Terrassen/Balkone 2026-03-18T09:48:34.450Z Dachbegrünung: Aufbau, Vorteile, Möglichkeiten

Pflanzen auf dem Dach sehen hübsch aus und helfen beim Klimaschutz. Stimmt. Dachbegrünung kann aber viel mehr: das Dach schützen, Innenräume warmhalten, im Sommer für Erfrischung sorgen und Wasserkreisläufe entlasten. Was es für eine funktionierende Dachbegrünung braucht, lesen Sie hier.

Steigende Temperaturen, Versiegelung und immer engere Bebauung in Städten führen dazu, dass die Bepflanzung von Bauteilen zunehmend in den Fokus von Architektur und Stadtplanung rücken. Ein Beispiel hierfür ist „La Pista 500“: Der größte Dachgarten Europas befindet sich auf dem Dach der ehemaligen FIAT-Fabrik in Lingotto, Turin. Die 1,2 Kilometer lange ehemalige Teststrecke ist von mehr als 300 Pflanzen aus rund 40.000 botanischen Arten bewachsen.

Um eine Dachbegrünung anzulegen, braucht es zum Glück weder eine Teststrecke, noch 40.000 Pflanzen, oder ein anspruchsvolles architektonisches Konzept. Ein paar fähige Handwerker:innen reichen für einfache Varianten aus. Und, eine Dachbegrünung lohnt sich auch außerhalb dicht besiedelter Gebiete.

Neben einem klaren Vorteil für das Mikroklima im Sommer (Kühlung, Luftbefeuchtung, Wasserspeicherung) bieten begrünte Dächer:

  • je nach Aufbau eine zusätzliche Wärmedämmung,
  • Schutz für Abdichtungsflächen, die sonst frei bewittert wären,
  • Verbesserung des Schallschutzes,
  • Unterstützung für die Artenvielfalt
  • naturnahe Gestaltungsmöglichkeiten,
  • einen Beitrag zur kommunalen Wasserwirtschaft, der oft sogar gefördert wird.

Dachbegrünung ist oft förderfähig

Letztgenannter Vorteil kommt zustande, weil Dachbegrünungen große Mengen des Niederschlags zurückhalten. Ein Großteil dieses Wassers gelangt gar nicht erst in die Kanalisation, sondern wird durch Verdunstung wieder an die Umwelt abgegeben. Ein weiterer Teil fließt gefiltert ab. Das grüne Dach wird so praktisch zum Bestandteil der kommunalen Wasseraufbereitung. Häufig fördern Städte und Kommunen daher den Aufbau einer Dachbegrünung.

Welche Dächer eignen sich für eine Dachbegrünung?

Ein bepflanztes Dach ist prinzipiell auf beinahe allen Dachformen möglich. Je steiler das Dach, desto schwieriger wird die Bepflanzung sowohl technisch als auch gärtnerisch.

Die Basis für jedes begrünte Dach ist eine funktionierende Abdichtung und ein ausreichendes Gefälle (in der Regel über 5 Prozent). Nur so ist sichergestellt, dass sich unter der Pflanzschicht keine Pfützen bilden.

Außerdem muss das Dach ausreichend tragfähig sein, denn zu der Last aus Unterbau, Substrat und Pflanzen kommt das Gewicht des Wassers.

In Deutschland finden sich Anforderungen und Vorgaben für Dachbegrünungen in der „Richtlinie zur Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen“. Die Richtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) gilt als anerkannte Fachregel, deren Inhalte damit vertragsrechtlich relevant sind.

Eine Herausforderung begrünter Dächer ist, das mögliche Schäden an der Abdichtung oder an Abläufen unter dem Aufwuchs erst spät erkannt werden und ihre Lokalisation, je nach Aufbau, schwieriger wird. 

Grünes Dach: Sensoren helfen bei der Wartung

Damit ein begrüntes Dach, die Abdichtung sowie Anschlüsse und Abdichtungen dauerhaft funktionieren, ist eine mindestens jährliche, manchmal halbjährliche Wartung notwendig. Dazu gehört unter anderem ein gewisses Maß an Pflege des Bewuchses, das Reinigen von Abläufen und wenn möglich, eine Prüfung der Feuchtigkeit in der Abdichtungs- oder Dämmschicht. Hierfür bieten sich, insofern die Abdichtung im Rahmen der Dachbegrünung erfolgt, integrierte Leckwarnsysteme in Form von Feuchtesensoren an. Dachdecker:innen bauen solche Systeme ein und überprüfen die exakten Feuchtebedingungen bei jeder Wartung.

Dachbegrünung: Aufbau hängt von der Abdichtung ab

Der Aufbau einer Dachbegrünung beinhaltet grundsätzlich eine einwandfreie und wurzelsichere Abdichtung, dann folgt in der Regel ein Vlies, das die Abdichtungsebene vor mechanischen Schäden schützt, direkt zur Begrünung gehören ein Dränsystem, eine Filterschicht, das Substrat und die Planzen selbst. Ist die vorhandene Abdichtung nicht wurzelsicher, muss eine zusätzliche Schutzfolie eingeplant werden.

Schnell zum grünen Dach: Was können fertige Systeme?

Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die fertige Systeme zur Dachbegrünung anbieten – zum Beispiel in Form von Kassetten, die theoretisch auch von Laien montiert werden können. In der Praxis erweist sich die Montage einer Dachbegrünung ohne Fachkenntnisse jedoch als schwierig bis hochriskant. Geht es um die Begrünung eines Carports, sind korrekt montierte fertige Systeme sicherlich eine gute Wahl. Bei Flächen, die sich über genutzten Innenräumen befinden, wird schon das Prüfen der Statik und der dauerhaft funktionalen Abdichtung zur Herausforderung. Manche Systemanbieter verstehen sich daher eher als Dienstleister, die dann gezielt die entsprechenden Fachleute vermitteln bzw. die notwendigen Prüfungen selbst anbieten.

Ein Garten auf dem Dach?

Dass der Aufbau eines lebenden Dachs – insbesondere ohne Vorkenntnisse – nicht die einfachste Aufgabe ist, sollte deutlich geworden sein. Dabei handelt es sich bei den genannten Beispielen um die simpelste Form der Dachbegrünung mit unempfindlichen Arten, die nicht tief oder invasiv wurzeln: die sogenannte Extensive Dachbegrünung. Wem eher ein Dachgarten wie „La Pista 500“ vorschwebt, der muss sowohl gärtnerisch als auch technisch tief in die Planungskiste greifen. Wem das doch zu viel ist: Ein Bäumchen passt auf jeden Balkon, und der wird mit einer Balkonsanierung auch noch viel schöner.

Buchtipp:

Handbuch für Abdichtungen von Hans Peter Eiserloh und Michael Oliver Schaaf

Quellen:

(1) Eiserloh, Hans Peter, Schaaf, Michael Oliver: Handbuch für Abdichtungen, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, 2018, Köln, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller
(2) https://www.eghn.org/de/la-pista-500/ (abgerufen am 16.03.206)
(3) https://www.autokiste.de/psg/13359#google_vignette (abgerufen am 16.03.206)
(4) https://www.hey-gruen.de/ (und Unterseiten, abgerufen am 16.03.206)
(5) https://www.dachbegruenungselbermachen.de (und Unterseiten, abgerufen am 16.03.206)

Autorin:

Pauline John
Freie Redakteurin

Redaktion Ausbaupraxis

zuletzt editiert am 18. März 2026