Ein Riss zieht sich durch einen grün beleuchteten Betonboden.
Dieser Riss ist sicher nicht mit etwas Kunstharz zu „kitten“. Wer einen Estrich repariert, sollte auch deren Ursache untersuchen. Nur so lassen sich weitere Schäden vermeiden. (Quelle: Mahdis Mousavi auf Unsplash)

Boden 2026-05-12T07:20:00Z Risse im Estrich: Vorbeugen, Ursachen erkennen, reparieren

Risse im Estrich oder eine zu hohe Spannung, die sich auf den Bodenbelag auswirkt, können dazu führen, dass Fliesen oder Natursteine sich aufwölben oder reißen. Ursächlich hierfür sind meist Fehler beim Einbau des Estrichs. Welche Ursachen Risse im Estrich haben und wie sich Schäden vermeiden lassen, lesen Sie hier.

Schäden entstehen oft durch zu kurze Trocknung 

Fließestriche haben den Vorteil einer einfachen Verarbeitung und einer besonders ebenen Oberfläche, auf der sich harte Bodenbeläge gut aufbringen lassen. Moderne Calciumsulfat-Estriche verfügen zusätzlich über ein möglichst geringes Schwindverhalten. Der Größenverlust beim Trocknen ist gegenüber Zementestrichen deutlich geringer. Dennoch bleibt die Ungeduld bei der Estrichverlegung auch hier das größte Risiko. Erst, wenn die sogenannte „Belegreife“ erreicht ist, darf der Bodenbelag folgen, gleich, welcher Estrich verwendet wurde. Wie schnell ein Estrich trocknet, hängt nicht nur vom Produkt ab, sondern unter anderem auch von Belüftungsmöglichkeiten und von den Witterungsbedingungen. Insbesondere, wenn die Zeit knapp ist, sollte die Belegreife unbedingt korrekt gemessen werden. Dabei gilt es, nicht nur die Oberseite zu prüfen. Auf der Unterseite trocknet ein Estrich deutlich langsamer. Hier lesen Sie, wie sich die Belegreife eines Estrichs zuverlässig messen lässt.

Zementestriche: schnelles Trocknen kann Risse verursachen 

Trocknet ein Zementestrich zu schnell oder sehr unregelmäßig, können durch Größenveränderung entstehende Spannungen nicht aufgefangen werden. Dann reißt die Platte und muss vor dem Verlegen des Oberbelags repariert werden. Eine kontrollierte Trocknung ist bei diesen Estrichen also besonders wichtig. In den ersten drei Tagen müssen niedrige Luftfeuchtigkeit und direkte Sonneneinstrahlung unbedingt vermieden werden.  

Fehler in der Konstruktion als Ursache für Rissbildung 

Nicht immer ist allein der Estrich verantwortlich für Rissbilder am Fußboden. Wird ein Fließestrich beispielsweise auf einen bestehenden Bodenbelag aufgebracht, kann dessen Ausdehnungverhalten dazu führen, dass der Estrich unter Spannung gerät und auf- oder ausreißt. Vorhandene Untergründe sollten folglich entkoppelt werden, um Schäden zu vorzubeugen.  

Estrich reparieren 

Risse lassen sich bei Calciumsulfat-Estrichen zum Beispiel mit speziellen Epoxidharzen reparieren. Das gilt, wenn es sich um feinere Risse handelt und größere Bauteilbewegungen in Zukunft nicht mehr zu erwarten sind. In allen anderen Fällen muss hier mit Verbindern oder Dübeln gearbeitet werden. Tauchen feine Risse schon vor dem Verfliesen auf, können Entkopplungsmatten helfen, den Oberbelag vor Schäden zu bewahren.  

Quellen:

  • Hergenröder, Michael, Martin Egenhofer, Ralf Ertl und Thomas Strunk, 2024. Typische Bauschäden im Bild. 4. Auflage. Köln: Rudolf Müller.

  • Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM), 2021. Merkblatt Zementfließestrich: Hinweise für die Planung und Ausführung. Stand: August 2021. Berlin: VDPM. Verfügbar unter: https://www.vdpm.info (abgerufen am 8. Mai 2026).

  • John, Pauline und Miriam Hientz, 2020. Boden – Grundwissen. ausbaupraxis.de [online]. 6. Mai 2020, zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2024. RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co. KG. Verfügbar unter: https://www.ausbaupraxis.de/boden--grundwissen-17112021 (abgerufen am 8. Mai 2026).

Autorin:
Pauline John
Freie Redakteurin
Redaktion Ausbaupraxis

zuletzt editiert am 12. Mai 2026