Lehmplatten an einer Wandkonstruktion.
Lehmbauplatten sind nur eine Produktart von Lehm im Innenausbau. (Quelle: Egginger Naturbaustoffe)

Wand

7. May 2020 | Teilen auf:

Tipps: Lehm und Lehm lassen

Lehm findet im Innenausbau in vielen Formen Anwendung, doch die Verarbeitung hat ihre Tücken. Wir geben Tipps, wie der Lehmbau garantiert gelingt.

Viele Bauherren schätzen Lehm als überaus ökologischen Baustoff, der mit einer sehr guten Energiebilanz für viele Produkte und vor allem mit den wohngesundheitlichen Vorteilen punktet. Lehm allgemein gilt in Innenräumen als feuchteregulierend, schadstoff- und geruchsbindend und somit als ideal für alle von Allergien geplagten und sehr empfindlichen Menschen. Die für den Innenausbau angebotenen Produkte wie Lehmputze, Lehmfarben oder Lehmbauplatten haben eine enorme Entwicklung durchgemacht, um die verarbeitungsspezifischen Eigenarten des Lehms zu entschärfen. Die beruhen im Wesentlichen auf der Tatsache, dass Lehm wasserlöslich ist und bleibt und nicht durch Abbinden, sondern durch eine lupenreine Verdunstung des Anmachwassers trocknet. Damit verbunden sind für Sie als Verarbeiter einige Besonderheiten, auf die wir hier eingehen wollen.

So erzielen Sie mit Lehmprodukten perfekte Ergebnisse

… mit Lehmbauplatten:

  • Viele Platten haben eine rauere Seite. Die muss zum Raum hin montiert werden, weil hier der nachfolgende Feinputz eine haftfähige Oberfläche finden soll.
  • Armieren Sie immer entweder die Plattenstöße oder die ganze Fläche, damit wird die Rissbildung während der Trocknung minimiert. Das Armierungsgewebe legen Sie in den leicht angezogenen Oberputz ein und reiben es mit der Kelle ein.
  • Bevor Sie die Lehmbauplatten mit einem Oberputz versehen, müssen Sie die Fläche gründlich vornässen. So wird die Haftung verbessert.
  • Leichte Lasten wie Bilder, Kleiderhaken oder ähnliches lassen sich mit einem Hohlraumdübel gut befestigen. Für schwerere Lasten sollten Sie an entsprechender Stelle die Unterkonstruktion (zusätzliches Holz- oder Metallprofil) anpassen.

… mit Putzen:

  • Auf Mauerwerk sollte die Dicke pro Schicht 30 mm nicht überschreiten. Arbeiten Sie mehrlagig, müssen Sie die jeweils untere Schicht immer austrocknen lasse, das kann je nach Produkt und Schichtdicke auch bis zu zwei Woche dauern. Vor dem nächsten Schichtauftrag die Fläche vornässen.
  • Die auch hier notwendige Armierung arbeiten Sie im oberen Drittel des Putzes ein, dabei auf eine ausreichend große Überlappung der Gewebebahnen achten.
  • Um die Haftung auf Mauerwerk sicherzustellen, bringen Sie entweder einen Vorspritzmörtel (Zement oder Weißkalk) auf oder montieren eine Schilfträgermatte als Putzträger.
  • Bei dicken Auftragsschichten (ab 20 mm) haften angeworfene Lehmmörtel besser als aufgezogene.
  • Verwenden Sie Fertigputze als Trockenmischung – die sind auch im Winter über mehrere Wochen haltbar.
  • Verwenden Sie Eckschutzleisten für den Lehmputz, verwenden Sie am besten einen Ansetzbinder als Klebemörtel. Lehmmörtel haben keine ausreichend hohe Klebeleistung. Achten Sie darauf, dass die Leisten korrosionsgeschützt sind, da Lehm diese Aufgabe im Gegensatz zu Zement oder Kalk (alkalisch) nicht übernehmen kann.
  • Besser ist es, die Ecken von Lehmputzen großzügig abzurunden. Dafür bekommen Sie im baubiologischen Fachhandel oder auch im Internet spezielle Werkzeuge, die das Ganze sehr vereinfachen.
  • Um die Trocknungszeit der verputzten Fläche abzukürzen, können Sie (vorsichtig!) Trocknungsgeräte einsetzen. Kondensationstrockner arbeiten dabei schonender und etwas langsamer als Gebläse. Gebläse nicht direkt auf die Fläche richten, sondern die sowieso nötige Querlüftung unterstützen.

… mit Lehmfarben

  • Die Oberfläche (falls kein Lehm) muss für den Auftrag von Lehmfarben ausreichend eben und glatt sein. Als Richtschnur gelten die Spachtelqualitäten Q3 und Q4, die Sie aus dem Trockenbau mit gipsgebundenen Platten und Spachtelmassen kennen.
  • Da Lehmuntergründe wie schon erwähnt immer wasserlöslich bleiben, sind sie vor dem Auftrag von Lehmfarben zunächst grundiert werden. So verhindern Sie, dass sich Bestandteile aus dem Untergrund lösen, sich mit der Lehmfarbe vermischen und so den gewünschten Farbton verändern. Wählen Sie eine Grundierung auf Kaseinbasis.
  • Um eine zufriedenstellende Farbwirkung zu erzielen, sind mindestens zwei Farbaufträge plus die vorherige Grundierung notwendig.
  • Der Auftrag der Lehmfarbe kann mit einem Quast oder mit der Rolle erfolgen. Die Arbeit mit der Rolle geht schneller von der Hand, ergibt aber eine andere Oberflächenstruktur als mit dem Quast. Vereinbaren Sie vorher mit Auftraggeber die gewünschte Oberflächenwirkung und damit das einzusetzende Werkzeuge, sonst drohen teure Nacharbeiten.

Autor:

Ulrich Wolf
Redaktion ausbaupraxis.de

Keyvisual und Teaserbild: Egginger Naturbaustoffe

7. Mai 2020

zuletzt editiert am 08.06.2022