Eine Häusersiedlung aus der Vogelperspektive.
Asbest, Formaldehyd oder Chloranisole? Wir erklären, welche Schadstoffe sich in Fertighäusern verstecken können. (Quelle: Blake Wheeler/Unsplash)

Schadstoffe

10. January 2023 | Teilen auf:

Schadstoffe in Fertighäusern

Alte Fertighäuser aus den 1960er-, 1970er- und frühen 1980er-Jahre sollen stark schadstoffbelastet und deshalb gesundheitsschädlich sein. Ein Gedanke, der potenzielle Käufer und Bewohner dieser Häuser umtreibt. Eine Untersuchung auf Schadstoffe vor dem Kauf eines solchen Hauses oder bei Beschwerden ist in jedem Fall anzuraten.

Der Ruf der Schadstoffbelastung haftet älteren Fertighäuser nicht ganz zu Unrecht an. Untersuchungen weisen regelmäßig Schadstoffe in der Raumluft dieser Häuser nach. Neben einer eventuellen geruchlichen Belästigung durch den typischen muffig-modrigen „Fertighaus-Geruch“ kann eine Schadstoffbelastung natürlich auch zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Außerdem kann sie eine teils erhebliche Wertminderung der Immobile darstellen.

Die häufige Schadstoffbelastung dieser Häuser liegt in deren typischer Bauweise begründet, bei der mit unterschiedlich hohem Vorfertigungsgrad ein Ständerwerk aus pestizidbehandelten Rahmenhölzern erstellt und auf der Baustelle montiert wurde. Das Ständerwerk wurde dann mit Span- oder Gipsplatten beplankt. Schadstoffe, die aufgrund dieser Bauweise häufig in älteren Fertighäusern vorkommen, sind u.a.:

  • Formaldehyd,
  • Holzschutzmittel wie Pentachlorphenol (PCP), Tetrachlorphenol und Lindan,
  • Asbest

Auch Geruchsstoffe wie Chloranisole werden bei Untersuchungen oft in hohen Konzentrationen gefunden.

Formaldehyd in Fertighäusern

In den für Spanplatten verwendeten Bindemitteln ist Formaldehyd enthalten (Quelle: Rainer Sturm/pixelio.de)

Aufgrund der Bauweise und der verwendeten Baumaterialien ist Formaldehyd in der Innenraumluft eines der häufigen Probleme in Fertighäusern aus den 1960er- und 1970er-Jahren.

Besteht die Beplankung eines alten Fertighauses überwiegend aus Spanplatten, kann es auch 40 Jahre nach dem Bau noch zu erheblichen Konzentrationen an Formaldehyd in der Raumluft kommen. Formaldehyd ist Bestandteil des Leims, der bei der Herstellung von Spanplatten verwendet wird. Es kann so lange an die Luft abgegeben werden, wie Leim vorhanden ist. Eine Untersuchung der ARGUK-Umweltlabor GmbH in über 200 Fertighäusern ergab, dass der Richtwert von 0,1 ppm vor allem in Fertighäusern aus den Jahren 1960 bis 1980 überschritten wurde, und zwar bei etwa 40 % der untersuchten Häuser aus dieser Zeit.

Die Formaldehyd-Konzentration im Innenraum ist stark abhängig davon, wie viele Quadratmeter Spanplatte pro Kubikmeter Rauminhalt verbaut wurden. Sind Außen- und Innenwände beidseitig mit Spanplatten beplankt, ist mit höheren Konzentrationen zu rechnen als in Konstruktionen, bei denen nur die Außenwände außenseitig mit Spanplatten ausgebaut wurden.

Daneben spielen die raumklimatischen Bedingungen eine Rolle: Eine höhere Luftfeuchte und eine höhere Raumtemperatur führen in der Regel zu höheren Formaldehyd-Konzentrationen in der Raumluft.

Pentachlorphenol (PCP)

Das Holz und die Holzwerkstoffe, aus denen ein Fertighaus zu großen Teilen besteht, wurden nach dem Stand der Technik zu ihrer Entstehungszeit mit chemischen Holzschutzmitteln wie u.a. Pentachlorphenol (PCP) und Lindan behandelt. Diese sollten einen Befall mit Fäule- und Bläuepilzen, Schimmel und Insektenlarven verhindern.

PCP wurde nicht nur als vorbeugender Schutz für Holzbauteile, sondern auch als bekämpfende Maßnahme bei der Hausschwammsanierung im Mauerwerk und im Verputz eingesetzt. Bei Heimwerkeranwendungen kam PCP ebenfalls zum Einsatz. Deshalb können alle im Fertighaus und in den Einrichtungen vorkommenden Holzbauteile sowie im Einzelfall auch Mauerwerk und Putz eine Quelle für PCP sein. Wegen der Ausgasung bzw. diffusiven Ausbreitung von PCP können neben den primär behandelten Bauteilen und Hölzern auch alle anderen Innenraumoberflächen, Textilien und Einrichtungsgegenstände sekundär kontaminiert sein.

Asbest in alten Fertighäusern

Vor seinem Verbot im Jahr 1993 wurde Asbest auch in Fertighäusern eingesetzt. Es wurde häufig in den Fassadenverkleidungen verbaut – in Form von Putzträgerplatten oder als vorgehängte Fassadenplatten. Dabei kamen in der Regel zementgebundene Asbestplatten zum Einsatz, die verputzt oder gespachtelt und anschließend gestrichen wurden. Solange diese nicht mechanisch bearbeitet werden, geht von diesen Platten erst einmal keine Gefahr aus.

Es stinkt im Fertighaus: Chloranisole

Der oft für Fertighäuser aus den 1960er- bis 1980er-Jahre als typisch empfundener muffig-modrige Geruch stammt von sogenannten Chloranisolen. Sie entstehen, wenn PCP und TeCP (Tetrachlorphenol) bei ausreichender Feuchte durch Mikroorganismen in Chloranisolverbindungen umgewandelt werden.

Obwohl diese schlechten Gerüche in der Regel keine direkte organschädigende Wirkung haben, ist dieses Geruchsproblem nicht zu unterschätzen, weil es vor allem als sozialer und wertmindernder Faktor weitreichende Folgen haben kann. Der Geruch haftet auch an Kleidungsstücken und Haaren an, sodass ihn die Bewohner der betroffenen Fertighäuser mit sich tragen.

Autorin:
Franziska Zielke
Redaktion ausbaupraxis.de

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zuletzt editiert am 09.01.2023