasse 3–4 zuzuordnen. Durch die Behandlung mit chemischen Holzschutzmitteln nach DIN 68800-3 wird der Splint wirkungsvoll vor holzzerstörenden Pilzen geschützt. Imprägnierte Hölzer werden jedoch generell als schadstoffbelastet eingestuft, was zu hohen Entsorgungskosten führt, die mittelfristig noch weiter steigen werden. Der Rückbau und die Entsorgung sollten daher bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Kesseldruckimprägnierte Kiefer ist als preiswertes

Terrassenholz mit einer mittleren Haltbarkeit zu bewerten. Die Holzart Lärche hat sich im Außenbereich bewährt. Insbesondere die langsam gewachsenen, feinjährigen Qualitäten aus Höhenlagen über 1.000 m oder aus dem rauen Sibirien sind begehrt. Untersuchungen des Thünen-Instituts in Hamburg-Bergedorf stufen die sibirische Lärche je nach Provenienz und Jahrringbreite in die Dauerhaftigkeitsklasse 2 bis 3 ein. Lärche zählt zu den Holzarten mit einem mittelstarken Schwund- und Quellverhalten. Bei europäischer Lärche ist mit verstärktem Harzaustritt zu rechnen, auch Auswaschungen von Holzinhaltsstoffen sind zu Beginn der Nutzungsphase möglich. Bei direkter Bewitterung neigt Lärche zur Rissigkeit, teilweise auch zum Abschilfern von Jahresringen. Wie bei sämtlichen Nadelhölzern sollte deshalb die linke (herzabgewandte) Seite nach oben montiert werden.

Auch europäisches Laubholz kann dauerhaft sein

Im Innenraum dominiert momentan die Holzart Eiche. Da oft gewünscht wird, dass sich die Bodenoberfläche von innen nach außen fortsetzt, wird diese Holzart auch im Außenbereich nachgefragt. Eiche zählt mit einer Dauerhaftigkeitsklasse von 2 zu den Holzarten, die auch für diesen Einsatzbereich eigentlich prädestiniert sind. Untersuchungen des Thünen-Instituts haben allerdings gezeigt, dass beim Erdkontakt der Holzabbau deutlich höher ausfällt als bei Lärche. Aus diesen Prüfungen resultiert die stark streuende normative Angabe „DC 2–4“ (dauerhaft bis wenig dauerhaft). Erdkontakt ist deshalb unbedingt zu vermeiden.

Außerdem ist bei Eiche immer mit Gerbsäureauswaschungen zu rechnen. Vor allem angrenzende alkalisch reagierende Putzflächen werden dadurch verfärbt und ungeschützte Stahlteile korrodieren. Aufgrund des Gerbsäuregehalts verfärbt sich die Oberfläche bei Kontakt mit Wasser und Eisen schwarz. Diese Verfärbungen können jedoch problemlos durch ein Überstreichen mit Oxalsäure beseitigt werden. Optisch sowie hinsichtlich ihres Gerbsäuregehalts der Eiche sehr ähnlich, weist auch die Esskastanie eine gute (sogar etwas bessere) natürliche Dauerhaftigkeit auf. Die Verfügbarkeit ist allerdings sehr begrenzt. Robinie ist die europäische Holzart mit der höchsten natürlichen Dauerhaftigkeit (DC 1–2). Das Holz weist ein sehr unregelmäßiges Erscheinungsbild, ein starkes Schwund- und Quellverhalten sowie eine hohe Rissanfälligkeit auf. Gerade bei der Robinie sind am Markt oft keilgezinkte Hölzer zu finden. Die Keilzinkung bietet den Vorteil, dass häufig auftretende und unerwünschte Holzmerkmale wie Strukturabweichungen und große Äste bei der Produktion ausgekappt werden können. Da Keilzinkungen bei einteiligen Querschnitten im Außenbereich derzeit nicht zugelassen sind, ist der tragende Einsatz (z. B. bei aufgeständerten Terrassen mit einer Höhe > 65 cm oder bei Balkonen) nicht gestattet. Es liegen mittlerweile mehrjährige positive Erfahrungen zum nicht tragenden Einsatz keilgezinkter Terrassendielen vor, die deren Eignung bestätigen. Tropenholz ist dauerhaft, aber nicht unbedingt nachhaltig

Bis vor fünf Jahren dominierten bei Terrassenflächen tropische Harthölzer, die aufgrund ihrer oft hohen natürlichen Dauerhaftigkeiten sehr gut geeignet sind. Beim Endverbraucher gewinnt jedoch der Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Für die klassischen tropischen Terrassenholzarten – aus Asien, Afrika und Südamerika – sind nur geringe zertifizierte Mengen aus nachweislich verantwortungsbewusster Forstwirtschaft am Markt verfügbar. Zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags sind Importeure seit 2010 per EU-Verordnung verpflichtet, u. a. die gesamte Lieferkette nachzuvollziehen und hinsichtlich des Risikos sorgfältig zu prüfen. Gerade in Südamerika sind die Dokumente, die von den Abladern zur Verfügung gestellt werden, jedoch teilweise mit Vorsicht zu genießen. Die dominierende tropische Holzart im Terrassenmarkt stammt aus Südostasien und heißt Bangkirai. Diese Holzart ist über Jahrzehnte am Markt etabliert und besitzt die Dauerhaftigkeitsklasse 2. Allerdings werden immer wieder auch Partien unterschiedlicher Holzarten als Bangkirai am Markt angeboten, bei denen keine Aussage über die Dauerhaftigkeit getroffen werden kann. Bangkirai besitzt ein ausgeprägtes Schwund- und Quellverhalten. Bei starken Regenfällen ist mit Auswaschungen der Holzinhaltsstoffe zu rechnen. Südamerikanische Holzarten mit einer sehr guten natürlichen Dauerhaftigkeit sind Ipé (DC 1) und Cumaru (DC 1). Ipé reißt wenig und hat ein interessantes gelb-/rot-/lilabraunes Farbenspiel. Cumaru ist deutlich „nervöser“ als Ipé und von einer homogeneren rotbraunen Farbe. Die helle Holzart Garapa aus Südamerika besitzt im Vergleich zu den vorgenannten Holzarten eine geringere natürliche Dauerhaftigkeit (DC 3).

Im Rahmen der Diskussionen zur Nachhaltigkeit von Tropenhölzern haben in den letzten Jahren zunehmend modifizierte Hölzer an Bedeutung gewonnen. Sie bieten eine dauerhafte Alternative aus europäischen Hölzern.

Wenn erstens im Beratungsgespräch die Vorzüge von Holzterrassen, wie das temperaturausgleichende Verhalten, die Optik und die natürliche Alterung (Vergrauung) gleichermaßen thematisiert werden wie die spezifischen Holzmerkmale und die notwendige Pflege und zweitens während der Planung und Montage die Vorgaben zum konstruktiven Holzschutz umgesetzt werden, wird der Kunde auch langfristig Freude an seiner Holzterrasse haben.

Autor:

Roland Hirsch
ist Dipl. Holzwirt und führt in Rheinstetten die Holzhandlung Hirsch & Sohn Holzhandel GmbH.

zuletzt editiert am 02.05.2022