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Trockenschüttungen: Der Ausgleich ist geschafft

Die heutigen Anforderungen und Terminvorgaben lassen den Einbau eines konventionellen Nassestrichs oft gar nicht mehr zu. Gerade in der Altbausanierung bieten die Trockensysteme Vorteile, denn der nicht zu unterschätzende Feuchtigkeitseintrag der Nassestriche führt hier häufig zu Problemen. Selbst der Einbau von Flächenheizungen ist mit modernen, vorkonfektionierten Trockenestrich-Elementen keine große Herausforderung mehr. Grundlage jedes funktionierenden Trockenestrichs ist eine belastbare Tragschicht, die in vielen Fällen nur mit einer Trockenschüttung zu erreichen. Bis zu 100 mm Ausgleich schafft dabei nahezu jedes Schüttmaterial, einige gebundene Produkte können bis zu 2.000 mm eingesetzt werden. Dabei spielt beim Einsatz einer Trockenschüttung der Höhenausgleich nicht die einzige Rolle. Hinzu kommt die gewünschte Dämmwirkung der Ausgleichsschicht hinsichtlich Wärmedämmung und Trittschallschutz. Die Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Material zwischen 0,06 und 0,12 W/m2K.  Das kommt an die Werte anderer Dämmstoffe nicht ganz heran, ist aber über unbeheizten Räumen, auf Bodenplatten und über Kellern, in denen keine Deckendämmung möglich ist, ein Komfortgewinn. Bei der Trittschallminderung können Schüttungen den Trittschall um bis zu 34 dB mindern, auch der Raumschall wird durch die hohe Dämmdicke gedämpft. Allerdings gilt: Kein Produkt bringt auf beiden Gebieten Spitzenwerte. Die meisten Hersteller haben deshalb verschiedene Produkte für die beiden Anforderungen im Programm, hier müssen die genauen Anforderungen des Bauherrn berücksichtigt werden. Im Übrigen tragen Ausgleichsschüttungen auch zum Brandschutz bei, die allermeisten Produkte sind der Baustoffklasse A1 (nicht brennbar) zugeordnet.

Welche Trockenschüttungen gibt es?

Neben den klassischen Trockenschüttungen kommen noch zwei Varianten zum Einsatz. Bei den gebundenen Schüttungen ist das Schüttgut mit aushärtenden Komponenten versehen (Bindemittel aus Harzen oder auch Zement), nach dem Anrühren mit Wasser wird es auf den tragfähigen Untergrund aufgebracht, abgezogen und leicht verdichtet. Nach einigen Stunden ist die Schüttung durchgetrocknet und gehärtet. Gebundene Schüttungen kommen zum Einsatz, wenn hohe Festigkeitswerte, hohe Schütthöhen (bis zu 2.000 mm!) und eine Feuchtebeständigkeit gefordert sind. Die höhere Festigkeit führt  nicht zwingend zu einem höheren Flächengewicht, der Anteil des Bindemittels fällt kaum ins Gewicht.
Bei den Waben-Schüttungen werden überwiegend Sandmatten und Pappwaben mit Granulatfüllungen eingebaut. Die 30 oder 60 mm hohen Pappwaben werden auf dem tragfähigen Untergrund aufgebracht und anschließend mit dem Schüttmaterial verfüllt. Obenauf liegen dann Trockenestrichelemente mit unterseitig aufkaschierter Dämmung aus Holzfaser oder druckfester Mineralwolle. Das System wurde speziell für den nachträglichen Schallschutz auf Holzbalkendecken entwickelt. Der gesamte Aufbau (60 oder 90 mm Höhe) bringt nämlich ein enorm hohes Flächengewicht auf die Balken, eine der Grundvoraussetzungen für einen guten Trittschallschutz.

In gebundenen Schüttungen können problemlos Rohre und Leitungen eingebaut werden. Auf die Überdeckung achten.
(Foto: Fermacell)

In gebundenen Schüttungen können problemlos Rohre und Leitungen eingebaut werden. Auf die Überdeckung achten.
(Foto: Fermacell)

Lässt man die ausnivellierten Dämme anziehen, dienen sie als Lehre für den Ausgleich dazwischen.
(Foto: Fermacell)

Lässt man die ausnivellierten Dämme anziehen, dienen sie als Lehre für den Ausgleich dazwischen.
(Foto: Fermacell)

Die ungebundene Form der Blähglasschüttung ist nicht druckfest und dient nur als Hohlraumdämmung.
(Foto: Dennert Poraver)

Die ungebundene Form der Blähglasschüttung ist nicht druckfest und dient nur als Hohlraumdämmung.
(Foto: Dennert Poraver)

Die gebundene Schüttung besteht aus Hanfstängeln, die mit einem lösungsmittelfreien Bitumenfilm imprägniert werden. 
(Foto: MEHA Dämmstoffe)

Die gebundene Schüttung besteht aus Hanfstängeln, die mit einem lösungsmittelfreien Bitumenfilm imprägniert werden.
(Foto: MEHA Dämmstoffe)

 

Autor:
Ulrich Wolf
AUSBAUPRAXIS
 

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