Drei Arten von Schraubendrehern.
Ein sicherer Halt des Schraubendrehers im Kopf der Schraube ist das A und O bei der Wahl des Werkzeugs. (Quelle: Rudolf Müller Mediengruppe)

Werkzeuge

24. May 2022 | Teilen auf:

Viele Möglichkeiten befestigen die Schraube

Um eine Schraube ins Werkstück zu drehen, gibt es seit Jahrzehnten bewährte Lösungen wie Kreuzschlitz oder Sechskant. Hinzu kommen seit geraumer Zeit aber eigene Entwicklungen verschiedener Hersteller. Zudem gibt es Spezialanwendungen (Elektro) und spezielle Werkstoffe (Edelstahl), für die eigene Werkzeuge entwickelt wurden. Wir geben einen Überblick über hand- und motorgetriebene Systeme und Anwendungsfälle.

Bei den Kreuzschlitzschrauben gibt es nach wie vor zwei Systeme, die man nicht miteinander mischen sollte. Der Phillips -Kreuzschlitz (PH) wird heute hauptsächlich bei metrischen Schrauben und etwa bei Trockenbau- und Blechbohrschrauben verwendet.

Bei den Holzschrauben ist der Pozidriv-Kreuzschlitz (PZ) üblich, zu erkennen an dem zusätzlich eingekerbten Kreuz bei den Schrauben und den dazu passenden zusätzlichen Rippen bei den Schraubendrehern und Bits. Beide Systeme sind seit Jahrzehnten bewährt und international genormt. Die Toleranzen sind aber leicht unterschiedlich. Man sollte daher keine Werkzeuge des einen Systems für Schrauben des anderen verwenden. Sowohl die Schraube als auch die Spitze des Bits oder Schraubendrehers können sonst beschädigt werden. Wie gesagt: Die Spitzen ohne zusätzliche Rippen kommen in den Kreuzschlitz ohne zusätzliche Kerben und umgekehrt!

PZ weiterentwickelt

Bei den Holzschrauben wird der Pozidriv-Kreuzschlitz zunehmend durch Torx verdrängt. Für die Nutzung dieser eingetragenen Marke müssen Hersteller eine Lizenz erwerben. Hersteller ohne Lizenz bezeichnen Schrauben und Bits daher als TX. Das Profil ist nicht genormt. Die exakten Maße und Toleranzen erhalten offiziell nur die Lizenznehmer. Doch auch die TX-Schrauben und Bits funktionieren in der Regel problemlos. Um die Vorteile des Systems voll auszureizen, sind die Torx-Größen sehr fein gestaffelt, sodass für jeden Schraubendurchmesser die optimale Profilgröße verwendet wird. Bei gelegentlichen Verschraubungen kann es schwierig sein, auf Anhieb den richtigen Bit zu finden, was bei den drei gebräuchlichen PZ-Größen 1 bis 3 kein Problem ist. Versucht man, versehentlich mit dem nächstkleineren Bit zu schrauben, kann das schnell zu Beschädigungen der Zahnspitzen der Schraube und des Bits führen. Hat man jedoch das passende Bit, ist das Torx-System optimal: passgenau und ohne den bei PH und PZ auftretenden Effekt, dass das Bit aus der Schraube herausgedrückt wird.

Besser als Torx?

Einige Schraubenhersteller haben wiederum das Torx-System weiterentwickelt und werben unter anderem damit, dass die Schrauben besser im Bit halten und die Kraftübertragung noch besser ist als beim Original. Oft werden dann zu den Schrauben passende Bits mitgeliefert. Bei einigen Systemen können aber auch Standard-Bits verwendet werden.

Nur noch zur Deko

Schlitzschrauben haben nur noch Bedeutung für dekorative Zwecke, zum Beispiel bei der Restaurierung historischer Gebäude oder Möbel oder bei der Anbringung von Türbeschlägen im rustikalen Design. Weiterhin ihre Berechtigung haben auch Innensechskant-Schrauben. Ähnlich wie bei Torx ist der gebräuchliche Begriff Inbus (bitte nicht „Imbus“) als Marke geschützt.

Kreuzschlitz und Schlitz kombiniert

Bei Einsatz in der Elektrotechnik empfehlen sich Schraubendreher mit schutzisolierten Klingen. (Quelle: Kirchhoff Witte)

Eine interessante Entwicklung aus dem Bereich der Elektroinstallation ist die sogenannte PlusMinus-Schraube. Sie vereint ein Kreuzschlitz-Profil mit einem durchgehenden Schlitz. So kann sie sowohl mit einem Kreuzschlitz- als auch mit einem Schlitzschraubendreher betätigt werden und sollte so die Arbeit erleichtern. Da manche Kunden aber spezielle Schraubendreher für dieses neue Profil wünschten, haben einige Werkzeughersteller nun Schraubendreher und Bits mit genau diesem Profil im Programm, die weder für normale Kreuzschlitz- noch für Schlitzschrauben passen.

Griff plus einsteckbare Klingen ist nachhaltig

Für spezielle Anwendungen gibt es spezielle Griffe, so zum Beispiel besonders rutschfeste für die Arbeit mit öligen Händen, die allerdings für trockene Hände wiederum eher nicht zu empfehlen wären. (Quelle: Kirchhoff Witte)

Schraubendreher sollen nicht nur langlebig, sondern vor allem auch ergonomisch sein. Welche Griffausführung (z. B. mit harten und weichen Kunststoffkombinationen) oder Griffform (rund, dreieckig oder abgeflacht) man bevorzugt, ist letztlich Geschmackssache. Sinnvoll sind für viele Anwender Sätze mit einem Griff und vielen einsteckbaren Klingen für die unterschiedlichen Profile und Größen. So hat man immer den richtigen Schraubendreher dabei und ist trotzdem nachhaltig unterwegs. In der Regel hält der Griff länger als die Klinge und man kann die häufig verwendeten Klingen nachkaufen, wenn sie abgenutzt sind. Für spezielle Anwendungen gibt es spezielle Griffe, so zum Beispiel besonders rutschfeste für die Arbeit mit öligen Händen, die allerdings für trockene Hände wiederum eher nicht zu empfehlen wären.

Seit Langem bewährt: Steckschlüssel

Für Sechskantschrauben sind Steckschlüssel und Knarren weit verbreitet. Diese werden nach der Größe des Vierkants unterschieden. (Quelle: Stahlwille)

Für Sechskantschrauben sind Steckschlüssel und Knarren weit verbreitet. Diese werden nach der Größe des Vierkants unterschieden. Am bekanntesten sind hier Viertelzoll (6,3mm) und Halbzoll (12,5 mm). Zwischen diesen beiden Größen fristet der Vierkant mit 3/8 Zoll (10 mm) zu Unrecht ein Schattendasein. Diese Knarren liegen bei Länge und Griffgröße zwischen denen der anderen beiden Systeme und sind bei der Verschraubung von Schlüsselweiten zwischen 6 und 13 mm wesentlich handlicher als ihre kleineren bzw. größeren Schwestern. Sehr praktisch sind auch Bitknarren, wenn höhere Drehmomente benötigt werden oder die Verschraubung von oben schwer zugänglich ist.

Für gelegentliche Verschraubungen von Sechskantschrauben bieten sich auch Zangenschlüssel an. Auch hier gibt es inzwischen sehr handliche Ausführungen für die kleineren Schlüsselweiten.

Wichtiger Hinweis zu Edelstahl

Die immer mehr verbreiteten Edelstahlschrauben dürfen nur mit Edelstahl-Schraubendrehern oder -bits angezogen werden, sonst bildet sich Rost! Durch die Weiterentwicklung der Stähle und Härteverfahren gibt es heute von vielen Anbietern leitungsfähige und langlebige Werkzeuge auch aus diesem Material.

Zeitgemäßes Mittel der Wahl: Der Akkuschrauber

Die meisten Verschraubungen werden heute mit Akkuschraubern durchgeführt. Hier geht der Trend auf der einen Seite zu immer kraftvolleren Modellen, teilweise mit Tangentialschlag zum ruckartigen Aufbringen des Drehmoments, auf der anderen Seite zu leichten und handlichen Modellen, die dank fortschreitender Akkutechnologie immer leistungsfähiger und damit auch für den Profi interessant werden. Bei diesen handlichen Modellen sollte man darauf achten, dass ihre Drehzahl auch zum gelegentlichen Bohren in Holz ausreichend ist. Hierfür gibt es Holzbohrer mit Sechskantschaft, die wie ein Bit eingesteckt werden können.

Bei Akku-Schraubern geht der Trend auf der einen Seite zu immer kraftvolleren Modellen, teilweise mit Tangentialschlag zum ruckartigen Aufbringen des Drehmoments, auf der anderen Seite zu leichten und handlichen Modellen. (Quelle: Rudolf Müller Mediengruppe)

Neben den Schraubern in der klassischen Pistolenform gibt es auch sehr handliche Akkuschrauber mit einem normalen Schraubendrehergriff, deren Drehmoment allerdings in der Regel für Zylinderschrauben zum Beispiel in der Elektroinstallation ausgelegt ist und daher nicht für Holzschrauben ausreicht.

Um auch bei anderen Werkzeugen immer auf dem Laufenden zu bleiben, empfiehlt sich die Internetseite https://365.werkzeug.org/de.

Autor:
Thomas Holland-Letz ist stellv. Geschäftsführer im Fachverband Werkzeugindustrie e. V.

zuletzt editiert am 23.05.2022