Hochwasser vor einem Haus.
Quelle: Cristina Gottardi/Unsplash

Keller

11. April 2022 | Teilen auf:

Rückstauklappe nachrüsten

Zuverlässiger Schutz vor Überflutungsschäden

Die Warnungen vor Unwettern mit Starkregen und Sturzfluten, die in Zukunft immer häufiger auftreten werden, mehren sich. Tatsächlich haben in den vergangenen Jahren außergewöhnliche Starkregenereignisse nachweisbar zugenommen und schwere Schäden verursacht. Dabei entstehen die meisten Überflutungsschäden durch fehlende, falsch montierte oder defekte Rückstausicherungen. Wer also noch ungesicherte Rohrleitungen und Abläufe hat, kann als erste Sicherungsmaßnahme eine Rückstauklappe nachrüsten.

Warum eine Rückstauklappe nachrüsten?

Die häufigste Ursache für Überflutungsschäden in Kellern ist nicht etwa Hochwasser, das sich auf der Straße aufstaut und von dort ins Gebäude eindringt. Die meisten Schäden entstehen, wenn sich große Wassermengen bei Starkregen im Kanalnetz stauen und über die daran angeschlossenen Rohrleitungen zurück ins Gebäude drücken. Bei außergewöhnlich starkem Regen füllt sich der öffentliche Kanal sehr schnell mit Wasser. Steigt das Wasser über die zulässige Obergrenze – die sogenannte Rückstauebene –, wird es in die verbundenen Entwässerungsleitungen gedrückt. Über ungesicherte Hausanschlüsse, die unterhalb der Rückstauebene liegen, wie z.B. ein Kellerablauf, gelangt das Wasser ins Haus. Und mit dem Wasser auch häufig Fäkalien, sodass in der Folge einer Überflutung nicht nur mit Feuchtigkeitsschäden und Schimmel, sondern auch mit einer hohen Keimbelastung zu rechnen ist.

Entwässerungsanlagen im Gebäude wie Bodenabläufe, Waschmaschinen, Waschbecken, Duschabläufe oder Toiletten, die unterhalb der Rückstauebene liegen, müssen wirkungsvoll und dauerhaft gegen Rückstau geschützt werden. Dabei ist die Nachrüstung mit einer Rückstauklappe eine der effektivsten Maßnahmen der Rückstausicherung.

Wichtig: Jeder Hauseigentümer ist selbst für den Schutz seiner Entwässerungsanlagen vor Rückstau aus der Kanalisation verantwortlich. Sind keine Rückstausicherungen vorhanden, zahlt bei einem Schaden weder die Versicherung, noch haftet die Gemeinde.

Was ist die Rückstauebene?

Die Rückstauebene ist die höchste Ebene, bis zu der Wasser in einer Entwässerungsanlage planmäßig aufsteigen kann. Die Höhe der Rückstauebene ist in den Entwässerungssatzungen der Gemeinden festgelegt. Im Normalfall liegt diese auf Höhe des nächstliegenden Schachtes oder der Bordsteinkante.

Wie funktionieren Rückstauklappen?

Rückstauklappen gehören zu den passiven Rückstauverschlüssen. Sie eigenen sich für die Sicherung von Leitungen, die ein freies Gefälle zum öffentlichen Kanal haben. Liegt der öffentliche Kanal höher als der Ablauf, ist eine Abwasserhebeanlage notwendig. Rückstauklappen verhindern über Klappen, dass das Abwasser aus dem öffentlichen Kanal zurück ins Haus fließt. Die Klappe schließt sich bei rückströmendem Abwasser automatisch. Da dieses Abwasser nur daran gehindert wird, ins Haus einzudringen, aber nicht abgeführt wird, dürfen Rückstauklappen nur unter den folgenden Bedingungen verwendet werden:

  • Es besteht ein Gefälle zum Kanal.
  • Die geschützten Räume sind von untergeordneter Nutzung, d.h. es befinden sich dort keine wesentlichen Sachwerte und die Gesundheit der Bewohner wird bei Überflutung der Räume nicht beeinträchtigt.
  • Der Benutzerkreis ist klein und diesem steht ein WC oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung.
  • Bei Rückstau kann auf die Benutzung der Ablaufstelle verzichtet werden (DIN EN 12056-4).

Wichtig: Rückstauverschlüsse sollen gemäß DIN in der Regel zweimal im Jahr von einem Sachkundigen gewartet werden!

Welche Typen von Rückstauklappen gibt es?

Nach DIN EN 13564-1 werden in Deutschland sechs Typen von Rückstauklappen unterschieden, wobei Typ 4 in Deutschland nicht zulässig ist. Die Typen 2, 3 und 5 dürfen nur für fäkalienfreies Abwasser verwendet werden, Typ 3 mit der Kennzeichnung „F“ ist auch für fäkalienhaltiges Abwasser zugelassen.

  • Typ 0: für Regenwasser, Rückstauklappe für die Verwendung in horizontalen Leitungen mit nur einem selbsttätigen Verschluss
  • Typ 1: für Regenwasser, Rückstauklappe für die Verwendung in horizontalen Leitungen mit einem selbsttätigen Verschluss sowie einem Notverschluss, wobei dieser Notverschluss mit dem selbsttätigen Verschluss kombiniert sein darf
  • Typ 2: für fäkalienfreies Abwasser, Rückstauklappe für die Verwendung in horizontalen Leitungen mit zwei selbsttätigen Verschlüssen und einem Notverschluss, wobei dieser mit einem der beiden selbsttätigen Verschlüsse kombiniert sein darf
  • Typ 3: für fäkalienhaltiges und fäkalienfreies Abwasser, Rückstauklappe (Kennzeichnung „F“) für die Verwendung in horizontalen Leitungen mit einem durch Fremdenergie (elektrisch, pneumatisch oder andere) betriebenen selbsttätigen Verschluss und einem Notverschluss, der unabhängig vom selbsttätigen Verschluss ist
  • Typ 4: Bodenablauf mit einem selbsttätigen Verschluss und einem Notverschluss
  • Typ 5: Rückstauklappe, in Ablaufgarnituren oder Bodenabläufen eingebaut, mit zwei selbsttätigen Verschlüssen und einem Notverschluss, wobei dieser mit einem der beiden selbsttätigen Verschlüsse kombiniert sein darf

Wo kann man eine Rückstauklappe nachrüsten?

Rückstauklappen gibt es in vielen Varianten und Materialien. So können sie an unterschiedlichen Punkten der häuslichen Entwässerungsanlage eingesetzt werden, egal ob Neu- oder Altbau. Am einfachsten ist es, eine Rückstauklappe in einer frei zugänglichen Abwasserleitung nachzurüsten. Wichtig ist es, Rückstauklappen in Bodenabläufe im Keller und Revisionsschächte einzubauen und diese damit gegen Rückstau zu sichern. Beim nachträglichen Einbau in die Bodenplatte sollten Modelle mit möglichst geringer Absatzhöhe verwendet werden. Im Bestand kann es mitunter schwierig sein, eine gute Einbauposition zu finden. Eine Sicherung mit Rückstauklappen kann aber nicht nur im Gebäude, sondern auch an einem außerhalb des Gebäudes liegendem Übergabeschacht erfolgen.

Bei älteren Gebäuden und vorhandenen Guss- oder Tonabflussleitungen können die Verbindungen der Abwasserleitungen für den zusätzlichen Druck aus den nachträglich eingebauten Rückstauklappen nicht ausgelegt sein. Dann ist eine Rückstausicherung außerhalb des Gebäudes an einem – eventuell neu zu erstellenden – Übergabeschacht notwendig.

Was kostet es, eine Rückstauklappe nachzurüsten?

Einfache Rückstauklappen für die Nachrüstung in Kellerabläufen und in frei zugängliche Leitungen sind ab etwa 95 € erhältlich. Welche Kosten entstehen, bestimmt aber immer die individuelle Einbausituation und die Anforderungen, die an die Rückstauklappe gestellt werden (z.B. fäkalienhaltiges Abwasser). Zu den Materialkosten kommen noch die Kosten für den Einbau.

Weitere Arten der Rückstausicherung

Die Rückstauklappe ist nur eine Form der Rückstausicherung. Daneben existieren noch weitere Arten der Rückstausicherung. Dazu gehören das Rückstauventil, Rückstauschächte und Hebeanlagen.

  • Rückstauventil
    Das Rückstauventil ist wie die Rückstauklappe ein passiver Rückstauverschluss. Das Rückstauventil trennt das gesamte Gebäude vom öffentlichen Kanalnetz. Normalerweise kann Abwasser durch das Ventil aus dem Haus in die Kanalisation fließen. Fließt nun Wasser aus der Kanalisation zurück in das Ventil, schließt sich dieses – Wasser kann nun weder raus noch rein. Deshalb dürfen, solange das Ventil geschlossen ist, keine sanitären Anlagen im Gebäude benutzt werden, denn das Abwasser kann dann nicht in das öffentliche Kanalnetz fließen.
  • Rückstauschacht
    Rückstauschächte liegen außerhalb des Gebäudes und sind daher gut für den nachträglichen Einbau geeignet. Wenn ein bestehender Hausanschlussschacht einfach durch einen Rückstauschacht ersetzt werden kann, ist dies oft kosten- und zeitsparender als der nachträgliche Einbau einer Rückstauklappe im Keller. Denn dort muss die Bodenplatte geöffnet werden, um die Grundleitung mit einer Rückstauklappe nachzurüsten.
  • Hebeanlage
    Liegt der öffentlich Kanal höher als die Ablaufstelle im Keller, muss das Abwasser mit Hilfe einer Hebeanlage über eine Rückstauschleife über das Niveau der Rückstauebene gepumpt werden. Von dort aus entwässert es im Freigefälle in das öffentliche Netz.

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Autorin:

Franziska Zielke
Redaktion ausbaupraxis.de

zuletzt editiert am 11.04.2022