Um Wände von innen zu dämmen, gibt es viele Wege. Welcher eignet sich wann? Was bedeuten U-Wert und sd-Wert bei Dämmsystemen? Welche Rolle spielt Feuchtigkeit?
Wände von innen isolieren: So verbessern Sie den U-Wert
Wer eine Wand von innen isolieren möchte, hat viele Möglichkeiten. Aber welche Systeme und Materialien eignen sich für die jeweiligen baulichen Gegebenheiten? Was ist, wenn ein Raum feucht ist? Spätestens bei der Systemauswahl stellt sich die Frage: Was bedeuten Begriffe wie U-Wert und sd-Wert?
U-Wert: Wie warm oder kühl soll es sein?
Die erste Frage, die sich stellt, wenn eine Wand gedämmt werden soll, ist: Wie viel Dämmung soll es sein? Hier kommt der U-Wert ins Spiel. Er gibt an, wie groß der Unterscheid zwischen Innen- und Außentemperatur bei einem bestimmten Bauteil ist. Hat eine Wand einen niedrigen U-Wert, lässt sie wenig Wärme nach außen (oder im Sommer nach innen) „entweichen“, ist also besonders gut wärmedämmend. Ein hoher U-Wert bedeutet, viel Wärme wird in Richtung der kalten Seite abgegeben, Raumtemperatur und Außentemperatur liegen also nah beieinander. Der U-Wert wird bei Innendämmsystemen immer für das System angegeben. Wie gut die Wand inklusive System nachher dämmt, hängt schließlich auch von der Wand selbst und eventuell zusätzlichen Bauteilen ab.
Wände isolieren: Feuchtigkeit berücksichtigen
Neben der gewünschten Wärmedämmleistung ist das wichtigste Kriterium für die Auswahl einer geeigneten Innendämmung sicherlich die Feuchtigkeit, mit der im Raum zu rechnen ist. Es macht einen Unterscheid, ob man ein Wohnzimmer dämmen möchte oder ein Bad. Bei der Dämmung eines Kellers gibt es anderes zu berücksichtigen als bei der Innendämmung im Wohnzimmer.
In Bezug auf dem Umgang mit Feuchte lassen sich Systeme zur Innendämmung in drei Kategorien einteilen:
- Kondensat verhindernde Systeme
Hierbei wird mit Materialien gedämmt, die keinerlei Feuchtigkeit durchlassen. Wasserdampf kann also nicht aus dem Innenraum hinter die Dämmung gelangen. Voraussetzung ist, dass alles sorgfältig verarbeitet wurde und das Material absolut sauber verklebt ist.
Vorteile: Feuchtigkeit gelangt nicht ins Bauwerk, sondern bleibt im Raum, das Material selbst ist in der Regel nicht anfällig für Schimmelbildung.
Nachteile: Diese Dämmmaterialien nehmen keine Feuchte auf, damit bleibt Feuchte im Raum und kann an anderen Bauteilen schnell zu Schimmelpilzbildung führen. Raumklimatisch sind sie ungünstig, weil nicht ausgleichend. Kondensat verhindernde Systeme sind anfällig für Ausführungsfehler!
Geeignet für: hohe Feuchtebeanspruchung, etwa in Schwimmbädern, professionelle Montage - Kondensatbegrenzende Systeme
Hierbei handelt es sich um Aufbauten, deren Oberfläche einen Widerstand gegen eindringende Feuchte bildet, die jedoch eine begrenzte Menge an Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben können. Achtung: Die Bandbreite der von Herstellern so bezeichneten System ist hoch und reicht von sehr feuchtetoleranten bis hin zu relativ dichten Systemen.
Vorteile: Diese Systeme können recht genau an die zu erwartenden Bedingungen angepasst werden.
Nachteile: Diese Systeme müssen recht genau an die zu erwartenden Bedingungen angepasst werden. Es muss sichergestellt sein, dass Feuchtigkeit nicht von außen, etwa in Form von Schlagregen in das System gelangen kann.
Geeignet für: vielfältige Anwendungsgebiete, weil die Feuchteaufnahmefähigkeit sehr unterschiedlich ist. - Kondensat tolerierende Systeme
Diese Systeme kommen wohl am häufigsten zum Einsatz, weil sie wie der Name schon sagt, tolerant sind. Sie können ein gewisses Maß an Feuchte aufnehmen und auch wieder an die Innenraumluft abgeben.
Vorteile: Feuchtigkeit aus dem Raum kann aufgenommen und wieder abgegeben werden. Damit sind Kondensat tolerierende Systeme raumklimatisch günstig. Sie sind pauschal gesagt weniger anfällig für Ausführungsfehler als dichtere Systeme.
Nachteile: Die Wasseraufnahme und -abgabefähigkeit ist bei aller Toleranz immer begrenzt. Verbleibt Feuchte zu lange im System, kommt es zu Schimmelbildung in der Dämmung und angrenzenden Bauteilen.
Geeignet für: Räume mit niedriger bis mittlerer Luftfeuchte, in denen es gelegentlich zu Feuchtespitzen kommt, auf die trockenere Phasen folgen. In der Regel also alle Wohnräume. In Feuchträumen wie Badezimmern eignen sich diese Systeme dann, wenn der Aufbau sehr sorgsam geplant und ausgeführt wird – etwa mit einer luftdichten Schicht hinter dem System, die verhindert, dass Feuchte in angrenzende Bauteile wandert und mit besonders gegen Schimmel resistenten Systemen. Und wie immer: Heizen und Lüften nicht vergessen!
sd-Wert ist entscheidend für Feuchtetoleranz
Welcher Klasse ein System angehört, ist nicht nur von System selbst abhängig, sondern von seinem individuellen Aufbau. Der entsprechende Wert ist der sogenannte Sd-Wert. Ein hoher sd-Wert bedeutet, ein System ist besonders dicht gegenüber Feuchte (Wasserdampf), kondensattolerierende Systeme haben niedrige sd-Werte.
Ein herstellerseitig diffusionsoffenes (kondensattolerierendes) System wird in dem Moment diffusionsdicht, wenn es mit einer luftdichten Schicht von außen verschlossen wird, das kann auch eine Farbbeschichtung sein. Soll eine Wand von innen gedämmt werden, ist es vor allem wichtig, zu planen welche Teile und Materialien im Gesamtaufbau diffusionsoffen und welche dicht oder dichter sind, um die Bausubstanz zu schützen und möglichst günstige raumklimatische Bedingungen zu schaffen.
Es bietet sich an, mit Komplettsystemen zu arbeiten, wie sie Hersteller anbieten. Eine Innendämmung selbst zu planen, ist mit dem entsprechenden Fachwissen, bauphysikalischem Verständnis und handwerklicher Erfahrung aber gut möglich, oft günstiger und von Vorteil, wenn man die Dämmung etwa in sowieso geplante Umbaumaßnahmen integriert.
Hier finden sie beispielhafte Aufbauten, professionelle Tipps und Tricks zur Planung und Ausführung von Innendämmungen .
Autorin:
Pauline John
Freie Redakteurin
Redaktion Ausbaupraxis
