Nachhaltig bauen, ausbauen und sanieren geht klassisch mit ökologischen Materialien –oder mit innovativen Produktentwicklungen aus Fasern, Glas, Recyclingstoffen und Co. Dabei bietet so manche Produktinnovation echte Vorteile bei der Verarbeitung. Wir haben uns umgeschaut und finden: Da geht so einiges auf dem Markt für nachhaltiges Bauen und Sanieren! Von der Unterkonstruktion bis zur Dämmplatte. Neue und verbesserte Systeme für umwelt- und gesundheitsverträgliches Ausbauen finden Sie in dieser Übersicht.
Die leichte Platte ist aus Glas
Mit „Veroboard“ bietet das Unternehmen Verotec eine leichte und tragfähige Platte, die zu 80 Prozent aus recyceltem Glas besteht. Die Blähglasplatte verfügt über thermische Eigenschaften und kommt als leichte, wärmende Alternative bevorzugt im Holzbau zum Einsatz. Unempfindlich gegen Feuchte, bieten Blähglasplatten außerdem Vorteile in Bädern und anderen Nassräumen.
Gips bald nicht mehr: Platten werden nachhaltiger
Der Rohstoff Gips wird knapp, unter anderem, weil Kohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Das bekommt die Industrie heute schon zu spüren. Hersteller von Gipsplatten für den Trockenbau setzen zunehmend auf Recyclinggips. Praktisch für Anwender:innen: Rigips, Knauf und Co. bieten deshalb Services an, mit denen alte Gipsplatten und Verschnitt bequem entsorgt werden können. Sie holen das Material gleich auf der Baustelle ab. In Zukunft wird Gips wohl öfter gleich am Produktionsstandort recycelt, was weitere Transporte überflüssig macht. Saint Gobain betreibt seit 20217 eine Recyclinganlage am Werk in Scholven. Knauf plant gerade eine große Anlage am Stammwerk in Iphoven.
Hier lesen Sie mehr über Baustoffrecycling und Recycling-Baustoffe.
Unterkonstruktion: Jetzt auch aus Recycling-Zellstoff
Soriwa, ein junges Unternehmen aus dem Münsterland hat soeben eine innovative Entwicklung für den Bau von Ständerwänden vorgestellt. Die „Soriwa Multi Profile“ bieten eine Alternative zu konventionellen Stahl- und Holzprofilen: Sie bestehen aus recycelter mehrschichtiger Zellulose. Das Material ist ökologisch und bietet einen entscheidenden Vorteil bei der Verarbeitung: Es lässt sich leicht schneiden und hat, anders als Metall, keine scharfen Kanten.
Der ökologische Dämmstoffmarkt hat viel zu bieten
Bei den nachhaltigen Dämmstoffen kann die Auswahl schwierig werden. Schilf, Stroh, Zellulose, Glas, Holzfaser, Steinwolle, industriell gefertigte Hochleistungsmaterialien: Dämmsysteme werden aus fast allen geeigneten Materialien gefertigt.
Einblasdämmungen können ein besonders nachhaltiger Weg sein, Wände von innen zu dämmen. Die meisten Stoffe sind nicht nur entweder nachwachsend (Stroh, Holzfaser) oder recycelt (Zellulose, Glasfaser), sondern lassen sich nach der ersten Verwendung wiederverwenden. Hier finden Sie einen Überblick zu Einblasdämmungen.
Holzfaserdämmstoffe bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen, haben gute Wärmedämmeigenschaften und, das wird zunehmend zum Argument: Sie schützen im Sommer vor Hitze. Dämmplatten aus Holzfasern sind dabei tolerant gegenüber Feuchtebelastung und damit ziemlich sicher in der Anwendung. Lesen Sie hier, wo sich Holzfaserdämmplatten besonders eignen, und wie sie verarbeitet werden.
Hochstabil und wohngesund: Schaumglasplatten
Schaumglas wird als Wärmedämmstoff im Hochbau und in betriebstechnischen Anlagen eigesetzt. Schaumglas besteht aus Recyclingglas, dem manche Hersteller Zusätze hinzufügen. In einem Schmelzprozess entsteht ein Material mit vordefinierten Eigenschaften. Vorteil: Schaumglas ist in der Regel frei von Schadstoffen, hochwärmedämmend, leicht und stabil. Moderne Schaumglasplatten lassen sich in entsprechender Dicke sogar als Bodenplatte im Neubau verwenden. Für diese innovative Anwendung des Werkstoffs hat das Unternehmen Glapor dieses Jahr den Sustainability Award der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) bekommen.
In der Entwicklung: Ultraleichte Platte aus Holz
An der TU Dresden haben Forschende soeben die sogenannte „FalSa-Platte“ samt zugehörigem Fertigungsverfahren entwickelt. Die Leichtbauplatte besteht aus einer Kernschicht, für die lignozellulosehaltige Holzfaserplatten in Streifen geschnitten, um 90 Grad zur Grundfläche gedreht und zu einem neuen Kern gefügt werden, so dass ein hoher Anteil der Fasern senkrecht zur Plattenebene steht. Damit ist die Platte einerseits stabil. Andererseits wird bei ihrer Herstellung nur sehr wenig Material ein gesetzt, was sie für das nachhaltiges und leichtes Bauen qualifiziert. Partner der Entwicklung waren die G. Kraft Maschinenbau GmbH sowie Steico SE, ein Hersteller von ökologischen Baustoffen. Wir sind gespannt, wann die ersten „FalSa-Platten“ im Fachhandel ankommen.
