Wasserfeste Holzplatten Keyvisual

Holz: Wie wasserfest ist wasserfest?

Holz und Holzwerkstoffplatten spielen im Bau- und Ausbau seit jeher eine große Rolle, vor allem aufgrund ihres günstigen Preises und der guten Ver- und Bearbeitbarkeit. Immer wieder taucht dabei die Frage nach der „Wasserfestigkeit“ oder Feuchteresistenz der Holzplatten auf, vor allem, wenn die Platten im häuslichen Bad ein- oder der Witterung ausgesetzt werden sollen.

Wasserfeste Holzplatten: Diese Unterscheidung ist wichtig

Zunächst muss man konstatieren: Es gibt kein dauerhaft wasserfestes Holz, somit auch keine dauerhaft wasserfesten Holzplatten. Holz als hygroskopischer Werkstoff wird immer Wasser und Feuchte aufnehmen, erreicht diese Auffeuchtung Werte, die über dem Fasersättigungspunkt liegen, quillt Holz auf oder es beginnen früher oder später holzzerstörende Pilze ihr Werk. Was an Holzplatten allerdings wasserfest sein kann, ist die Verleimung bzw. das Bindemittel. Eine solche Verleimung sorgt letztlich aber nur dafür, dass etwa die Schichten einer Sperrholzplatte sich nicht voneinander lösen. Der Leim/das Bindemittel „umhüllt“ die enthaltenen Holzbestandteile, sodass diese zumindest eine kurze Zeit lang gegen eindringendes Wasser geschützt sind, aber keineswegs auf Dauer. Die neuralgischen Punkte bei allen Plattentypen sind besonders die Kanten, die aufgrund ihrer hohen Porosität und der gröberen Struktur dem Wasser einen Weg ins Innere bahnen.
 
Der Grad der Wasserresistenz der Verleimung hängt logischerweise vom Leim/Bindemittel selbst ab. Bei den kunstharzgebundenen Holzwerkstoffen kommen verschiedene Formaldehydharze wie Melamin- und Phenolharze oder PMDI („Polymeres Diphenylmethandiisocyanat“) zum Einsatz. Als wasserfest verleimt und damit im Feuchtbereich einsetzbar gelten Spanplatten der Klassifizierung P3, P5 und P7 und OSB-Platten der Klasse OSB 3 und OSB 4. Bei den mineralisch gebundenen Holzwerkstoffplatten spielen nur die Holzwolleleichtbauplatten (Heraklith, „Sauerkrautplatten“; Bindemittel: Zement) als Dämmung und die zementgebundenen Spanplatten eine nennenswerte Rolle im Ausbau.

Über die groben Kanten von Span- und OSB-Platten kann Feuchtigkeit sehr leicht ins Innere eindringen. ... (Bild: Pfleiderer)

Über die groben Kanten von Span- und OSB-Platten kann Feuchtigkeit sehr leicht ins Innere eindringen. ... (Bild: Pfleiderer)



... Die dichten und geschliffenen Plattenflächen halten dem Wasser eine gewisse Zeit Stand. (Bild: Pfleiderer)

... Die dichten und geschliffenen Plattenflächen halten dem Wasser eine gewisse Zeit Stand. (Bild: Pfleiderer)



Auch bei Sperrholz- oder Multiplexplatten sind die Kanten besonders empfindlich. Freiliegende Kanten sollten deshalb mit einem Holzsiegel oder Epoxidharz abgedichtet werden. (Bild: Finnforest)

Auch bei Sperrholz- oder Multiplexplatten sind die Kanten besonders empfindlich. Freiliegende Kanten sollten deshalb mit einem Holzsiegel oder Epoxidharz abgedichtet werden. (Bild: Finnforest)

Verleimungsarten

IF20:
Bereiche: Innenbereich, Trockenräume
Klebstoffe: gestreckte Harnstoff-Formaldehyd-Klebstoffe

IF67:
Bereiche: Innenbereich, Feuchträume wie Bad, Dusche, Küche.
Klebstoffe: Harnstoff-Formaldehyd-Klebstoffe oder Melamin-Formaldehyd-Klebstoffe

A100:
Bereiche: Außenbereich, jedoch wettergeschützt.
Klebstoffe: modifizierte Harnstoff-Formaldehyd-Klebstoffe oder Melamin-Formaldehyd-Klebstoffe

AW100:
Bereiche: Außenbereich, dem Wetter ausgesetzt.
Klebstoffe: Phenol-Formaldehyd-Klebstoffe oder Resorcin-Formaldehyd-Klebstoffe

So werden Holzplatten wasserfest

Holzplatten können durch verschiedene Arten von Beschichtungen und Bekleidungen ebenfalls wasserfest gemacht werden. Wird in der Altbausanierung beispielsweise auf einem Trockenestrich aus OSB- oder Spanplatten oder auf Holzdielen und -parkett ein dünnschichtiger Nivellierspachtel  aufgebracht, so sind die Platten vorab mit einem Kunstharzlack gegen das Wasser aus der Spachtelmasse zu schützen. Im häuslichen Bad wird das OSB-beplankte Ständerwerk durch eine zweite Lage mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatte inklusive einer Abdichtungsbahn oder einer flüssigen Abdichtung vor der Feuchte isoliert.
 
Eine Sonderstellung unter den Platten nehmen die Siebdruck- oder auch Karosseriebauplatten ein. Die sind per se beidseitig mit einer Phenolharzschicht belegt, die sie witterungsbeständig macht.
 
Sollen Holzwerkstoffplatten für den Innenbereich abgedichtet werden, so kann das mit einem vollflächigen Anstrich etwa mit Epoxidharz oder Holzsiegel geschehen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei immer die Kanten. Hier ist unter Umständen auch der Einsatz von Kunststoffumleimern oder lackierten Massivholzumleimern angesagt.
 
Holzwerkstoffplatten sind in DIN EN 13986 beschrieben und klassifiziert. Im Außenbereich sind nur Holzwerkstoffe der NKL 3 zugelassen. Für OSB-Platten sind in dieser Norm keine Leistungsanforderungen für die Eignung und Anwendung im Außenbereich der Nutzungsklasse 3 vorgesehen. Bewitterte OSB-Platten im Außenbereich halten zumindest ein paar Tage der Feuchte stand, sofern es sich um OSB-3- oder OSB-4-Platten handelt. Spätestens dann aber müssen Sie abgedeckt werden, entweder durch Bitumenbahnen und/oder einer Folie. Eine echte wetterfeste Holzplatte gibt es also nicht.

Sämtliche Holzuntergründe müssen vor Wasser geschützt werden, wenn auf ihnen gespachtelt oder ausgeglichen wird. (Bild: Knauf)

Sämtliche Holzuntergründe müssen vor Wasser geschützt werden, wenn auf ihnen gespachtelt oder ausgeglichen wird. (Bild: Knauf)

Bei Trennwänden wird die untere OSB-Beplankungslage durch die obere Gipsplattenlage ausreichend geschützt. Im Spritzwasserbereich eines Bades muss zusätzlich abgedichtet werden. (Bild: Egger)

Bei Trennwänden wird die untere OSB-Beplankungslage durch die obere Gipsplattenlage ausreichend geschützt. Im Spritzwasserbereich eines Bades muss zusätzlich abgedichtet werden. (Bild: Egger)

Siebdruckplatten sind werkseitig mit einer Schicht Phenolharz versehen, hier müssen nur die Kanten geschützt werden. (Bild: Westag & Getalit)

Siebdruckplatten sind werkseitig mit einer Schicht Phenolharz versehen, hier müssen nur die Kanten geschützt werden. (Bild: Westag & Getalit)

Im Außenbereich können auch OSB 4-Platten zeitlich nur begrenzt bewittert werden, dann müssen sie abgedeckt werden. (Bild: Swisskrono)

Im Außenbereich können auch OSB 4-Platten zeitlich nur begrenzt bewittert werden, dann müssen sie abgedeckt werden. (Bild: Swisskrono)

Nutzungsklassen (NKL)

Gemäß der EN 300 gibt es vier OSB-Klassen, eingeteilt in drei Nutzungsklassen (NKL):
 
OSB1 für allgemeine Zwecke – wie für Inneneinrichtungen und Möbelbau im Trockenbereich, entsprechend der Nutzungsklasse 1.
OSB2 für tragende, aussteifende Zwecke im Trockenbereich, entsprechend der Nutzungsklasse 1.
OSB3 für tragende, aussteifende Zwecke im Feuchtbereich, entsprechend der Nutzungsklasse 2.
OSB4 sind hoch belastbare Platten für tragende und aussteifende Zwecke im Feuchtbereich, entsprechend der Nutzungsklasse 2.
 
Die dazugehörigen Nutzungsklassen:
 
NKL 1 Trockenbereich = Materialfeuchte bei 20 °C und relative Luftfeuchte der Umgebungsluft, die nur für einige Wochen im Jahr einen Wert von 65 Prozent übersteigt. Etwa bei allseitig geschlossenen und beheizten Bauwerken.
NKL 2 Feuchtbereich = Materialfeuchte bei 20 °C und relative Luftfeuchte der umgebenden Luft, die nur für einige Wochen im Jahr einen Wert von 85 Prozent übersteigt.
NKL 3 Außenbereich = Materialfeuchte bei Klimaverhältnissen, die zu einer höheren Luftfeuchte als NKL 2 führen. Das gilt für Konstruktionen, die der Witterung ausgesetzt sind.

Hölzer aus dem Labor machen Tropenhölzern Konkurrenz

Tropenhölzer kommen häufig für den Außenbereich zum Einsatz- Seit einigen Jahren gibt es spezielle Verfahren, mit denen heimische Hölzer wasserresistenter gemacht werden können. Ein Beispiel ist Kebony. Der Hersteller verwendet ein patentiertes Verfahren, mit dem die Zellstruktur des Holzes so verändert wird, dass es härter und resistenter gegen Umwelteinflüsse wird. Für alle Ewigkeit wasserfest sind aber auch diese Holzplatten nicht.
 
Autor:
Ulrich Wolf
Redaktion AUSBAUPRAXIS
 
Keyvisual und Teaserbild: iStock
 

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