Auch mit frei gewählten Einzelkomponenten aus dem Handel können bei typischen Trockenbaukonstruktionen die geforderten Anforderungen an Brand- und Schallschutz erreicht und teilweise übertroffen werden. Das zeigen Prüfungen des Verbands Wir für Ausbau und Trockenbau e. V.
Der Branchenverband hat typische offene Trockenbaukonstruktionen prüfen lassen – also solche, die mit Komponenten verschiedener Hersteller, statt in einem herstellerspezifischen Komplettsystem ausgeführt wurden. In mehreren Konstruktionen liegen die Werte bei Brand- und Schallschutz über den in der Norm hinterlegten. Mit den Prüfungen wollen die Verantwortlichen zeigen, dass Fachunternehmer:innen Platten, Profile und Dämmstoffe bei vielen Standard-Konstruktionen unabhängig von Hersteller und Händler auswählen können, ohne auf nötige Sicherheit zu verzichten.
Brandschutz: Größere Wandhöhen und schlankere Aufbauten sind möglich
Die neuen Prüfergebnisse zeigen nach Angaben des Verbands, dass offene Trockenbausysteme im Brandschutz mehr leisten können, als die Norm vorsieht. Das beginnt bei Metallständerwänden der Klassen F 30, F 60 und F 90, die mit bis zu 5,00 m Höhe deutlich über den 4,00 m liegen, die in der Norm vorgesehen sind. Bei abgehängten F-90-Decken und bei Schachtwänden reicht eine schlankere Beplankung mit 2 × 20 Millimetern statt 2 × 25 Millimeter GKF aus. Bei den Decken lassen sich die Schrauben zusätzlich in größeren Abständen setzen, was die Verarbeitung erleichtert. Für Fachunternehmer:innen bedeutet das einen geringeren Montageaufwand bei gleichbleibender Sicherheit. Für Außenecke bei Schachtwänden gibt es darüber hinaus eine klare Regelung im Prüfzeugnis, die in der Norm bislang ganz fehlt, so dass Planer:innen und Verarbeiter:innen hierbei bisher auf individuelle Lösungen angewiesen waren.
Geforderter Schallschutz wird erreicht
Die vom Wir geprüften Komponenten erreichen bei Metallständerwänden Schalldämmwerte von 54 dB (F 30) und 57 dB (F 90) und liegen damit auf dem Niveau etablierter Markenhersteller (53 bis 55 dB bei F 30, 56 dB bei F 90). Kleine Unterschiede bewegen sich nach Aussagen des Verbands im Bereich der normativen Messunsicherheit von ± 2,4 dB.
Mehr Flexibilität für Fachunternehmen
„Die neuen Prüfergebnisse bestätigen, was wir seit Jahren in der Praxis beobachten: Entscheidend für die Leistungsfähigkeit einer Trockenbaukonstruktion ist nicht das Logo auf der Verpackung, sondern das Zusammenspiel der normgerechten Komponenten und ihre fachgerechte Verarbeitung. Unser Ziel ist nicht weniger Sicherheit, sondern nachgewiesene Flexibilität ohne Qualitätsverlust.“, sagt Katharina Metzger, Vorstandsvorsitzende vom Wir und Präsidentin des Bundesverbandes deutscher Baustoff-Fachhändler e.V. (BDB). „Normung und Prüfung müssen dem Handwerk ermöglichen, das zu tun, was auf Baustellen seit Jahrzehnten Realität ist: bei Standardkonstruktionen mit normgerechten Produkten unterschiedlicher Hersteller wirtschaftliche und sichere Konstruktionen zu erstellen.“
Für Fachunternehmen bedeutet die freie Komponentenwahl mehr Möglichkeiten bei Beschaffung und Ausführung. Baustoffe können entsprechend der regionalen Verfügbarkeit ausgewählt und bei Engpässen durch geeignete Komponenten anderer Hersteller ersetzt werden. Für den Fachhandel bedeutet eine freie Komponentenwahlt, dass ein breiteres Sortiment für unterschiedliche Anwendungen eingesetzt werden kann. Nicht für jede Konstruktion muss ein vollständig herstellerspezifisches System vorgehalten werden.
Der Verband betont, dass die untersuchten Konstruktionen nicht als Konkurrenz zu technisch anspruchsvolleren Sonderkonstruktionen zu verstehen sind. Vielmehr ginge es um die große Zahl alltäglicher Standardanwendungen, bei denen aus Verbandssicht eine freie und gleichzeitig sichere Auswahl der Komponenten möglich sein sollte.
Prüfungen sollen Grundlage für die Weiterentwicklung der Normung sein
Der Wir für Trockenbau und Ausbau e.V. will die vorliegenden Erkenntnisse nutzen, um die Diskussion über produktneutrale und offene Trockenbausysteme weiter voranzutreiben. Die bisherigen Prüfungen bilden dabei eine technische Grundlage für die Überführung geeigneter Standardkonstruktionen in die Normung.
„Die Ergebnisse zeigen, dass Leistungsfähigkeit nicht an ein einzelnes Herstellersystem gebunden ist. Wer Komponenten frei aus dem Handel wählt, kann im Brand- und Schallschutz gleiche und teilweise bessere Werte erreichen, als es die Norm vorsieht. Als Mitglied im DIN-Gremium werde ich mich dafür einsetzen, dass diese Erkenntnisse in die Weiterentwicklung der Normung einfließen,“ erklärt Thomas Schmid, stellvertretender Vorsitzender des Verbands Wir für Ausbau und Trockenbau und Mitglied im DIN-Gremium.
Die Prüfungen wurden am unabhängigen Ingenieurbüro und akkreditierten Prüfinstitut Peutz in Molenhoeck/Niederlanden sowie an der MFPA Leipzig bis September 2026 durchgeführt. Die zugehörigen Prüfzeugnisse und Aufbauanleitungen stellt der Wir auf seiner Internetseite zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Verbands „WIR für Trockenbau und Ausbau e.V .“
Hintergrund: Der Verein „WIR – für Ausbau und Trockenbau“
Der Verein Wir für Ausbau und Trockenbau e.V. ist eine verbändeübergreifende Branchenplattform, die sich zum Ziel gesetzt hat, innovative Bauweisen im Ausbau und Trockenbau zu fördern. In dem 2016 gegründeten Verein engagieren sich mehr als 30 Organisationen aus der Prozesskette der Bauwirtschaft vom Hersteller über den Fachhandel bis zu Fachunternehmer. Ziel ist es, die Trockenbauweise innovativ weiterzuentwickeln und in ihrer Anwendung qualitativ hochwertig sowie besonders wirtschaftlich sicherzustellen. Zu den Zielsetzungen des Verbands gehört auch die Umsetzung einer angemessenen Normierung durch das Deutsche Institut für Normung (DIN) im Trockenbau.
