Umweltschutz, Wohngesundheit und Klimaschutz sind weit mehr als Trendbegriffe. Wer nachhaltig bauen und sanieren möchte, hat gute Gründe – und findet sich einer wachsenden Auswahl an Produkten und Technologien gegenüber, die mehr oder weniger halten, was ihre Hersteller versprechen. Wie vertrauenswürdig sind Herstellerangaben und welche Siegel und Institutionen helfen weiter?
Nachhaltiges Bauen: „Greenwashing“ oder echtes Engagement?
Große Firmen inszenieren sich gerne als besonders engagiert, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Erzählungen von Recycling, Naturschutz und Artenvielfalt kommen unter anderem in sozialen Netzwerken gut an, auch wenn hierbei oft nicht mehr als die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden. Produkte tragen heute oft Zusätze wie „Eco“ oder „Green“ im Namen. Zwar funktioniert diese Form des Marketings vielfach noch, aber auch in der Baubranche wächst die Skepsis gegenüber Produkten, die einmal verbaut gesundheits- und oder umweltschädlich sind. Längst sind Bauweisen, die den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden – bis hin zum Recycling der verbauten Materialien –einbeziehen, zu einem spannenden Betätigungsfeld für Bauunternehmen geworden. Mehr denn je sind sind Planer:innen heute auf der Suche nach umwelt- und gesundheitsverträglichen Lösungen. Denn: Gerade in der Sanierung ist der Aufwand oft hoch, weil zunächst auf Schadstoffe geprüft und diese ausgebaut werden müssen.
Auf diese Nachfrage reagieren Baustoffhersteller – auch weil ihre Forschung seit Jahrzehnten nach Möglichkeiten sucht, wertvolle Rohstoffe wiederzuverwenden. Größere Unternehmen, zum Beispiel in der Dämmstoffsparte, haben eigene Verwertungsanlagen und können heute schon geschlossene Produktkreisläufe anbieten – vorausgesetzt der koordinierte Rückbau inklusive Logistik gelingt.
So führt das Bewusstsein über die Endlichkeit von Rohstoffen auch mit dazu, dass (bekannt) gesundheitsschädliche Stoffe immer weniger eingesetzt werden. Produkte, die Stoffe enthalten, die möglicherweise mittelfristig verboten werden, lassen sich perspektivisch schlechter recyclen. Dass der Preis für Energienutzung und CO2-Ausstoß weiter steigen wird, ist ein weiterer Treiber für nachhaltige Produktentwicklungen.
Fazit: Natürlich betreiben Hersteller nach wie vor „Greenwashing“, um ihre Produkte zu bewerben. Aber große Unternehmen investieren ernsthaft und teilweise weit über politische Vorgaben hinaus in umweltverträgliche Produkte und Produktionsabläufe. Gleichzeitig wächst der Markt an innovativen Produktentwicklungen kleinerer und jüngerer Unternehmen. Vielfach entstehen Ideen gleich in der Zusammenarbeit mit Handwerksunternehmen, die sich dem nachhaltigen Bauen verschrieben haben.
Hier finden Sie einen Überblick über neue und weiterentwickelte nachhaltige Bauprodukte.
Nachhaltig Bauen und Sanieren: Siegel und Auszeichnungen
Für die Kennzeichnung der Umweltauswirkungen und der gesundheitlichen Risiken von Produkten existieren strenge Regeln und Gesetze. Und es gibt eine wachsende Zahl an Auszeichnungen und Siegeln, die höchste ökologische Standards bescheinigen – und dabei mehr oder weniger vergleichbar sind.
Zu nennen sind hier beispielsweise EPD (Environmental Product Declaration – Umweltproduktdeklaration) als internationaler Standard oder der Blaue Engel als Deutsches Produktsiegel. Auf beide gehen wir im Folgenden kurz ein. Bei allen Siegeln stellt sich die Frage: Nach welchen Vorgaben beurteilen sie die Nachhaltigkeit eines Produkts? Diese sollten Sie bei der Auswahl eines Produktes im Einzelfall prüfen!
EPD betrachtet die Ökobilanz
Die Deklaration EPD (Environmental Product Declaration – Umweltproduktdeklaration) bewertet neben den Inhaltsstoffen eines Produkts auch seine Produktionsbedingungen und die bei der Entsorgung oder beim Recycling zu erwartenden Auswirkungen. Hierbei geht es weniger um ein einzelnes Kriterium wie etwa „schadstoffarm“ als vielmehr eine Bewertung der gesamten Ökobilanz in Bezug auf eine definierte Anwendung, etwa als bestimmtes Bauteil in einem Gebäude. Das EPD ist ein globaler Standard. In Deutschland ist das IBU (Institut für Bauen und Umwelt) dafür zuständig, vergleichbare Standards für EPDs bei Bauprodukten zu schaffen.
Baustoffhersteller setzen EPDs wirksam zur Vermarktung ihrer Produkte ein. Häufig werben sie damit, für ein Produkt eine (mit Kosten verbundene) EPD erhalten zu haben. Kein Wunder, dienen EPDs heute auch dazu, die Nachhaltigkeit von Gebäuden insgesamt nachzuweisen, was hohe Relevanz für Planer:innen und Auftraggeber:innen hat. Eine Rolle hierbei kann spielen, dass nachhaltige Bauprojekt häufig Förderfähig sind (etwa über die KFW). Damit werden EPDs zu einem relevanten Kaufkriterium für Bauprodukte.
Mehr Informationen zu EPDs und ihrer Vergleichbarkeit finden sich auf der Website des IBU.
„Der Blaue Engel“ zeichnet einzelne Produkteigenschaften aus
Das Zeichen „Der Blaue Engel“ ist die in Deutschland wohl bekannteste Produktdeklaration. Es handelt sich dabei um das Zertifikat des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). „Der blaue Engel“ setzt unterschiedliche Kriterien für einzelne Produktgruppen an. Während für eine Bauwerksabdichtung (die ja möglicherweise in Berührung mit Grundwasser kommt), zum Beispiel „schadstoffarm“ und „gewässerschonend“ auszeichnungswürdig sind, gelten für Innendämmungen Kriterien wie „emissionsarm“ oder „in Innenräumen gesundheitlich unbedenklich“. Die Auszeichnung geht also eher auf einzelne Eigenschaften ein als darauf, wie umweltfreundlich das Produkt in der Gesamtbetrachtung seiner Lebenszeit von der Produktion bis zur Anwendung oder Verwendung ist.
Sie wollen mehr Nachhaltigkeit?
Besonders umweltfreundlich, wohngesund und klimaschonend baut, wer (schnell) nachwachsende Rohstoffe einsetzt. Das sind zum Beispiel Stroh und bestimmte Zellulosefasern – am liebsten recycelt und recycelbar. Hilfestellungen bei der Produktauswahl und der Planung bietet hierbei zum Beispiel die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).
Detaillierte und fundierte Informationen zu Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen von Produkten und einzelnen Stoffen bietet das Umweltbundesamt (UBA). Die Empfehlungen des UBA können nach Einschätzung der Redaktion durchaus als kritisch betrachtet werden. Daher lohnt es für alle, die hohe Ansprüche an Nachhaltigkeit haben, beim UBA nach entsprechenden Leitlinien beziehungsweise Einschätzungen zu suchen. Teilweise werden hier Alternativen, etwa zu im Normalfall „schadstoffintensiven“ Bauweisen bzw. Bautechniken, genannt.
Fazit: Aktuell informieren hilft
Auch wer nicht ausschließlich mit rein ökologischen Materialien planen möchte, kann heute nachhaltig bauen und sanieren. Informationen zu Bauprodukten und ihren Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit stehen in einer Vielzahl zur Verfügung. Nachhaltigkeitsbemühungen der Industrie sorgen für eine schnelle Entwicklung hin zu mehr Umweltschutz. Dennoch: Nur wer sich aktuell und möglichst aus mehreren Quellen informiert, kann dem eigenen Anspruch wirklich gerecht werden.
Quellen:
Blauer Engel, Vergabekriterien unter: https://www.blauer-engel.de/de/zertifizierung/vergabekriterien#UZ216-2021, (abgerufen am 24.11.2025)
Umweltzeichen unter: https://ibu-epd.com/umweltzeichen/ (abgerufen am 24.11.2025)
„Was ist eine EPD?“ unter: https://ibu-epd.com/was-ist-eine-epd/ (abgerufen am 24.11.2025)
Autorin:
Pauline John
Redaktion Ausbaupraxis
