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Trockenbauplatten: Für jede Anwendung etwas dabei

Die Zahl der im Handel verfügbaren Trockenbauplatten für Brandschutz und Innenausbau wächst und wächst. Sie tragen klangvolle Namen wie AquaPanel, LaHydra, Powerpanel H2O, Silentboard und Habito, die in der Regel auch auf die besonderen Eigenschaften oder Einsatzgebiete der Platte hinweisen sollen. Nicht immer sind aber die Unterschiede für Sie als Verarbeiter eindeutig erkennbar. Wir wollen den Nebel lichten und Ihnen einen großen Überblick über die Materialien und die Einsatzgebiete verschaffen.

Das Material von Trockenbauplatten für Brandschutz und Innenausbau: Gips versus Zement

Gips hat eine Vielzahl von Eigenschaften, die für Trockenbauwände eine wichtige Rolle spielen. Hauptaugenmerk liegt dabei vor allem an der Fähigkeit des Gipses, große Mengen Luftfeuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und in trockenen Zeiten wieder abzugeben. Das gilt natürlich auch für kartonummantelte Trockenbauplatten für Brandschutz und Innenausbau. Gipsplatten können allerdings nicht „atmen“, wie oft behauptet wird. Da Gips an sich wasserlöslich ist und bleibt, kommen in häuslichen Feuchträumen nur imprägnierte (Karton oder Kern) oder faserbewehrte Varianten in Frage, in gewerblichen Nassräumen und Großküchen dürfen gipsbasierte Platten in der Regel nicht eingesetzt werden. Der Gipskern an sich ist spröde, bei den Gipsfaserplatten übernehmen die eingebetteten Zellulosefasern die Biegezugfestigkeit, die bei den Gipskartonplatten die Kartonummantelung sicherstellt.

Trockenbauplatten für Brandschutz und Innenausbau auf Zementbasis sind per se wasserfest, aber Achtung: In gewerblichen Nassräumen und Großküchen spielt für die Dauerhaftigkeit der Bauteile nicht nur die Plattenart, sondern auch die Unterkonstruktion der Trockenbauwand eine große Rolle. Das Wasser kann zwar den Platten selbst nichts anhaben, unzureichend korrosionsgeschützte Profile aber werden irgendwann versagen. Auch mitunter eingesetzte Chemikalien wie chlorhaltige Reinigungsmittel setzen den Profilen zu. Deshalb sind Profile mit Korrosionsschutzklasse C3 oder C5 hier Pflicht. Durch das Herstellverfahren unter Einsatz von leichten Zuschlägen (Blähglasgranulat) sind die Zementbauplatten nicht oder nur unwesentlich schwerer als ihre Gips-Pendants. Die Bewehrung ist durch Glasfaservliese auf beiden Seiten sicher gestellt. Moderne Zementplatten werden genauso verarbeitet wie Gipsplatten, sprich mit Cutter. Eingesetzte Elektrowerkzeuge sollten mit hartmetallbestückten Sägeblättern ausgestattet sein. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gipskartonplatten werden die Zementplatten an den Stößen verklebt und anschließend verspachtelt.

Anforderungen: Trockenbauplatten für den Schallschutz

Grundlage für die Schallschutzanforderungen im Trockenbau sind die sieben Schallschutzklassen A* bis F, die die Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA) definiert hat. Der Schallschutz bei Trockenbauwänden beruht auf dem Masse-Feder-Masse-Prinzip, bei dem die Beplankung die Masse (auf beiden Seiten) und die eingebrachte Mineralfaserdämmung die Feder darstellen. Bei einer abgehängten Decke kommt neben der Dämmung auch den Abhängern die Funktion einer Feder zu. Um bei Trockenbauplatten für den Schallschutz die Masse zu erhöhen, kann einerseits mehrfach beplankt werden (bis zu dreimal), andererseits können Platten mit einem höheren Flächengewicht von bis zu 18 kg/m2 eingesetzt werden. Eine wichtige Rolle spielt auch die Plattenhärte. Biegeweiche Platten verändern die sogenannte Resonanzfrequenz hin zu den tieferen Frequenzen, was allgemein als angenehmer und „leiser“ wahrgenommen wird. Nahezu alle Hersteller haben deswegen entweder besonders dichte oder besonders biegeweiche Platten im Programm, die im Übrigen in den gleichen Abmessungen und Dicken wie die normalen Bauplatten verfügbar sind.

Die Schallschutzfunktion der Trockenbauwand wird außerdem durch eine möglichst durchgehende Entkopplung von Ständerwerk und Beplankung vom Baukörper sowie den Abstand der beiden Schalen zueinander maßgeblich beeinflusst. Ein größerer Schalenabstand verändert ebenfalls die Resonanzfrequenz. Eine 150er Wand (100er Profil plus zweimal Doppelbeplankung 12,5 mm) bietet also einen höheren Schalldämmwert als eine 100er Wand (50er Profil plus zweimal Doppelbeplankung 12,5 mm). Bei der Trennwanddämmung ist die Rohdichte des Dämmmaterials ausschlaggebend, die 15 kg/m3 nicht unterschreiten sollte.

Achtung: Das bei den Platten oft angegebene Schalldämmmaß im Trockenbau bezieht sich nicht auf die einzelne Schallschutzplatte, sondern auf das Bauteil, etwa eine zweischalige Trennwand.

Anforderungen: Trockenbauplatten für den Feuchteschutz

Beim Feuchteschutz stehen die gipsbasierten Ausbauplatten besonders im Fokus, da Gips wasserlöslich ist und sich unter Wassereinwirkung Biegeverformungen einstellen können. Unterschieden werden muss hier zwischen Feuchträumen und Nassräumen. In Feuchträumen treten nur kurzzeitig Flüssigwasserbelastungen und hohe Luftfeuchtigkeiten auf, in Nassräumen ist die Belastung durch Flüssigwasser und Luftfeuchte permanent hoch. Auf Gips basiert bekommen Sie vor allem Feuchtraumplatten, in Nassräumen dürfen Gipsplatten (mit Ausnahmen) nicht eingesetzt werden. Zwei Arten von Feuchteschutz kommen bei den Platten zum Einsatz: zum einen die Imprägnierung der Kartonummantelung (grüne Färbung), zum anderen die Hydrophobierung des Gipskerns. Für den Einsatz in häuslichen Bädern (Beanspruchungsklasse A0) reichen diese Feuchtraumplatten allemal aus, sofern die relative Luftfeuchte die 70 % nicht permanent übersteigt. Aber Achtung: Auch ausgewiesene Feuchtraumplatten auf Gipsbasis benötigen eine mindestens zweimalige flüssige oder eine bahnenförmige Abdichtung im direkten Spritzwasserbereich – so werden die Trockenbauplatten wasserfest.

Nur ganz wenige gipsbasierte Bauplatten dürfen auch in Nassräumen eingesetzt werden. In Bädern, Saunen und Großküchen spielt neben der Wasserbelastung auch die Einwirkung chemischer Substanzen aus Reinigungsmitteln eine Rolle, deshalb sind für die Wände zementgebundene Platten hier erste Wahl.

Anforderung: Trockenbauplatten für den Brandschutz

Gips-Trockenbauplatten für Brandschutz im Innenausbau weisen per se schon mal einen gewissen Schutz auf, denn das kristallin gebundene Wasser in den Platten (etwa 23 %) verdampft bei Hitzeeinwirkung und kühlt die ganze Konstruktion eine gewisse Zeit lang. In der Baustoffklasse A1 sind Trockenbauplatten nicht brennbar, sie bestehen in diesem Fall aus einem nicht brennbaren Glasfaservlies mit einem Gipskern. Die Wirkung einer Brandschutzplatte und Feuerschutzplatte wird über die Feuerwiderstandsklasse definiert. Je dicker die Gesamtbeplankung, desto länger hält die Konstruktion der Brandbeanspruchung stand und desto günstiger ist die Feuerwiderstandsklasse. Spezielle Brandschutzplatten fallen deshalb oft aus dem üblichen 12,5-mm-Raster raus, die Plattenstärke liegt zwischen 15 und 40 mm. Ab 40 mm Gesamtstärke wird zwei- bis dreilagig gearbeitet, um die Trockenbauplatten möglichst feuerfest zu fertigen. Um die Stabilität der Platte bei verdunstendem Wasser zu gewährleisten, sind diese Platten armiert, zum Beispiel mit einem (nichtbrennbaren) Glasfaservlies auf beiden Seiten und/oder durch eine Faserarmierung des Gipskerns. Für Brandschutzkonstruktionen bei Trennwänden sind mitunter andere Abstände für die Profile zu beachten. Auch die Befestigungspunkte der tragenden Randprofile sind abhängig von der Wandhöhe definiert.

Kurven gefällig? Hier finden Sie einen Beitrag zum  Gipskartonplatten biegen.

Anforderung: Schadstoffabsorption

Relativ neu ist die Gattung der schadstoffabsorbierenden Gipsplatten, die je nach Hersteller mit unterschiedlichen Wirkmechanismen funktionieren. Bei der Fermacell greenline beispielsweise ist die Oberfläche mit einem Wirkstoff so ausgestattet, dass Schadstoffmoleküle wie Aldehyde und Ketone an der Oberfläche lose andocken (Physisorption, reversibel). Sie dringen dann in tiefere Schichten ein (Diffusion), wo sie dauerhaft chemisch gebunden und umgewandelt werden (Chemisorption, irreversibel). Dabei können sie anschließend nicht wieder an die Raumluft abgegeben werden. Diese Funktion behält die Platte auch dann bei, wenn die Oberfläche tapeziert oder gestrichen wird. Wichtig ist dabei allerdings, dass diese Beschichtung diffusionsoffen ist (Feinputze, Dispersionsfarben, Papiertapeten). Allerdings gilt, dass eine mehrmalige Beschichtung mit Farben oder Tapeten den Zugang der Raumluft zum aktiven Stoff erschwert. Der reinigende Effekt hält über mehrere Jahre an, das ist allerdings stark von der Schadstoffkonzentration in der Luft, der verbauten Fläche der Platten und dem Diffusionswiderstand abhängig.

 

 

Der Reaktionsmechanismus, auf dem die greenline-Platten basieren, wurde bereits 1948 geklärt. (Bild: Fermacell)

Der Reaktionsmechanismus, auf dem die greenline-Platten basieren, wurde bereits 1948 geklärt. (Bild: Fermacell)

Der Reaktionsmechanismus, auf dem die greenline-Platten basieren, wurde bereits 1948 geklärt. (Bild: Fermacell)

Der Reaktionsmechanismus, auf dem die greenline-Platten basieren, wurde bereits 1948 geklärt. (Bild: Fermacell)

Die Cleaneo von Knauf und Rigiton Air von Rigips funktionieren anders. Ihr Gipskern enthält als Additiv ein mineralisches Gesteinsmehl vulkanischen Ursprungs, das Zeolith (Silikat-Mineral). Es wirkt über physikalische Anlagerung (Physisorption) mit Hilfe seiner stark aufgebrochenen Oberfläche, das heißt durch Einlagern neutraler Verbindungen in die Mikroporen der Kristallstruktur. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Katalysator an vielen Stellen mit den Schadstoffen in Verbindung kommt. Im Gegensatz zu Luftfiltern, die regelmäßig gewartet werden müssen, oder Geruchsabsorbern, die Gerüche lediglich überdecken, aber nicht beseitigen, baut eine mit Zeolith versetzte Gipsplatte Schadstoffe und Gerüche tatsächlich dauerhaft ab. Die chemische Reaktionsfähigkeit wird dabei nicht verändert und bleibt nachhaltig wirksam. Während verschiedene andere Produkte mit Luftreinigungseffekt wie zum Beispiel mit Titandioxid veredelte Textilien oder Tapeten photokatalytisch arbeiten und daher UV-Licht benötigen, wirken Cleaneo und Rigiton unabhängig von Tageslicht, 24 Stunden am Tag. Gerade in großen Innenräumen, in denen UV-Licht nicht überall respektive nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, ist das ein entscheidender Faktor. Die Cleaneo- und Rigiton-Platten sind nur an der Decke einzusetzen, um eine möglichst große Oberfläche zu schaffen und der Raumluft möglichst freien Zugang zu ermöglichen.

Die Cleaneo-Platten und die Rigiton-Platten werden vorzugsweise als Lochplatten an der Decke montiert. (Bild: Knauf)

Die Cleaneo-Platten und die Rigiton-Platten werden vorzugsweise als Lochplatten an der Decke montiert. (Bild: Knauf)

Die Verarbeitung der Platten erfolgt wie die der konventionellen Pendants. (Bild: Knauf)

Die Verarbeitung der Platten erfolgt wie die der konventionellen Pendants. (Bild: Knauf)

Sie möchten eine alternative Trockenbauwand?

Natürlich gibt es auch alternative Möglichkeiten, Trockenbauwände zu erstellen. Claytec bietet zum Beispiel Trockenbauplatten aus Lehm – mit allen Eigenschaften, die der natürliche Werkstoff auch bietet, wenn er als Masse auf die Wand aufgetragen wird: Er reguliert Feuchtigkeit, filtert Schadstoffe und wirkt geruchsbindend.

Außerdem gibt es Platten für den Trockenbau, die aus Hartschaum bestehen, oder auch Platten aus Blähglas. Eine andere Möglichkeit, Trockenbauwände zu erstellen, bieten Porenbetonsteine. Sie sind zwar nicht in Plattenform erhältlich, ihr geringes Gewicht macht sie aber einfach handhabbar.  

Keyvisual und Teaserbild im Beitrag: Fermacell

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