Detailansicht: Die Hand eines Handwerkers bricht eine zuvor mit dem Cutter geschnittene Lehmbauplatte auseinander.
Trockenbauplatten aus Lehm gibt es schon länger. Eine neue Entwicklung ist, dass die Platten unkompliziert im System verarbeitet werden können. Hersteller wie Conluto bieten hierzu etwa passende Klebemörtel und verarbeitungsfertige Lehmputze an. (Quelle: Conluto)

Platten 2026-06-09T10:51:33.463Z Neues aus dem Plattenladen

Trockenbauplatten werden nachhaltiger, leistungsfähiger und multifunktional – von recycelten Materialien über feuchteresistente Gipsplatten bis hin zu Systemen mit integrierter Klima- und Akustiktechnik.

Wer nach Platten für den Innenausbau sucht, stellt schnell fest: Die Platten-Sortimente der großen Hersteller bestehen nach wie vor in erster Linie aus gipsbasierten Produkten – obwohl Gips ein endlicher Rohstoff ist, jedenfalls wenn Kohlekraftwerke nicht endlos weiterbetrieben werden.

Recyclinggips: bewährte Produkte, neue Herstellungsprozesse, mehr Service auf der Baustelle

Deshalb liegt eine der großen Neuerungen bei Trockenbauplatten nicht in der Platte, sondern in ihrer Herstellung. Marktführer wie Rigips, Knauf, OWA oder Fermacell setzen zunehmend auf eigene Recyclinganlagen und Produktionsprozesse, bei denen das Recycling alter Platten integriert wird. Was springt dabei für Anwender:innen raus? Die Hersteller bieten an, alte Platten und Platten-Verschnitt direkt von der Baustelle abzuholen. Informationen dazu finden sich auf den jeweiligen Homepages oder beim Kundenservice.

Trockenbau geht auch draußen

Um die Arbeit auf der Baustelle zub erleichtern, legen Hersteller den Fokus weiterhin auf gipsbasierten Platten und die Entwicklung von Technologien, mit denen diese robust werden gegenüber Feuchte- und Witterungseinflüssen.

Neben Gipsfaserplatten gehören zementgebundene Platten zu den „Klassikern“ im Innenausbau. Faserzementplatten eignen sich sowohl in Feucht- und Nassräumen als auch als Bauelemente für Außenwände und -decken. Mit ihrem höheren Gewicht und der härteren Textur sind sie sperriger in der Verarbeitung.

„Rigips Glasroc X“ ist ein Ergebnis dieser Entwicklung. Die Platte kann nach Angaben des Herstellers sogar zur Erstellung von Außenwänden und Außendecken eingesetzt werden, auch wenn diese bewittert sind.

Nass und trotzdem aus Gips

Knauf hat auf die Anforderungen einer einfachen Verarbeitung in Feuchträumen mit der Entwicklung des „Knauf Drystar Board“ reagiert. Besondere Eigenschaft der imprägnierten und vlieskaschierten Platte: sie lässt sich biegen. Damit sind runde Wand- und Deckenformen auch in Bädern möglich.

Hart, härter am härtesten

Ein weiterer Trend bei Trockenbauplatten ist, dass sie mit besonderer Härte immer mehr Gewicht aufnehmen können. Immer spezialisiertere Konstruktionen bedürfen oft Lösungen, bei denen sich schwere Bauelemente direkt an der Trockenbaukonstruktion befestigen lassen. Beispiele sind hierfür „Knauf Diamant“ oder „Rigips Habito“.  Beide Platten sind mit Glasfasern verstärkt.

Trockenbau express – fast ohne Werkzeug

Andere Innovationen betreffen die Verarbeitung. Es gibt mittlerweile Wandsysteme, bei denen sich die Platten reversibel mit Klettverschlüssen anbringen lassen, was vor allem im Messebau oder für Raum-in-Raum-Konstruktionen in größeren Büros spannend ist.

Heizen und Kühlen schon mitgedacht

Neuere Entwicklungen für Böden oder Decken „denken“ die Heizung oder Kühlung gleich mit. Das Bodensystem „Therm25“ von Fermacell verfügt über Fräsungen für Heizungsrohre. Bei OWA kommt die akustisch wirksame „Klimadecke“ mit integrierten Energieschienen für Heizung oder Kühlung. 

Trockenbauplatten aus Lehm, Stroh und Co

Für nachhaltige Akustiklösungen bietet OWA neuerdings Akustikplatten aus schnell nachwachsendem Hanfstroh. Hanfstroh kommt bei anderen Herstellern schon länger für Platten zum Einsatz. Mit „Hemplith Aquaboard“ bietet der Händler „von Hanf“ sogar eine nach Eigenangaben für Feuchträume geeignete Hanfstrohplatte.

Trockenbauplatten aus Lehm eignen sich (bisher) nicht für stark feuchtebeanspruchte Bereiche. Für alle anderen Räume sind Lehmbauplatten beispielsweise von den Herstellern Conluto, Claytec oder Levita Lehm eine besonders nachhaltige Alternative. Sie lassen sich ebenso einfach schneiden wie Gipsplatten, sind allerdings schwerer, was dafür gleichzeitig für dämmende Masse im Gebäude sorgt. Lehm ist in der Lage, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und wieder abzugeben: Schimmelbildung wird damit vorgebeugt. Während die Verarbeitung von Lehmputzen früher eher mühsam war, bieten die Hersteller nunmehr für glatteste Oberflächen optimierte Sieblinien, fertig gemischte und maschinengängige Rezepturen und Varianten, deren Oberfläche aussieht wie die von Kalk- oder Gipsputzen. Die einfache Verarbeitung im System macht die Trockenbauplatte aus Lehm zu einem innovativen Produkt für raumklimatisch günstiges und kreislauffähiges Bauen – die gesamte Wand ist einfach recycelbar.

Blähglasplatten: Nachhaltig, leicht zu verarbeiten und gut für Feuchträume

Blähglasplatten kommen im Trockenbau aufgrund ihrer Eigenschaften immer öfter in Wandkonstruktionen zum Einsatz. Besonders kombiniert mit Holzständerwänden bieten sie mit geringem Gewicht den Vorteil einer einfachen Verarbeitung. Sie sind für Feuchträume geeignet und – weil größtenteils aus Altglas – als nachhaltig einzustufen.

Autorin

Pauline John
Freie Redakteurin
Redaktion Ausbaupraxis

zuletzt editiert am 09. Juni 2026
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