Hitze aushalten, Wasser ableiten, Unfällen vorbeugen und dabei gut aussehen: Bodenbelägen auf dem Balkon wird einiges abverlangt. Von Statik bis Gefälle und Materialauswahl, wie Sie einen Bodenbelag für den Balkon fachgerecht planen, lesen Sie hier.
Viel mehr als Optik: Kriterien zur Materialauswahl
Holz wirkt natürlich, Fliesen sind clean, mit Naturstein wird’s nobel. Gestalterische Kriterien spielen bei der Auswahl eines Bodenbelags für den Balkon nur auf den ersten Blick die größte Rolle. Je nach Gebäude ist es wichtig, die Tragfähigkeit des Balkons zu bedenken, in manchen Fällen spielt die Verarbeitungsgeschwindigkeit eine Rolle, auf anderen Balkonen muss der Belag viel Wasser aushalten. Ob Holz, Fliese oder Stein: Bodenbeläge auf Balkonen sollten vor allem UV- und frostbeständig sowie wasserfest sein – und dazu bestenfalls rutsch- und stolpersicher.
Aus technischer Sicht stellt die Gesamtkonstruktion (und nicht allein der Oberbelag) vor die größten Herausforderungen: Ist der Balkon bereits abgedichtet oder soll der Boden komplett neu aufgebaut werden? Kann der Bodenbelag auf einer bereits existierenden dichten Ebene „aufgestelzt“ werden oder ist eine „Bettung“ vorhanden? Ist gewährleistet, dass Wasser kontrolliert abfließen kann?
Fliesen, Platten und Natursteine lassen am sichersten auf Sand- beziehungsweise Splittbettungen mit unterliegender Abdichtung verlegen. Die Bettung dient hierbei als Dränschicht. Bei der anspruchsvolleren und mittlerweile selteneren Verlegung im Mörtelbett geht der Belag einen festen Verbund mit der Abdichtung ein. Und ohne diese geht auch bei dichten Platten nichts: Fliesen im Mörtelbett ohne Abdichtungsschicht sind spätestens dann nicht mehr dicht, wenn es zu Rissen in Fugen oder Platten kommt!
Holzplatten beziehungsweise Holzroste werden meist auf Stelzlagern montiert, die auf eine funktionierende Abdichtungsschickt aufgebracht werden.
WPC-Balkonbeläge (Wood-Plastic-Composite) bestehen aus Kunststoff, der meist mit Zuschlägen versetzt ist. Sie bieten eine langlebige Alternative zu Holz.
Flüssigbeschichtungen gibt es in vielen verschiedenen Designs. Sie bieten die Möglichkeit, Abdichtung und Oberbelag auf einmal auszuführen und lassen sich später leicht sauber halten.
Was bedeutet offen oder geschlossen beim Balkonboden?
Offene Bodenbeläge erlauben, dass Wasser nach unten abläuft und die Entwässerungsebene unterhalb des Bodenbelags verläuft: Dazu zählen Holzroste, WPCs oder in Splitbettung verlegte Platten. Geschlossene Beläge sind beispielsweise im Mörtelbett verlegte Fliesen mit integrierter Abdichtungsebene. Sie lassen kein Wasser durch und dienen so selbst als Entwässerungsebene: Das Gefälle muss hierbei für die gesamte Konstruktion geplant werden. Geschlossene Bodenbeläge auf Balkonen sind schadensanfälliger und schwieriger zu warten als offene.
Das Wasser muss weg: Entwässerungsebene und Abdichtung planen
Damit Bauteile (und je nachdem Wohnräume), die unter dem Balkonboden liegen, keinen Schaden durch Wasser nehmen, muss unter jedem Bodenbelag abgedichtet werden beziehungsweise eine funktionierende Abdichtung vorhanden sein. Davon ausgenommen sind nur Bauteile aus wasserdichten Materialien – hierzu zählen etwa Balkonplatten aus wasserdichtem Beton.
Ganz gleich, welche Schicht des Balkonbodens wirklich dicht ist, spätestens von dieser sollte das Wasser problemlos ablaufen. Bevor Sie einen Bodenbelag für den Balkon planen: Legen Sie fest, welche Ebene das Wasser abführen soll. Diese Entwässerungsebene muss ein entsprechendes Gefälle besitzen und je nach Konstruktion einen Ablauf: Dieser sollte das Wasser so abführen, dass es keine anderen Bauteile durchfeuchten oder auf Nachbarbalkone fließen kann. Für das Gefälle geben die einschlägigen Normen ein Mindestgefälle von 1,5 oder 2 Prozent an – je nach Norm und Anwendungsfall.
Dicht macht glücklich: Abdichtung als Basis für den Bodenbelag
Bei der Entscheidung für die passende Abdichtung legen die einschlägigen Normen nahe, dass vor allem das Schadensrisiko bei der Wahl der Abdichtung leitend sein sollte. Meint: Befindet sich ein Balkon oder eine Loggia über einer genutzten Fläche, bestehen höhere Anforderungen an die Dichtigkeit als bei einer freischwebenden Balkonplatte über einer Wiese.
Für die Abdichtung von Balkonen kommen grundsätzlich zwei Varianten infrage: eine Flüssigabdichtung oder die Abdichtung mit bahnenförmigen Dichtstoffen aus Kunststoff oder Bitumen. Welche Methode passt, hängt nicht in erster Linie von der Höhe der Anforderungen an die Abdichtung ab, sondern von der Konstruktion: Flüssigabdichtungen punkten dort, wo viele Anschlüsse abgedichtet werden müssen, fließen sie doch einfach „gefällig“ um Hindernisse herum und dichten die Anschlussbereiche gleich mit ab. Abdichtungsbahnen sind hingegen auf großen Flächen von Vorteil, auch weil sie deutlich günstiger sind. Das Schweißen von Bitumenbahnen erfordert allerdings unbedingt professionelles Know-How.
Hinweise zur professionellen Abdichtung von Balkonen finden sich in der Abdichtungsnorm DIN 18531, Teile 1 bis 3. Vor allem bei der Abdichtung von Balkonen und Loggien, die sich über genutzten Flächen befinden, hilft die sogenannte „Flachdachrichtlinie“ (Fachregel für Abdichtungen – Flachdachrichtlinie).
Tragfähigkeit und Statik: Wie schwer darf es sein?
Ein paar Holzplatten wiegen nicht allzu viel. Natursteinfliesen auf einem Splittbett stehen schon eher im Verdacht, Gewicht auf den Balkon zu bringen.
Dass Balkone abbrechen, kommt zwar sehr selten vor, aber insbesondere bei Altbauten mit auskragenden Stahlträgern sollte mehr als ein Gedanke auf die Tragfähigkeit der Konstruktion entfallen! Manchmal sind Abdichtungen schon länger beschädigt und die Träger sind derart korrodiert, dass eine Gesamtinstandsetzung gefragt ist.
Eine Regel dafür, wann die Tragfähigkeit überprüft werden sollte, gibt es nicht. Berechnen Sie auf jeden Fall, wie hoch das Gewicht des Belags mit allen Komponenten wird und bedenken Sie, dass auch Geländer und bewegliche Ausstattung wie Balkonmöbel oder Pflanzen Gewicht auf den Balkon bringen. Moderne Balkone sind in der Regel auf 400 kg/m2 ausgelegt.
Langlebiger Bodenbelag für den Balkon: Auf die Details kommt es an
Selbst wenn lediglich ein neuer Belag auf eine noch funktionsfähige Abdichtung aufgebracht wird: Details können beim Balkonboden entscheidend sein. Wird etwa der Bereich direkt vor der Balkontür ohnehin von Regen beansprucht, kann das Anheben des Bodenniveaus (zum Beispiel beim Einsatz von Holzrosten) die Spritzwassersituation für den Innenraum verändern. Mehr Wasser bedeutet hier ein höheres Risiko für den innenliegenden Boden. In jedem Fall verlangt der Anschluss zum Innenraum besondere Aufmerksamkeit. Besonders die Abdichtung kann hier zur Schwachstelle werden. Am besten planen Sie diesen und weitere Bauteilanschlüsse direkt am Anfang. So können sie eventuell sogar die geplante Abdichtungsart oder den Oberbelag vor der Umsetzung noch anpassen. Weitere Hinweise zur Abdichtung und zu Anschlüssen lesen Sie in diesem Beitrag zur Balkoninstandsetzung .
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Quelle:
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Storch, Wolfgang / Herre, Walter / Einemann, Axel / Silberhorn, Michael / Siegwart, Michael: Balkone, Loggien und Terrassen. Planung, Konstruktion, Ausführung, 3. Auflage, Rudolf Müller Verlag, Köln 2024